Seit zwei Wochen ist Roland Ochsner aus Oberhallau SH Interimspräsident der GVS-Gruppe. Dies nach dem abrupten Abgang von Cyril Tappolet als Präsident. Auch Markus Angst, seit 2023 CEO, hat gekündigt. Sein bisheriger Stellvertreter Sacha Cerini wird ab 1. Juli die Geschäftsführung übernehmen. Es war ein Paukenschlag, der auch die Schaffhauser Bauernfamilien beunruhigt. Die BauernZeitung fragte beim Interimspräsidenten Roland Ochsner nach.

Wie geht es weiter und welche Erwartungen haben Sie an den neuen Geschäftsführer?

Roland Ochsner: Unser Kurs steht fest. Jetzt geht es darum, die Massnahmen mit Nachdruck und dem nötigen Tempo auf operativer Ebene umzusetzen.

Könnten Sie etwas konkreter werden?

Zurzeit sind wir dabei, eine Auslegeordnung zu machen, um die nächsten Schritte festzulegen. Wenn etwas umgesetzt wird, muss es greifen. Wir haben Herausforderungen im Bereich Getreidesammelstelle, Agrarhandel und bei der Weinkellerei – also vor allem im lokalen Bereich. Gut funktioniert der Maschinenhandel.

Hat das Auswirkungen auf die Getreideannahme 2026?

Zurzeit machen wir die Mengenschätzung und setzen die Übernahmebedingungen fest, sodass wir 2026 mit einem möglichst geringen Defizit davonkommen werden. Wir werden die Landwirte zeitnah über die nächsten Schritte informieren.

Sind Gespräche mit Mitbewerbern, beispielsweise mit der Fenaco, für eine engere Zusammenarbeit am Laufen?

Wir arbeiten in verschiedenen Bereichen seit Jahren partnerschaftlich mit der Fenaco zusammen. Insbesondere hält die Fenaco eine Minderheitsbeteiligung an der GVS Landi AG. Wir haben die Verantwortlichen bei der Fenaco über die personellen Veränderungen beim GVS informiert und sind im Austausch. Mehr kann ich dazu momentan nicht sagen. Weitere Partnerschaften zur Synergienutzung prüfen wir stetig.

Unter der Ära von Markus Angst kam es zu prominenten Abgängen, sowie Mitarbeitenden wurde gekündigt. Müssen wir uns auf weitere Entlassungen bei der GVS einstellen?

Wir müssen intern unsere Synergien nutzen, was organisatorische Anpassungen bedingt. Insofern können wir Entlassungen nicht ausschliessen. Es steht das Wohl der ganzen Unternehmung klar im Fokus. Anders ausgedrückt: Aufgrund der aktuellen Lage muss jeder Bereich auf sein Einsparungspotenzial geprüft werden.

Die GVS investierte in Frankreich in die GVS Agrar SAS. Wird dieses Auslandsgeschäft weitergeführt?

Das Frankreichgeschäft ist ein wichtiges Standbein geworden und ist optimal aufgestellt. Wir werden daran festhalten. Das Geschäft hilft uns auch, den Schweizer Markt zu sichern.

Werden eventuell andere Firmenbestandteile abgestossen?

Nein, das ist nicht geplant.

Wie geht es weiter mit der Swiss Future Farm?

Dort sind keine Änderungen vorgesehen. Das Forschungsprojekt soll weiterlaufen, da es sich um einen Teil unseres Innovationsprogrammes handelt.

Zahlen müssen auf den Tisch

Der Doppelabgang beim GVS beunruhigt auch die Bauernfamilien. Gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» äusserte sich Christian Müller, Präsident des Schaffhauser Bauernverbands. Ohne GVS fehle ein wichtiger Marktpartner, sagte er. Die Landwirte seien als Genossenschafter indirekt Eigentümer des GVS. Die Turbulenzen könnten für viele Familien, die für den GVS arbeiten oder Anteilsscheine haben, fatal enden, wenn der GVS von einem grossen Player übernommen werde oder ganz wegfalle. Müller macht sich Sorgen, ob wirklich schon alles auf dem Tisch sei. Ähnlich äussert sich auch der Beringer Landwirt und SVP-Kantonsrat Roman Schlatter gegenüber der Zeitung: «Wir wissen gar nicht genau, was beim GVS los ist. Wir wissen zwar, dass es Umwälzungen gibt, aber wir wissen nicht, wie die Geschäftszahlen aussehen.»

Jetzt wäre Transparenz gefordert, Zahlen müssten auf den Tisch und Massnahmen konkret benannt werden, sodass die Bauernfamilien eine Gewähr hätten, dass es weitergehe beziehungsweise weitergehen könnte – und sich danach ausrichten könnten.