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Die Krux mit Direktzahlungen: In Wert gesetzt heisst noch nicht wertgeschätzt

Verschiedene Waldleistungen sollen finanziell abgegolten werden, um die Forstpflege rentabel zu machen. Ein sinnvoller Plan, aber nicht ohne Fallstricke.

Die Schweizer Waldeigentümerinnen und -eigentümer leisten in mehrerer Hinsicht wertvolle Arbeit: Wie das Kulturland erfüllt auch der Wald verschiedene Funktionen, sei es als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, für Erholungssuchende, in der Regulierung des Klimas, dem Trinkwasser-Kreislauf oder als Schutz vor Naturgefahren. Nicht zuletzt ist einheimisches Holz eine wertvolle Ressource, die es zu nutzen gilt. Die Schweizer Wald-, hat aber ein ähnliches Problem wie die Schweizer Landwirtschaft – das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt nicht mehr.

Der Dachverband Wald Schweiz wünscht sich im neuen Jahr vor allem faire Preise für Schweizer Holz, die über Richtpreise sichergestellt werden sollen. Zudem hat das Parlament insgesamt 100 Millionen Franken Soforthilfe für die Waldpflege, insbesondere im Zusammenhang mit Mehraufwänden als Folge des Klimawandels zugestimmt. Das Geld soll jenen Massnahmen zugutekommen, die nicht wirtschaftlich sind, namentlich der Stabilitäts-Pflege, Sicherheitsholzerei und Wiederaufforstungen.

Noch fehlt das Konzept

Die schiefe Finanzlage der Schweizer Forstwirtschaft ist auch dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) nicht entgangen. Insbesondere beim Zielbereich «Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Waldwirtschaft» sieht das Bafu Nachholbedarf, wie es in der neuen Waldpolitik 2021-2024 heisst. Vorgesehen ist die Inwertsetzung diverser Waldleistungen wie z. B. Erholungswert, CO2-Senkenleistung oder Trinkwasseraufbereitung. Als erstes braucht es indes ein Konzept, wie diese Leistungen monetär abgegolten werden können. Waldeigentümer sollen laut Bafu die Möglichkeiten prüfen, Erträge aus der Erbringung von Leistungen zugunsten der jeweiligen Nutzniesser oder Verursacher zu generieren. In der Waldpolitik 2020 hiess es noch lapidar, die Kosten würden auf Nutzniesser oder Verursacher überwälzt.

International immer verbreiteter umgesetzt

International diskutiert man schon länger über Sinn und Unsinn dieser «Payments für Ecosystem Services», also Zahlungen für Ökosystem-Leistungen. Laut dem Weltbiodiversitätsrat wurde dieses Politinstrument in den letzten Jahren weltweit vermehrt eingesetzt, um Naturschutz finanziell attraktiv zu machen. Normalerweise bemesse sich die Höhe der Zahlungen an den Opportunitätskosten: Was kostet die Unterlassung der erhaltenden Massnahme, bzw. wie teuer wird es, wenn eine Funktion des Ökosystems wegbricht. Das ist naturgemäss schwierig zu beziffern. Den Schaden, der ohne Schutzwälder verursacht würde, lässt sich vielleicht noch abschätzen. Und es gibt bereits heute Beiträge für Schutzwälder und Biodiversität im Wald. Aber welche (Gesundheits-)Kosten entstünden, wenn sich die Menschen nicht mehr im Wald erholen könnten oder dessen Regulierungsfunktion in Sachen Temperatur und Wasserhaushalt ausfiele?

Die Allgemienheit profitiert

Eine andere Frage ist jene nach der Finanzierung. Da Eintritt für den Zugang zum Wald zu verlangen ebenso unrealistisch wie kontraproduktiv wäre, kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass die Leistungen für die Allgemeinheit auch von ebendieser getragen werden sollten. Sprich: vom Bund, also den Steuerzahler. Womit wir de facto bei Direktzahlungen angekommen sind: Entschädigungen für Leistungen, die nicht an ein Produkt gekoppelt sind.

Damit hat man in der Landwirtschaft gemischte Erfahrungen gemacht. Für wenig informierte Konsument(innen) sieht es so aus, als ob die Produktion von Lebensmitteln quasi doppelt bezahlt wird – über den Preis und via Direktzahlungen. Aber auch mancher Bauer würde lieber von dem leben, was er mit viel Einsatz herstellt, als z. B. für eine Massnahme zur Verbesserung der Landschaftsqualität aus dem staatlichen Katalog Geld zu bekommen. Zumal für viele die Pflege der Umwelt zum Selbstverständnis gehört. Und wenn der Preisdruck nicht wäre, liesse sich sowieso ganz anders arbeiten.

Zwei Zutaten zur Zufridenheit

Letztlich ist es eine Tatsache, dass nicht nur, wer Produkte aus dem Wald kauft, von dessen und damit den Leistungen der Forstleute profitiert. So wie man Kraft und Erholung aus dem Spaziergang durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft schöpfen kann, ohne Mehl aus dem wogenden Weizen zu kaufen. Und da sich Arbeit der wirtschaftlichen Zwänge unserer Gesellschaft wegen finanziell lohnen muss und weder die Produzentenpreise für Lebensmittel noch für Schweizer Holz dafür genügend hoch sind, machen Direktzahlungen Sinn – in der Land- und auch der Forstwirtschaft. In jedem Fall muss bei deren Entwicklung mit den Betroffenen zusammengearbeitet und jene, die dafür bezahlen sollen, gut informiert werden. Es muss klar sein, wofür das Geld eingesetzt wird, was die geleistete Arbeit wert ist. Denn die finanzielle Wertschätzung ist das Eine, Anerkennung das Andere und für Zufriedenheit braucht es beides.

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