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70 Prozent der Bäume auf dem Loorhof haben das Unwetter überlebt

Im April lag nach einem Unwetter die neu remontierte Obstanlage von Familie Suter in Lupfig auf dem Boden. Der Wiederaufbau gelang mit grossem Aufwand und viel Unterstützung. Dank raschem Handeln haben 70 Prozent der Bäume überlebt.

Die gute Nachricht: Von 7000 flachgelegten Bäumen haben fast 5000 überlebt. Wie viel Zeit, Geld und Emotionen der Wiederaufbau gekostet hat, ist eine andere Geschichte. Ein Hagelzug hatte am 30. April dieses Jahres die Hagelschutznetze auf dem Loorhof in Lupfig AG mitsamt den Obstbäumen darunter zu Boden gedrückt.

«Im ersten Moment dachten wir, alle Bäume seien kaputt», erinnert sich Betriebsleiter Andreas Suter.

Bäume wurden entwurzelt und abgebrochen

Der Hagelzug kam unerwartet und im dümmsten Moment. Die Netze über der frisch remontierten Anlage waren an diesem Tag montiert worden. Noch waren nicht alle Querverstrebungen abgespannt und die Stabilität damit nicht gewährleistet, als sich das Unwetter über den 3 Hektaren Jungbäumen im ersten und zweiten Standjahr entlud. Viele wurden mitsamt den Wurzeln aus dem Boden gerissen, andere brachen ab.

70 Prozent der Bäume auf dem Loorhof haben das Unwetter überlebt
Nach dem Hagelzug am 30. April 2022 lagen alle Bäume der neu remontierten Anlage flach auf dem Boden.

Viele Berufskollegen halfen

Am Boden zerstört war auch die Betriebsleiterfamilie. Aber Suters erlebten grosse Solidarität, auch von Berufskollegen, und starteten schon am nächsten Tag mit vielen Freiwilligen den Wiederaufbau. Das Netz und die zerbrochenen Pfähle wurden entfernt und die Bäume entlang eines provisorischen Gerüsts aufgerichtet. Dank dem raschen Einsetzen trockneten die Wurzelstöcke nicht aus und wuchsen wieder an.

Genau eine Woche nach dem Ereignis gab es erneut Hagelschlag. «Zum Glück kein sehr starker, die ungeschützten Bäume wurden nicht beschädigt», erinnert sich der Betriebsleiter.

Früher als gedacht konnten die neuen Betonpfähle gestellt werden; Suters übernahmen sie von einem Berufskollegen, der auf die Baubewilligung warten muss. Das alte Hagelnetz wurde wieder aufgespannt, es ist allerdings beschädigt und wird durch ein neues ersetzt, sobald dieses lieferbar ist.

Nicht alles war versichert

«Man könnte das Gefühl haben, dass alles nur ein schlechter Traum war», sagt Andreas Suter heute in seiner Obstanlage. Aber da sind die Lücken in den Baumreihen. Und der finanzielle Schaden, den der junge Meisterlandwirt auf 300'000 bis 350'000 Franken schätzt. Seine Versicherung übernimmt die Betonpfähle und das Netz inklusive Montage. Jedenfalls teilweise: «Das ist eine Zeitwertversicherung, darum hatte ich zum Zeitpunkt des Unglücks noch nicht die gesamte neue Anlage versichert»; das wollte der Obstproduzent nach der Fertigstellung machen. Die abgebrochenen Bäume und der Ertragsausfall seien nicht versicherbar.

Andreas Suter hofft auf den Fonds Suisse, der bei nicht vorhersehbaren und nicht versicherbaren Elementarschäden hilft. «Da laufen momentan Abklärungen, im besten Fall übernehmen sie bis zu 50 Prozent des Schadens.» Ebenfalls in Verhandlung ist die Haftpflicht der Montagefirma, da die Anlage noch im Bau war. «Da geht es um viele Arbeitsstunden, etwa für das Aufrichten der Bäume, das Neumontieren der Bewässerung und anderes», sagt Andreas Suter.

1600 Arbeitsstunden

Für den Wiederaufbau wurden 1250 Arbeitsstunden durch die Betriebsleiterfamilie mit Mitarbeitenden und zusätzliche 350 Arbeitsstunden durch Freiwillige geleistet, die Loorhof-Küche gab 350 Mittagessen und 300 Zwischenverpflegungen an die Helferschar aus.

In den nächsten Wochen werden die Lücken geschlossen und die neuen Bäume eingesetzt. Das Unglück wird aber nachwirken: Die Stämme stehen nicht mehr schnurgerade in einer Reihe, das erschwert die mechanische Unkrautbekämpfung. Dass sich verschiedene Jahrgänge und somit unterschiedlich grosse Bäume nebeneinander befinden, verkompliziert das präzise Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln. Und es wird länger dauern, die Bäume in Form zu schneiden, weil viele Äste im Frühling abgebrochen sind.

Teilweise schlecht verwurzelte Bäume

Rund hundert der überlebenden Bäume wirken nicht vital. «Man kann sie einfach aus dem Boden ziehen, sie haben kaum Wurzeln», sagt Andreas Suter. Er wird diese Bäume in den nächsten Tagen entfernen, von ihnen wird nie eine gute Ernte zu erwarten sein.

Aber der Obstproduzent klagt nicht, sondern weist darauf hin, wie viele der überlebenden Jungbäume gut dastehen und bereits diesen Herbst schöne Früchte brachten. «Es macht wieder mehr Freude, in der Obstanlage zu stehen», kommentiert Andreas Suter.

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