Ist der Winter schon vorbei oder kommt er doch noch? Diese Frage stellt man sich richtigerweise Mitte Februar, wenn es wie in den vergangenen Wochen nicht mehr so richtig kalt war. Der Raps ist diejenige Ackerkultur, die im Frühling am schnellsten zu wachsen beginnt. Es ist deshalb Zeit, sich über die bevorstehende Rapsdüngung Gedanken zu machen. Da es erst Mitte Februar ist, pressiert es mit dem Andüngen des Rapses noch nicht.
Es gab nur geringe Blattverluste
Nach dem nassen Sommer 2021 konnte der Raps im vergangenen Herbst bei guten Bodenbedingungen gesät werden. Entsprechend hat er sich im Herbst meist normal entwickelt. Aufgrund des (bis jetzt) nicht so strengen Winters sind in den meisten Rapsfeldern nur wenig Blattverluste zu beobachten. Wegen der tiefen Nachttemperaturen im Januar sind aber viele Rapsblätter blau-violett verfärbt. Dies wird sich mit wärmeren Temperaturen wieder auswachsen.
Stickstoffdüngung im Frühling meist auf zwei Gaben verteilen
Bei der Höhe der Stickstoffstartgabe sind die unterschiedliche Entwicklung des Rapses und die Blattverluste während des Winters zu berücksichtigen. Im Normalfall wird die Stickstoffdüngung im Frühling auf zwei Gaben verteilt: Die erste N-Gabe erfolgt bei Vegetationsbeginn, die zweite N-Gabe bei Beginn der Streckung – zirka zwei bis drei Wochen nach der ersten N-Gabe.
Kräftig entwickelter Raps: In kräftig entwickelten Rapsbeständen (zehn bis zwölf voll entwickelte Blätter) ohne Blattverluste sollte höchstens 40 % der geplanten N-Menge zu Vegetationsbeginn ausgebracht werden. Wenn sehr gut entwickelter Raps zu üppig mit Stickstoff angedüngt wird, wird das Blattwachstum zu stark gefördert und die Ausbildung von Seitentrieben unterdrückt.
Gut entwickelter Raps: In gut entwickelten Rapsbeständen (acht bis zehn Blätter) mit keinem bis mässigem Blattverlust sollte zirka die Hälfte des Stickstoffs zu Vegetationsbeginn gedüngt werden.
Schwacher Raps: Für schwache Rapsbestände (weniger als acht Blätter) oder Bestände mit hohem Blattverlust sollte 60 % der im Frühling geplanten N-Düngung zu Vegetationsbeginn und der Rest bei Beginn der Streckung gedüngt werden.
Ein nitrathaltiger Mineraldünger, zum Beispiel schwefelhaltiger Ammonsalpeter, stellt dem Raps bei Vegetationsbeginn genügend pflanzenverfügbaren Stickstoff zur Verfügung. Aufgrund der tiefen Bodentemperatur findet eine Umwandlung von Ammonium zu Nitrat im Boden nur langsam statt.
Sichere Stickstoffwirkung bei ausreichender Schwefelversorgung
Eine sichere Stickstoffwirkung ist nur bei ausreichender Schwefelversorgung möglich. Damit das Verhältnis zwischen dem Stickstoff- und Schwefelangebot stimmt, sollte das Schwefelangebot zirka ein Viertel bis ein Drittel des Stickstoffangebotes betragen. Die notwendige Schwefeldüngung liegt je nach Standort- und Bodenverhältnissen zwischen 20 und 60 kg Schwefel pro Hektare: Leichte Böden, Böden mit tiefem Humusgehalt, flachgründige sowie skeletthaltige Böden benötigen eine grössere Schwefeldüngung als schwere, humusreiche oder tiefgründige Böden. Wichtig ist vor allem, dass bereits mit der ersten N-Gabe auch Schwefel gedüngt wird.
Der Raps hat einen relativ hohen Borbedarf. Ein Teil dieses Bedarfs wird über die Bodennachlieferung oder die eingesetzten Hofdünger abgedeckt. Der restliche Bedarf kann mit borhaltigen Stickstoffdüngern ausgebracht oder flüssig übers Blatt gespritzt werden (kombiniert mit einer Pflanzenschutzbehandlung).
Einsatz von Gülle im Raps
Wird beim Raps im Frühling Gülle eingesetzt, so muss diese vor der Streckphase des Rapses ausgebracht werden. Dabei sind 30 bis 40 m3 Gülle (1:1 verdünnt) pro Hektare sinnvoll. Es sollte auf eine genügend gute Abtrocknung des Bodens geachtet werden, um keine Fahrspuren zu hinterlassen. Diese Güllegabe ersetzt aber nicht die erste Mineraldüngergabe, weil der Stickstoff aus der Gülle aufgrund der tiefen Bodentemperaturen der Pflanze nicht genügend schnell zur Verfügung steht. Von der Stickstoffwirkung her ist die Güllegabe der zweiten Stickstoffgabe anzurechnen.

