Die ersten Ambassy hat Thomas Schwarz am 29. Juli gepflückt, seit Anfang dieser Woche auch Gravensteiner. Die Ernte hat früh begonnen und sieht vielversprechend aus.
Aussergewöhnliche grosse Früchte
«Das gibt schöne Erträge», kommentiert der Produzent aus Rüfenach beim Gang durch seine Obstanlage mit gut 1 Hektare Äpfel und Birnen. Der Behang ist über alle Sorten gut, die Fruchtgrösse weit fortgeschritten und überdurchschnittlich.
Dieses Bild bestätigt Othmar Eicher, Fachspezialist Obstbau am LZ Liebegg: «Im Aargau erwarten wir bei allen Apfelsorten – keine Regel ohne Ausnahme – eine gute Ernte, deutlich höher als im Vorjahr, aber etwas tiefer als 2020.» Dies allerdings bei der aktuellen Trockenheit nur dank Tropfenbewässerung, mit denen die Anlagen im Kanton mehrheitlich ausgerüstet sind, wie jene von Thomas Schwarz.
Die Erntetermine liegen gemäss Othmar Eicher sechs Tage früher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, vergleichbar mit 2018 und 2014, und knapp zwei Wochen früher als im Vorjahr. Höhenlagenbedingte Unterschiede bei den Ernteterminen werden auf lediglich ein bis zwei Tage pro 100 Höhenmeter geschätzt, standardmässig wären es vier bis acht Tage.
Dem Obst droht Sonnenbrand
Petra und Thomas Schwarz produzieren nebst dem Kernobst 50 Aren Kirschen und 25 Aren Erdbeeren. Fast alles vermarkten sie direkt via Hofladen, auf dem Wochenmarkt und an Läden in der Region.
Die Kirschenanlage ist voll eingenetzt, das Obst mit einem Hagelnetz geschützt. Es hilft derzeit auch gegen Sonnenbrand, stellt der Produzent fest und verweist auf eine Parzelle ohne Netz: Dort leiden die Bäume unter der Hitze. Beim Sommerschnitt entfernt er darum nicht zu viel Laub. Das Phänomen Sonnenbrand ist verbreitet, weiss Othmar Eicher.
Er rät darum auch, Blattdüngungen jetzt zu unterlassen und nicht oder weniger oft zu mulchen, um die nächtliche Luftfeuchtigkeit zu konservieren. Trockenstress zusammen mit Hitze befördere vorzeitigen Fruchtfall und Rissbildungen an den Früchten und in der Stielgrube mit zunehmender Reife. Bereits gebe es auch Wespen- und Vogelfrass, nicht nur bei Birnen und Zwetschgen.
Die Obsternte kommt nun voll in Fahrt. Bei Thomas Schwarz sind bis Ende August weitere Sorten wie Gala, Elstar und Cox Orange pflückreif. Bis dahin hofft er auf tiefere Temperaturen – «es ist nicht gerade optimal, wenn wir Lagersorten von 25 Grad C runterkühlen müssen».
Auch in der Zentralschweizer gute Aussichten
«Um die Kernobsternte in der Zentralschweiz steht es gut», meldet auch Aurelia Jud vom BBZN Luzern. Es gab weder grossflächige Frühlingsfröste noch grössere Hagelereignisse wie in der Saison 2021. «Einzig die nicht gerade üppigen Niederschläge könnten die Situation bis in den Herbst hinein vor allem für Jungbäume verschärfen.» Andererseits sei wegen der knappen Niederschläge beispielsweise der Schorfpilz weniger ein Thema.
Die hängende Ernte sei grundsätzlich sehr gesund, die Behänge beim Apfel gut bis sehr gut und bei der Birne ein wenig tiefer.
Die Ernte ist ein grosser Kostenfaktor
«Die anstehende Kernobsternte ist eine arbeitsintensive Zeit für die Kernobstbetriebe und sollte gut organisert werden», gibt Othmar Eicher vom LZ Liebegg zu bedenken. - von 520 Arbeitsstunden pro ha/Jahr entfallen 260 Stunden auf die Ernte, also die Hälfte des jährlichen Arbeitsaufwands. - 40 Prozent der Produktionskosten sind Arbeitskosten. - 45 Prozent der Arbeitskosten fallen bei der Ernte an. - 25 Prozent der Produktionskosten fallen bei der Ernte an.

