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Getreidesammelstelle Schaan: kein Entscheid, aber viele offene Fragen

Ist die einzige Getreidesammelstelle Liechtensteins bald Geschichte? Die Betreiberin Laveba widerspricht auf Anfrage der Bauernzeitung – und verweist auf ein strukturelles Mengenproblem.

Die Zukunft der einzigen Getreidesammelstelle Liechtensteins ist ungewiss. Das berichtete kürzlich das Onlineportal «Vaterland.li»: Die Anlage in Schaan sei technisch veraltet, die jährliche Annahmemenge decke die Betriebskosten nicht, ein Entscheid stehe noch 2026 an. Auf Anfrage der Bauernzeitung präzisiert die Betreiberin Laveba nun das Bild – und zeichnet eine differenziertere, aber nicht weniger herausfordernde Situation.

Anders als vielerorts zu lesen, sei bislang kein Entscheid zum Weiterbetrieb gefallen, betont Laveba-Sprecherin Sina Wick. Man befinde sich gemeinsam mit der Eigentümerin, der Landi Buurabund AG, in einer «sorgfältigen Abklärungsphase».

Aus heutiger Sicht sei der Betrieb der Anlage auch für 2027 vorgesehen. Geprüft würden verschiedene Szenarien: von einem temporären Weiterbetrieb mit punktuellen Reparaturen über eine Investition mit angepassten Annahmegebühren bis hin zu einer geordneten Betriebsbeendigung, sollte sich keine tragfähige Lösung finden.

Die Hälfte kommt aus der Schweiz

Der Knackpunkt liegt weniger am Alter der Anlage als an der mangelnden Menge: Branchenüblich gilt ein jährlicher Durchsatz von rund 10 000 Tonnen als wirtschaftlich tragfähig. Am Standort Schaan liege das realistische Marktpotenzial selbst im besten Fall bei rund 1500 Tonnen, so Wick. Aktuell nimmt die Sammelstelle jährlich unter 1000 Tonnen Getreide und Ölsaaten an, je zur Hälfte aus Liechtenstein und der angrenzenden Schweiz. 40 Landwirtschaftsbetriebe liefern derzeit ab.

Für eine Erneuerung der Annahmestelle rechnet Laveba mit Investitionen von mindestens 2 Millionen Franken – Digitalisierung und ein allfälliger Kapazitätsausbau nicht eingerechnet. Selbst mit höheren Annahmegebühren liessen sich diese Investitionen aus dem laufenden Betrieb nicht amortisieren. Hinzu komme die Suche nach Fachpersonal: Trotz breiter Ausschreibung habe man bislang keine Nachfolgelösung gefunden; übergangsweise betreue eine eigene Mitarbeiterin die Anlage mit.

Auch der Baurechtsvertrag der Landi Buurabund AG spielt eine Rolle: Er läuft 2046 aus. Bei einer Investition 2027/28 blieben damit rund 18 Jahre zur Amortisation – deutlich weniger als die in der Branche üblichen 30 bis 40 Jahre Nutzungsdauer.

Alternative Standorte in St. Margrethen und Landquart

Mit Blick auf die geopolitische Lage wurde der Anlage zuletzt wieder eine gewisse Bedeutung für die Versorgungssicherheit zugeschrieben. Laveba stellt hierzu klar: Die Getreidesammelstelle und die Silos in Schaan seien aktuell kein deklariertes Not- oder Pflichtlager.

Sollte der Betrieb dereinst eingestellt werden, stünden mit St. Margrethen (Lütolf) und Landquart (fenaco) etablierte Alternativstandorte zur Verfügung, die praktisch alle bislang angenommenen Sorten übernehmen könnten – einzig für Bio-Mais sei derzeit keine Alternativlösung bekannt.

Für die betroffenen Betriebe bedeutete ein Wegfall vor allem längere Anfahrtswege und höhere Kosten; die Annahmequalität bliebe vergleichbar.

Importe erschweren kostendeckenden Betrieb

Laveba weitet die Diskussion über den Einzelfall hinaus: Investitionen in Infrastruktur wie Getreidesammelstellen liessen sich nur amortisieren, wenn entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über den Handel bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten – kostendeckende Preise bezahlt würden.

Entwicklungen wie der Import von Backwaren-Teiglingen aus der EU oder von ausländischem Weizen erschwerten eine kostendeckende Produktion und Verarbeitung vor Ort zusätzlich – eine Entwicklung, die man kritisch sehe.

Man stehe im engen und konstruktiven Austausch mit der Eigentümerin und werde informieren, sobald ein Entscheid vorliege.

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