Liebe Landi, du hast 154 Weinflaschen im Angebot. 69 davon sind aus der Schweiz. Der Rest aus Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, gar aus den USA, Argentinien, Südafrika oder Chile. Am 2. Dezember demonstrierten die Schweizer Winzer. Sie kämpfen um ihre Existenz: 170 Mio Liter Wein dürfen importiert werden, 250 Mio Liter trinken Herr und Frau Schweizer. Das heisst, um 80 Mio Liter buhlen sich die Schweizer Winzer. Gleichzeitig müssen sie mit den Tiefstpreisen aus dem Ausland konkurrenzieren, haben volle Keller, wonach du zu Dumpingpreisen Wein kaufst, damit es Platz gibt. Dein Angebot ist nicht besser und nicht schlechter wie bei den anderen Grossisten. Aber du bist ein Fenaco-Kind und entspringst der Schweizer Bauernfamilie.
Qualität oder Preis
Die Frage sei gestattet, wie sinnvoll es ist, für rund vier Franken einen Rotwein aus Südafrika im Regal zu haben und gleichzeitig müssen Schweizer Weinbauern regelrecht betteln, damit ihr Qualitätsprodukt überhaupt im Regal steht? Liebe Landi, Winzer sind auch Landwirte. Sie kultivieren, produzieren und brillieren – wenn man die Weinconcours der letzten Jahre anschaut. Und bevor du nun mit deinem Dauertiefpreis-Argument antwortest und erklärst, Schweizer Wein sei einfach zu teuer und die Konsumenten würden den nicht kaufen, dann möchte ich feststellen, dass immer mehr Menschen gute, regionale Produkte schätzen.
Schweizer Winzer bevorzugen
Wein ist ein Genussmittel. Ein guter Wein ist auch ein gutes Terroir und gestatte mir die Bemerkung, wenn ich zwischen einer interkontinentalen Grossplantage und einem kleinen Schweizer Winzer oberhalb des Neuenburgersees wählen kann, ich wüsste auf Anhieb, welcher Wein mir mehr Kopfweh bereiten würde. Für mich hat der Landi-Weinkeller leider Zapfen.

