Blick ins Kartoffelfeld: So schützt man die anspruchsvolle Kultur
Dass Kartoffel-Essen gesund ist, weiss jedes Kind. Die Kartoffel ist reich an Kalium, das für einen gesunden Blutdruck sorgt. Zusätzlich enthält die Knolle Magnesium, das für starke Knochen und ein gut funktionierendes Muskel- und Nervensystem wichtig ist. Der Anbau passiert heute weltweit und hat besonders in Asien stark zugenommen. Mit Abstand am meisten Kartoffeln baut heute die Volksrepublik China an.
Der Kartoffel-Anbau in der Schweiz erfolgt auf 3750 Betrieben mit durchschnittlich 3 ha Kartoffelfläche; auf 11 000 ha werden dabei rund 450 000 Tonnen Kartoffeln produziert.
Schutz vor Schadpilzen wie Phytophthora (Krautfäule)
Pilzkrankheiten können verheerende Schäden an Kulturen und am Erntegut verursachen. Darum müssen die Pflanzen möglichst bis zum Schluss gesund erhalten werden. Die chemische Pilzbekämpfung gerät aber immer mehr in Bedrängnis, da alte Mittel aus dem Verkehr genommen und Neuentwicklungen nicht in Sicht sind. Deshalb werden die natürlichen Abwehrkräfte der Pflanzen immer wichtiger.
In der Sortenliste für Kartoffeln 2026 von Agroscope können die einzelnen Sorten verglichen werden. Dabei wird die Anfälligkeit sowohl auf Kraut- und Knollenfäule als auch auf Rhizoctonia und auf Schorf gezeigt.
Überwachung der Bestände und rechtzeitiges Handeln
Sobald die Kartoffeln gesetzt sind, müssen die Felder überwacht werden. Für das gute Funktionieren des Monitoring-Projekts Phytopre muss das Auftreten des Krautfäule-Pilzes beim Informations- und Prognosesystem des Bundes gemeldet werden: www.phytopre.ch.
Warmes und trockenes Wetter hilft zwar, die Ausbreitung der Krautfäule zu bremsen, doch eine generelle Entwarnung gibt es nie. Für neue Krautfäule-Infektionen reicht bereits eine Blattnassdauer von sechs Stunden aus. Das heisst, dass vor allem bewässerte Bestände oder Bestände mit grosser Taubildung besonders gefährdet sind. Und auch bei anfälligen Sorten ist es ratsam, den Fungizid-Schutz dauerhaft zu erhalten. Dabei ist es besonders wichtig, nicht nur die Mittel, sondern auch die Resistenzgruppen abzuwechseln.
Behandlungen nicht in praller Sonne durchführen und an die Witterung anpassen
Behandlungen müssen für eine optimale Wirkung der Fungizide ausschliesslich früh am Morgen oder spät am Abend erfolgen, am Tag ist der Stress für die Pflanze zu gross. Wenn kein Befall im Feld und das Blattwachstum abgeschlossen ist, dann können die Spritzabstände bei anhaltend warmer und trockener Witterung vergrössert werden.
Den Schutz vor Alternaria nicht vernachlässigen
Alternaria ist ein Schwächepilz, der am Ende der Wachstumsphase des Kartoffelkrauts auftritt. Wenn Bestände im Frühling durch Kühle und Nässe und danach durch Trockenheit und Hitze gestresst werden, kann es rasch zu einer Ansteckung kommen. Darum müssen anfällige Sorten ab Beginn der Blüte geschützt werden. Aber Achtung: Nicht alle Mittel sind gegen Alternaria wirksam. Mischungen von Fungiziden mit Alternaria-Wirkung können helfen, dabei ist auf die maximale Anzahl an Behandlungen zu achten.
Im Biolandbau ist nur Kupfer zugelassen und wirksam
Im biologischen Anbau sind keine systemisch wirkenden Fungizide zugelassen. Im Kartoffelbau wirksam und erlaubt sind kupferhaltige Produkte. Dabei gibt es auch moderne, neue Mittel mit einzigartigen Formulierungen. Beim Einsatz von kupferhaltigen Produkten ist auf die maximale Wirkstoffmenge pro Fläche und Jahr zu achten.
Bei allen Anwendungen empfiehlt es sich, auch ein Netzmittel einzusetzen, um damit eine bessere Haftung des Wirkstoffes auf dem Blatt zu erreichen. Kupfer als essenzielles Spurenelement ist zwar ein Schwermetall, verursacht aber keine Metaboliten-Probleme, und fast noch wichtiger: Es führt bei Pilzen nicht zu Resistenzen.
Käfer erst beim Erreichen der Schadschwelle bekämpfen
Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) oder auch «Colorado potato beetle» ist ein gefrässiger Schädling. Die Larve überwintert im Boden und entwickelt sich im Frühling zum Käfer. Er und seine Larven ernähren sich von Blättern der Kartoffelstauden. Erst wenn 30 % der Pflanzen (bei einer Probe von 10x5 Pflanzen) mit Larven befallen sind, oder wenn ein Herd pro Are entdeckt wird, lohnt sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Wahl der richtigen Mittel und Abwechslung gegen Resistenzbildung
Eingesetzt werden können chemische Produkte mit dem Wirkstoff Acetamiprid. Dieser Wirkstoff darf nur einmal pro Saison eingesetzt werden, und es ist vorgängig eine Sonderbewilligung bei der Fachstelle Pflanzenschutz einzuholen.
Es gibt auch mehrere, gut wirksame biologische Mittel, zum Beispiel Bakterienpräparate wie Bacillus thuringiensis, oder Pilzpräparate mit dem Wirkstoff Spinosad und auch Pflanzenpräparate mit dem Wirkstoff Azadirachtin. Für eine bessere Haftung muss auch bei den Insektiziden ein Netz- und Haftmittel eingesetzt werden.

