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Dank Crowdfunding selber Cider vermarkten

Zwei Nachbarn und erfahrene Direktvermarkter aus dem luzernischen Kulmerau lancierten ein neues Produkt. Dank Cider soll die Wertschöpfung erhöht werden. Die Lancierung wurde mit Crowdfunding mitfinanziert.

Ja, die hohen Rückbehalte und somit geringen Erlöse für Mostobst seien mit ein Grund für ihr Projekt, sagt Rita Kaufmann vom Risi Hof. «Wir möchten mehr Wertschöpfung schaffen.» Die Idee habe eigentlich Nachbar Reto Diener vom Betrieb Morgestärn gehabt, ebenfalls ein erfahrener Direktvermarkter.

Cider aus der Region

Er habe schon während der Ausbildung zum Obstbauern in der Ostschweiz die hohe Bedeutung von vergorenem Apfelsaft miterlebt. Dort sei das Getränk so beliebt wie bei uns Bier. Wäre doch «cool», hier einen solchen regionalen Saft zu lancieren, berieten die beiden unternehmerischen Bauernfamilien an manchen geselligen Abenden.

Und zwar gemeinsam, zumal der Aufwand für die Markteinführung eines solchen verarbeiteten Produkts nicht zu unterschätzen sei. So entstand nicht einfach ein Apfelmost, sondern der «Mr. Q Cider», wobei «M» für den Betrieb Morgestärn, «r» für den Risi Hof und «Q» für Kulmerau steht, wie Rita schmunzelnd die Namenskreation erklärt. Letzten Herbst wurde die Idee in die Tat umgesetzt. So wurden letzte Saison für die Testabfüllung Süssmost hergestellt und pasteurisiert.

Versuchsweise Erstabfüllung

Die Verarbeitung zum Cider, die Vergärung und die Abfüllung, erfolgt auswärts in einer Ostschweizer Mosterei, spezialisiert auf solche Kundendienstleistungen. Die erste Lieferung erfolgte im Juni. Die Produktlancierung war immer angedacht für diesen Sommer. Auch um über den Winter genügend Zeit zu haben für das professionell mit externer Unterstützung erstellte Design, das Marketing und den Aufbau von zusätzlichen Absatzkanälen wie Getränkehändler und die Gastronomie. Rita Kaufmann befasste sich damit intensiv im Rahmen ihrer Abschlussarbeit bei einer Weiterbildung im Online-Marketing.

Noch nicht richtig auf dem Markt, ist der «Mr. Q Cider», aber bereits recht bekannt, so weil auf vielen Social Media Plattformen und bei der grossen Kundschaft beider Betriebe schon intensiv geworben wurde.

Erfolgreich mit Crowdfunding

Aber auch, weil zur Deckung eines Teils der Initialinvestition erfolgreich auf Crowdfunding gesetzt wurde. Seit Ende Juni konnte «Mr. Q Cider» auf Crowdify während 60 Tagen finanziell unterstützt werden. Bis zum 26. August unterstützten rund 210 sogenannte Booster das Projekt, wobei der Zielbetrag sogar um knapp 20 Prozent übertroffen werden konnte. Das Inkasso erfolgte über Crowdify, ein kleiner Teil des Erlöses geht als Gebühr weg.

Rita Kaufmann lobt die Beratung und Mithilfe bei der Bewerbung. Sie weist aber darauf hin, dass so ein Crowdfunding einen grossen eigenen Effort und Promotion bedinge. «Wer meint, nichts tun zu müssen und das Geld gleichwohl fliesse, liegt falsch.» Zu empfehlen sei Crowdfunding in der Landwirtschaft für Innovationen und spezielle neue Produkte mit Trendcharakter. Wobei es vorteilhaft sei, diese gemeinsam zu lancieren. Und wenn der Finanzbedarf hoch sei, allenfalls ein etappiertes Crowdfunding anzustreben, rät Kaufmann. «Denn wenn das selbst gesetzte Ziel in der selbst gesetzten Frist nicht erreicht wird, erhalten die Spender alles Geld zurück», erklärt Kaufmann. Sie seien sehr zufrieden gewesen mit dieser Bewerbung, und waren auch überrascht, wie viele Leute so erreicht werden können.

Nachschub im Dezember

Die erste Abfüllung sei fast ausverkauft, die nächste Lieferung erfolge erst wieder im Dezember. Dann aus Mostobst der diesjährigen nun anlaufenden Ernte. Künftig soll mindestens dreimal jährlich abgefüllt werden, um flexibel zu bleiben und gleichwohl ganzjährig anbieten zu können. «Wir müssen dann einfach im Herbst entscheiden, wie viele Äpfel wir für Cider selber vermosten können», sagt Rita Kaufmann.

«Wer meint, das Geld fliesse beim Crowdfunding von selbst, liegt falsch.» Rita Kaufmann weiss um die Bedeutung des eigenen Engagement für die Promotion.

Vielseitiger Risi Hof in Kulmerau Der Risi Hof ist ein kleinflächiger Betrieb, Josef Kaufmann arbeitet deshalb noch zu 80 Prozent auswärts bei einem Stalleinrichter. Die Vielfalt, Wertschöpfung und auch die Arbeitsintensität auf dem knapp 7 ha grossen Bauernhof ist aber hoch. Gehalten werden rund 26 Stück Galloway Rindvieh, davon sind sieben Kühe. Das Fleisch wird direkt vermarktet. Die rund 75 Mastschweine gehen hingegen in den Handel. Ackerkulturen sind Mais, Dinkel und Gerste. Rund 80 Hochstammbäume und 40 Aren Säulenbäume liefern Früchte und Mostobst. Rita baut zudem viele Kräuter an, verarbeitet diese selber zu Kräutersalz, Tees und mehr. Im Hofladen werden viele weitere Produkte angeboten, etwa Dörrfrüchte, Sirupe oder Gebäck. Geliefert wird aber auch an verschiedene Wiederverkäufer. Wichtiges Standbein ist zudem die Gästebewirtung in einem Seminarraum. Und es werden auch Kurse angeboten zu Kräutern oder auch Kneippen. Drei Teilzeitmitarbeiterinnen helfen deshalb mit. Zur hohen Kundenfrequenz trägt auch die Erwähnung in einem Buch mit Kinder-Wandertipps, die nahe «Velo-Herzroute» und die «Schatzsuche auf dem Bauernhof» bei, welche viele Familien anlockt. 

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