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Das Mostobst fällt heuer früh von den Bäumen – doch die Ernte soll gut werden

Die Nachfrage nach Birnensaft steigt im Kanton Luzern und lässt die Mostbirne wieder interessanter werden. Doch vielerorts fehlen inzwischen die entsprechenden Bäume.

Dieses Jahr waren unter Hochstammbäumen teils schon Anfang August zahlreiche Äpfel und Birnen am Boden zu finden. Viele davon waren noch nicht ausgereift. Die Trockenheit führte zu einem vorzeitigen Fruchtfall.

Auch der Schweizer Obstverband (SOV) bestätigt diese Beobachtung. Neben der grossen Trockenheit und der damit verbundenen Stresssituation für die Bäume seien die gefallenen Früchte heuer infolge des geringen Unterbewuchses vielfach auch offensichtlicher, so Chantale Meyer vom SOV. Wie gross der Einfluss des vorzeitigen Fruchtfalls auf die Erntemengen effektiv sei, lasse sich derzeit nicht zuverlässig beziffern. Die Situation präsentiere sich je nach Standort und Sorte sehr unterschiedlich.

Wetter beeinflusst endgültige Erntemenge

Trotz des Hitzesommers rechnet der SOV für dieses Jahr mit einer guten Mostobsternte: Insgesamt werden rund 96 000 Tonnen Mostäpfel und etwa 4000 Tonnen Mostbirnen erwartet. Die erwartete Menge an Mostäpfeln liegt damit sieben Prozent über dem Vorjahreswert und rund 20 Prozent über dem Mehrjahresdurchschnitt. Die endgültige Erntemenge hängt jedoch auch von der weiteren Fruchtentwicklung und den Wetterbedingungen ab.

Rund 80 Prozent der Mostäpfel stammen von Hochstammbäumen, etwa 20 Prozent von Niederstammanlagen. Der Markt für Mostobst sei nach mehreren guten Ernten in Folge gut versorgt, erklärt Meyer. Gleichzeitig sei der Konsum von Apfelsaftprodukten in den vergangenen Jahren leider tendenziell rückläufig. Wie sich der Hitzesommer auf den Absatz von Produkten aus Apfel- und Birnensaft ausgewirkt habe, lasse sich bis jetzt nicht abschliessend beurteilen. Die aussergewöhnlich hohen Temperaturen hätten die Nachfrage nach Erfrischungsgetränken aber sicherlich begünstigt.

Trockenheitsbedingter Fruchtfall teils sehr ausgeprägt

Die Folgen der Trockenheit der vergangenen Wochen sind unter Hochstammbäumen sichtbar: Bereits im August liegen kleine Früchte im kurzen Gras. (Bild: Reto Beschart)

In Luzerner Mostereien zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild. «Wir rechnen eher mit einer unterdurchschnittlichen Ernte», erklärt Stefan Schürch von der Schürch Getränke AG in Rothenburg LU. Der Start zur diesjährigen Most-Saison sei bereits erfolgt, jährlich würden rund 100 Bauern aus Sempach, Neuenkirch und weiteren Regionen Obst nach Rothenburg anliefern.

Konkrete Mengenschätzungen zu machen, sei immer schwierig. Wenn sein Unternehmen in den nächsten Wochen 500 Tonnen geliefert bekomme, seien sie zufrieden. In Spitzenjahren hätten sie allerdings auch schon 2000 Tonnen verarbeitet. «Während es in der Region Rothenburg noch einigermassen gut aussieht, ist die Trockenheit gerade an Hanglagen im Luzerner Seetal schon enorm. Das sieht man den Mostobstbäumen auch an, der trockenheitsbedingte Fruchtfall ist teils schon sehr ausgeprägt», so Stefan Schürch weiter. Dank der vielen Sonnenstunden könne ein Teil dieser früh gefallenen Früchte dennoch verwertet werden. Wichtig sei aber natürlich, dass das Obst zeitig aufgelesen werde.

Wir zahlen für Mostbirnen mit 29 Franken pro 100 Kilogramm deutlich mehr als vom Obstverband empfohlen.

Stefan Schürch von der Schürch Getränke AG in Rothenburg.

Mehrpreis für Mostbirnen dank guter Nachfrage

Ähnlich sehe die Situation bei den Birnen aus. Der Behang sei zwar gut, der Trockenheitsstress verursache aber einen vorzeitigen Fruchtfall. Die Nachfrage wäre da:  «Insbesondere für die Herstellung unseres Birnendicksafts suchen wir noch Mostbirnen. Dabei bezahlen wir mit 29 Franken pro 100 Kilogramm deutlich mehr als vom Obstverband empfohlen», betont Stefan Schürch. Die übermässigen Rückbehalte bei Mostbirnen in den vergangenen Jahren mit Grossernten hätten viele Bauern leider dazu bewogen, die Mostbirnen am Boden liegen zu lassen oder gar die Bäume zu fällen.

Viel Zucker, aber noch wenig Aroma

Auch die Mosterei Muff in Römerswil LU hat dieses Jahr ihre Anlagen bereits im August in Betrieb genommen und begonnen, Frühsorten zu verarbeiten. «Im Moment ist es noch schwierig, einzuschätzen, wie gross die Menge schlussendlich sein wird. Der Behang an den Bäumen ist je nach Lage zwar erfreulich, die Fruchtgrösse ist aber eher unterdurchschnittlich», erklärt Adrian Muff, der die Mosterei neben seinem Milchwirtschaftsbetrieb führt. Dank der vielen Sonnenstunden verfüge das Obst dieses Jahr über viel Zucker, das Aroma könne sich aber noch entwickeln.

Rund 250 Bauern bringen, je nach Jahr, ihr Obst nach Römerswil. Da in den letzten Jahren immer mehr regionale Mostereien aufgegeben wurden, ist das Einzugsgebiet der Mosterei Muff relativ gross, was die regionalen Unterschiede bei den Erntemengen etwas ausgleicht. Adrian Muff hofft auf rund 1000 Tonnen Mostobst. In Spitzenjahren verarbeitete er auch schon die dreifache Menge.

Der Behang bei Mostbirnen wie bei der Sorte Schweizer Wasserbirne ist teils enorm. Die Nachfrage nach Mostbirnen ist dieses Jahr im Kanton Luzern erfreulich. (Bild: Reto Betschart)

Die Mostbirnen haben auch bei der Mosterei Muff wieder an Bedeutung gewonnen und machen rund 50 Prozent der Verarbeitungsmenge aus. Mostbirnensaft werde aktuell vor allem für die Herstellung von Birnenschorle hervorragend nachgefragt. Dadurch habe sich der Preis für Mostbirnen positiv entwickelt. «Wir haben in unserer Region zum Glück immer noch Bauern, die der Mostbirnen-Produktion in den letzten, teils schwierigen Jahren treu geblieben sind», betont Adrian Muff.

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