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Mehr Wertschöpfung für den Kartoffelacker und die Ziege

Unsere Gastautorin berichtet von zwei Wertschöpfungsprojekten im kleinsten Naturpark der Schweiz, dem Parco Val Calanca im italienischsprachigen Teil Graubündens.

In wenigen Tagen schliesst der Regionalparkkandidat Parco Val Calanca sein zweites Lebensjahr ab. Er ist der kleinste Naturpark der Schweiz und der einzige der italienischsprachigen Schweiz.

Viele traditionelle Elemente

Das Calancatal zeichnet sich durch seine steilen Bergflanken und die wilde Natur aus. Die Kulturlandschaft wird von wenigen Bauernfamilien in strenger Arbeit bewirtschaftet. Es werden noch viele landwirtschaftliche Elemente traditionell bewirtschaftet, zum Beispiel Ackerterrassen mit Trockenmauern, Kastanienselven und Lärchenweidewälder. Diese werden kontinuierlich durch Landschaftsmassnahmen, zum Beispiel Selvenrestaurationsprojekte, erhalten und für eine weitere Bewirtschaftung bereitgestellt.

Braugerste und Bergkartoffeln

Die Gemeinde Rossa hat über mehrere Jahre gut 1500 Meter Trockenmauern renoviert. Die Fläche wird von einer Bauernfamilie gemäht. Und seit letztem Frühling hat eine Gruppe kartoffelbegeisterter Leute drei Terrassen mit Pro-Specie-Rara-Kartoffeln und der lokalen Gerstensorte «Braggio» angebaut.

Die ersten Bergkartoffeln wurden bereits am diesjährigen Weihnachtsmarkt verkauft. Im nächsten Frühling ist ein Saatkartoffelmarkt geplant, um einem breiten Publikum Informationen und Tipps zum Anbau, sowie unterschiedliche Kartoffelsorten anzubieten. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Gastronomie und die Weiterführung des Umweltbildungsangebot für die Schulen sind weitere Ziele des Projekts.

Was tun mit den Ziegen nach dem Alpsommer?

Der Park fördert nicht nur neue Ideen, sondern unterstützt auch die Zusammenarbeit bereits bestehenden Akteuren. Das bringt uns zum zweiten Wertschöpfungsprojekt. Das Calancatal ist wie geschaffen für die Ziegenhaltung. Gut zwei der Sömmerungsbetriebe mit Käserei sind reine Ziegenalpen, während auf der dritten Alp auch Milchkühe gesömmert werden.

Der Alpkäse ist bereits während des Sommers ausverkauft, die Nachfrage ist gross. Im Herbst stehen jedoch einige Landwirtinnen und Landwirte vor der Herausforderung der Vermarktung ihrer Ziegen. Auf Anstoss einer Bäuerin hat der Park ein Projekt zur besseren Wertschöpfung von Ziegenfleisch auf die Beine gestellt, das sich sehr positiv entwickelt hat.

Regional produziert, verarbeitet und verkauft

Alle Ziegenhalter wurden informiert und zur Teilnahme eingeladen. Der Transport zur Metzgerei in Cresciano, im Tessin, konnte durch einen Landwirt organisiert werden. Der lokale Metzger, der im Parkperimeter einen Verarbeitungsraum hat, kaufte die Tiere und hat das Fleisch zu unterschiedlichen traditionellen Spezialitäten verarbeitet. Das sind unter anderem Salametti, Luganighette, Violino (Rohfleischspezialität aus der Keule) oder die typische «Capra in bogia» (Siedfleisch in Salz-und Gewürzlake eingelegt).

Der Park hat die lokalen Restaurants über das Ziegenfleischangebot informiert und die Bestellungen an den Metzger weitergeleitet. Es ist sehr erfreulich, dass die Mehrheit der Gastrobetriebe sich für diese Produkte interessiert und das Fleisch regional verwertet werden kann. Die Wertschöpfung bleibt somit in der Region.

Der Parco Val Calanca befindet sich noch in der Errichtungsphase. Erste Projekte sind bereits umgesetzt worden, immer in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und mit den Bauernfamilien.

Zur Autorin

Marina Martinali ist Agronomin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Parco Val Calanca. Sie schreibt für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.