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Das Schmoren in der Hitze geht weiter

Die aktuelle Hitzewelle ist wohl nicht die letzte dieses Jahr. Verantwortlich dafür sind komplexe Konstellationen.

Die letzte Woche brachte eine teils rekordverdächtige Hitzewelle mit sich. Es war nicht die erste dieses Jahr und wahrscheinlich auch nicht die letzte, doch ihre Intensität war für die Jahreszeit aussergewöhnlich.

Nun, wo seit einigen Tagen auch der astronomische Sommer offiziell begonnen hat und wir uns in grossen Schritten dem Siebenschläfer-Zeitraum Anfang Juli nähern, stellt sich die Frage, ob solche Hitzewellen den ganzen Sommer durch ein grosses Thema sein werden.

Weshalb diese Hitze?

Bevor man einen Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate wagen kann, lohnt es sich, zuerst die Ursachen der vergangenen Hitzewellen zu betrachten.

Denn die letzten paar Tage waren nicht die erste aussergewöhnliche Wärmephase dieses Jahr. Bereits am 20. Mai wurde vielerorts im Mittelland ein Hitzetag mit Tageshöchstwerten von über 30 Grad verzeichnet. Dies reichte zwar nicht für eine offizielle Deklaration als Hitzewelle; dennoch waren die Auswirkungen einer so warmen Phase so früh im Jahr beträchtlich – vor allem, da auch die Monate zuvor meist trockener waren als das klimatologische Mittel. Vergleicht man die Grosswetterlagen der aktuellen Hitzewelle mit der heissen Phase um den 20. Mai, so zeigt sich ein sehr ähnliches Wettermuster.

Komplexes Zusammenspiel

Während beider Phasen dominierte über dem Ostatlantik, der spanischen Nordwestküste und den Britischen Inseln eine langwellige Zunge mit kühler Luft und tiefem Druck, während östlich davon, auf der sogenannten Vorderseite dieser Zunge, ein «Wellenberg» von Nordafrika über die Pyrenäen nach Frankreich und Mitteleuropa aufragte. Dieser Wellenberg sorgt einerseits für eine Abtrocknung und Stabilisierung der Atmosphäre, also für hochdruckbestimmtes, sonniges Wetter.

Anderseits wird am Übergang zwischen der kühlen Tiefdruckzunge im Westen und dem Wellenberg über Mitteleuropa Luft von Südwesten nach Nordosten transportiert. Dieser Transport von Luftmassen aus Südwesten nach Mitteleuropa ist zentral, damit so früh im Jahr so hohe Temperaturen wie um den 20. Mai oder nun um den 20. Juni erreicht werden können. Denn die Luftmassen aus Südwesten sind quasi schon «vorgewärmt», sie haben ihren Ursprung in den Subtropen oder in Nordafrika. Dies ist notwendig, denn allein die Sonneneinstrahlung reicht in unseren Breitengraden im Mai oder Juni nicht, um «normal temperierte» Luftmassen so weit zu erwärmen, dass Tageshöchstwerte von 30 Grad oder mehr erreicht werden.

Berüchtigte Grosswetterlage

Diese Grosswetterlage, eine Tiefdruckzone über der spanischen Atlantikküste, ist in Mitteleuropa und auch im englischen Sprachraum berüchtigt für Hitzewellen – und auch für heftige Gewitter, da die Luftmassen nicht nur warm, sondern auch feucht und energiereich sind.

Später im Jahr, im Laufe des Juli oder August, ist es nicht mehr unbedingt nötig, dass vorgewärmte Luftmassen aus Südwesten herangeführt werden, um 30 Grad oder mehr zu erreichen. Dann ist die Atmosphäre oft auch in Mitteleuropa in der Höhe so weit aufgewärmt, dass die Sonneneinstrahlung ausreicht, um so hohe Werte zu erreichen. Wie schnell diese Erwärmung sowohl in der Höhe wie auch bei der Temperatur in Bodennähe stattfindet, ist zu einem erheblichen Teil auch von der Bodenfeuchtigkeit beeinflusst. Je geringer der Feuchtigkeitsgehalt im Boden ist, desto kleiner ist der Anteil der Sonnenenergie, der für die Verdunstung verbraucht wird – und desto grösser ist der Anteil an Sonnenenergie, der für die Erwärmung und den Anstieg der fühlbaren Temperatur gebraucht wird. Auf trockenen Böden steigt die Temperatur somit schneller an als über nassen Böden. Damit setzt ein Teufelskreis ein: Wegen der trockenen Luft gibt es auch weniger Quellwolken, die Sonne scheint mehr, und es steht noch mehr Energie zur Verfügung. Die Temperatur steigt noch weiter an, und die Bodenfeuchtigkeit nimmt noch weiter ab.

Ein Teufelskreis?

Mit der aktuellen Konstellation von bereits mehreren Hochsommerphasen in den letzten sieben Wochen und einem eher trockenen Winter und Frühjahr sind also viele Voraussetzungen da, die vermuten lassen, dass wir bereits in einem solchen Teufelskreis stecken. Und dass weitere Hitzephasen in den nächsten Wochen sehr wahrscheinlich sind – insbesondere in der Westschweiz, wo aktuell die Trockenheit deutlich ausgeprägter ist als in der Ostschweiz.

Etwas Hoffnung verbleibt in der Tatsache, dass die Grosswetterlage für die nächsten Wochen noch nicht in Stein gemeisselt ist. Das Muster mit einer Tiefdruckzone über dem Ostatlantik oder Westeuropa zeigt sich zwar weiterhin recht nachhaltig in den Modellen, doch dieses Muster unterscheidet sich doch recht deutlich von den Grosswetterlagen, die sich beispielsweise im Hitzesommer 2003 oder im trockenen Sommer 2018 etabliert haben. Eine nachhaltigere Abkühlung ist jedoch erst zu erwarten, wenn sich die Tiefdruckzone vom Atlantik nach Osten in Richtung Mitteleuropa verlagert. Wann und ob dies der Fall sein wird, ist momentan noch offen.

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