Neuer Swissherdbook-Präsident: «Wir machen nur das, was die Züchter wollen»

Seit April präsidiert Adrian Weber Swissherdbook. Der Seeländer spricht über Smart Herd, die Zusammenarbeit mit Holstein Switzerland und seine Vision für die Zukunft der Viehzuchtverbände.

Seit gut 100 Tagen ist Adrian Weber aus Niederried bei Kallnach BE neuer Präsident von Swissherdbook. Am 14. April wurde der Seeländer von der Delegiertenversammlung einstimmig in dieses Amt gewählt. «Ich habe mich sehr über die Wahl gefreut. Danach ging es schon los mit der Einarbeitung und mit den Tagesgeschäften», sagt Adrian Weber beim Besuch der BauernZeitung.

Viel auf Achse fürs neue Amt

Hinzu kamen noch ein paar unvorhergesehene Ereignisse, die nicht planbar waren: «Da muss man flexibel bleiben und ab September beginnen schon die vielen Jubiläumsviehschauen und Veranstaltungen, da freue ich mich sehr darauf», so der Präsident. Rund 100 Anlässe und Vorstandssitzungen werde er pro Jahr besuchen und abhalten dürfen. An allen Anlässen könne er aber aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen, dafür habe er mit den Mitgliedern der Verwaltung ein gutes Team im Rücken, das ihn unterstützen werde.

«Der zeitliche Aufwand für das Präsidium war mir schon vor meiner Kandidatur bewusst und ich konnte mir vorstellen, was nach meiner Wahl auf mich zukommen wird», stellt er fest. Weber empfindet grosse Genugtuung darüber, einem ausgezeichneten KMU mit engagierten Mitarbeitern vorzustehen.

Viele Rückmeldungen

Ende Juni wurden die Daten von Holstein Switzerland in die gemeinsame Datenbank von Qualitas integriert. Mit der Nutzung derselben Datenbank durch alle Viehzuchtverbände sind Verluste beim Datenaustausch ausgeschlossen – etwas, das in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen ist.

In diesem Zusammenhang wurden Ende Juni Cownect, das offizielle Herdenmanagement-Portal für Schweizer Rinderzüchter, und die App Smart Herd lanciert. «Wir erhalten gegenwärtig sehr viele Rückmeldungen und Verbesserungswünsche aus der Züchterschaft zu Smart Herd und unsere Informatiker passen die App laufend an», erläutert Adrian Weber.

Was Swissherdbook und Holstein Switzerland im Weiteren beschliessen würden, darüber werde immer offen kommuniziert. «Auch die anderen Viehzuchtverbände, wie Braunvieh Schweiz oder Mutterkuh Schweiz, werden von unseren Vorhaben auf dem Laufenden gehalten», sagt Weber.

Vielleicht werden eines Tages alle Viehzuchtverbände unter einem Dach vereint, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. «Dieses Projekt liegt aber noch in der Ferne. Sollte es aber je einmal zustande kommen, ist uns wichtig, festzuhalten, dass jeder Standort der grossen Viehzuchtverbände erhalten bleiben soll», so der Swissherdbook-Präsident.

«Wir sind gut unterwegs»

Die Anpassungen bei Smart Herd und das Projekt Alliance nehmen bei Swissherdbook aktuell viel Zeit in Anspruch. «Wir sind hier gut unterwegs. Die Delegierten von Swissherdbook und von Holstein Switzerland haben die Strategie der verstärkten Zusammenarbeit der beiden Verbände gutgeheissen», erklärt Adrian Weber erfreut.

Dabei gelte es, nicht nur Synergien zu nutzen und durch schlankere Strukturen die Effizienz zu steigern, sondern auch die Bündelung der Aufgaben der Zuchtorganisationen voranzutreiben. «Die Rassenvertretungen und die Standorte sollen dabei beibehalten werden», versichert Weber.

Auf die Frage, ob es früher oder später zu einem Zusammenschluss von Swissherdbook und Holstein Switzerland kommen werde, sagt Adrian Weber nur so viel: «Wir machen nur das, was die Züchterinnen und Züchter auch wollen. Kommt es diesbezüglich einmal zu einer Abstimmung, braucht es auf beiden Seiten je eine Zweidrittelmehrheit.»

Adrian Weber vor vielen Jahren als Richter, anlässlich der Berner Junior Expo in Thun BE. (Bild: Simone Barth)

Bei den Berner Jungzüchtern

Adrian Weber ist der erste Seeländer, der beim grössten Viehzuchtverband der Schweiz das Präsidium innehat. Seit 2018 gehört er der Verwaltung von Swissherdbook an, seit 2021 amtete er als Vizepräsident.

Weber startete seine Viehzüchter-Karriere seinerzeit bei den Berner Jungzüchtern. In jungen Jahren wurde er schon Viehschauexperte und zum Gruppenleiter befördert. Dann übernahm er das Präsidium der Vereinigung der Seeländer Viehzuchtgenossenschaften. Dieses Amt führte Weber jahrelang auch bei der Expo Mittelland aus, die er mit ins Leben gerufen hatte. «Ich habe mich immer für die Viehzucht interessiert. Schon als Kind hatte ich Freude an schönen Kühen», sagt er bei sich zu Hause am Küchentisch.

«Ich bin kein Hochleistungszüchter»

«Ich bin nicht der Ausstellungszüchter und auch nicht der Hochleistungszüchter», sagt er bescheiden. Vielmehr sucht er eine wirtschaftliche Kuh, die mit viel Weidegang eine gute Milchleistung und hohe Gehaltswerte erzielt.

Rund 60 Kühe und 80 Stück Jungvieh stehen bei ihm zu Hause im Grossen Moos im Laufstall. 40 % gehören der SF- und 60 % der RH/HO-Rasse an. «Je grösser die Herden werden, umso wichtiger ist eine problemlose Kuh», hält er fest. Denn die Zeit fehle oft, sich dauernd mit Einzeltieren zu beschäftigen. «Natürlich freut es mich, wenn sie dazu noch ein schauwürdiges Exterieur haben. Das ist aber nicht mein oberstes Ziel», sagt Adrian Weber. Jährlich werden aus seinem Betrieb 10 bis 15 junge Kühe in der zweiten und dritten Laktation via Auktionen verkauft.

Für alle ein offenes Ohr

Adrian Weber war im April der einzige Kandidat, der sich für die Nachfolge von Markus Gerber als Präsident von Swissherdbook zur Verfügung stellte. Stärken von ihm sind seine bescheidene Art und dass er für alle ein offenes Ohr hat. «Ich bin nicht einer, der vorweg schon Nein sagt. Ich höre mir zuerst die Anliegen und Argumente ruhig an, diskutiere und entscheide dann möglichst sachlich», betont er. Ein grosser Vorteil sei auch seine Mehrsprachigkeit (Deutsch, Französisch und Englisch). «Diese Attribute und die langjährige Erfahrung haben mir sicher bei der Wahl geholfen», so der Meisterlandwirt.

Auch im Seeland hat Viehzucht einen Stellenwert

Den Vorwurf, dass ein Seeländer nichts von Viehzucht verstehe, lässt Adrian Weber überhaupt nicht gelten: «Klar, wir sind hier ein starkes Ackerbau- und Gemüsebaugebiet, das stimmt. Doch auch die Viehzucht und die Milchviehhaltung haben im Seeland einen grossen Stellenwert», betont er.

Gemessen an der Anzahl Herdebuchtiere könnten im Seeland alljährlich viele Plaketten für 100 000 kg Milch an die engagierten Züchterinnen und Züchter abgegeben werden. Vielleicht züchte man in ihrem Gebiet eher eine wirtschaftliche, statt eine Ausstellungskuh. Das müsse jeder für sich entscheiden.

«Mir ist wichtig, dass eine Kuh jeden Tag aus betriebseigenem Futter einwandfreie Milch gibt, möglichst nach der ersten Belegung wieder trächtig wird und selten den Tierarzt sieht», sagt Weber. Dass er mit seiner Strategie nicht ganz daneben ist, zeigt sich daran, dass auf seinem Betrieb schon mehr als eine Kuh die 100 000er-Milchmarke überschritten hat. «Diese Philosophie versuche ich auch meinen Kindern weiterzugeben», hält er fest. Zusammen mit seiner Frau Jacqueline führen sie den Betrieb seit Kurzem mit Tochter Janine in einer Betriebsgemeinschaft.

Die Viehschauen sind wichtig

Doch ganz ohne Ausstellungen geht es auch bei Adrian Weber nicht: «Als Mitbegründer der Expo Mittelland ist es nicht nur für mich als Züchter, sondern für die Viehzüchter der gesamten Region wichtig, einmal im Jahr ihre Zuchtarbeit präsentieren zu können», hält er fest.

Auch die Beständeschauen, allen voran die des Viehzuchtvereins Kallnach und Umgebung, möchte er nicht missen: «Mittlerweile sind wir wieder fünf Betriebe, die jeden Frühling und Herbst ihre Kühe auf unseren Hof zur Punktierung aufführen», sagt Weber stolz. Und diese Viehschauen möchte er auch weiterhin behalten, ob es in Zukunft zu einem grossen Zusammenschluss der Viehzuchtverbände kommen werde oder nicht.

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