Vor einigen Jahren bemerkten zwei Berufskollegen von mir, dass die Bauern aus der Region nur noch selten zusammenkommen – und dass das eigentlich schade ist. Die Käserei war längst Geschichte, die Viehschau sowieso, und auch die Stammtische im Spunten starben weg beziehungsweise wären für die jüngere Generation Landwirte auch nicht mehr ein Supermagnet für ein Stelldichein gewesen.
Die beiden wussten sich aber glücklicherweise zu helfen: Der Buurehöck Kelleramt wurde ins Leben gerufen. Die Idee: Drei- bis viermal pro Jahr treffen sich alle «Jungbauern» (der Begriff ist eher schwammig …) bei jemandem von uns auf dem Betrieb. Dort gibt es eine Führung und einen kleinen, unkomplizierten Imbiss samt Umtrunk. Organisiert wird alles ganz simpel über Whatsapp, und ein kleiner Unkostenbeitrag regelt das Finanzielle.
Von den Berufskollegen lernen
Nichts Weltbewegendes also: Ein paar Bäuerinnen und Bauern treffen sich regelmässig bei einem Berufskollegen, sehen sich den Hof an und essen eine Wurst. Sehr simpel – und trotzdem oder gerade deshalb bin ich ein grosser Fan von dieser Bieridee meiner Kollegen, und zwar aus mehreren Gründen.
Ich weiss zwar, wo die allermeisten Höfe meiner Kollegen sind und was dort in etwa passiert, aber eben teilweise doch nur sehr ungefähr. Es ist spannend, beim Hofrundgang hinter die Fassade blicken zu dürfen. Fast immer sehe ich die eine oder andere Überraschung, zum Beispiel eine kreative bauliche Lösung für ein Problem oder eine schlaue Bastelei zur Arbeitserleichterung. In Kombination mit den Ausführungen der Betriebsleitenden ist das immer sehr spannend und anregend.
Den Zusammenhalt in der Region stärken
Die Zusammenkünfte sind auch gut für den Zusammenhalt der Landwirte in der Region. Gesichter, die ich teilweise nur vom Kreuzen mit dem Traktor kannte, wurden mit der Zeit vertraut. Man ist im Bilde, was bei den anderen so läuft, und erkennt vielleicht auch potenzielle Synergien, an die man zuvor noch nicht gedacht hat. Und sich kennenzulernen, hilft auch dabei, Vorurteile abzubauen und Vertrauen zu generieren.
Natürlich sind auch wir nicht bloss Berufskollegen, sondern zumindest in gewissen Bereichen auch Konkurrenten. Davon spüre ich glücklicherweise im Alltag eher wenig. Es ist schön, an einem Ort zu Hause zu sein und arbeiten zu dürfen, wo man sich mit den Nachbarn gut versteht und sich sogar gegenseitig aushelfen kann. Ich habe weder Zeit noch Energie für Kleinkriege mit Nachbarn.
Damit das so bleibt oder sogar noch besser wird, scheint mir eine regelmässige Zusammenkunft mit offenen Hoftüren und offenem Austausch das ideale Gefäss.

Hagenbuchs Randnotizen
Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau. Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.

