ABO

Angus-Pionier Martin Eichenberger übergibt Hof und Vorstandsposten

Beim Aargauer stehen zwei Veränderungen an: Sohn Jonas hat den Betrieb übernommen und er selbst tritt aus dem Vorstand von Mutterkuh Schweiz zurück. Wir blicken mit dem Züchter in die Zukunft und zurück auf die Pionierzeiten.

Das Black-Angus- und das Mutterkuhgen wurden Martin Eichenberger regelrecht in die Wiege gelegt. Ein sprichwörtlicher Vorreiter sei sein Vater Arthur Eichenberger gewesen, erzählt der Aargauer. Bereits 1975 hatte er von Milch- auf Mutterkühe umgestellt.

Und als sich 1977 die Schweizerische Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter (SVAMH) zusammentat (heute Mutterkuh Schweiz), war er ein Gründungsmitglied. Damals waren Importe von lebenden Tieren in die Schweiz noch nicht erlaubt.

Also begann der innovative Landwirt vom Oberen Schönenberg in der Gemeinde Bergdietikon AG, seine Simmentaler und Braunviehkühe mit Angussamen zu belegen. «Als 1996 dann das Importverbot fiel, hatten wir aus den Kreuzungen bereits eine Angusherde herausgezüchtet», erinnert sich Sohn Martin Eichenberger.

Betrieb im stetigen Wandel

1987 stieg er in den Familienbetrieb ein und gründete mit seinem Vater eine Betriebsgemeinschaft. Sechs Jahre später übernahm er den Hof gemeinsam mit seiner Frau Barbara. Anfang der 1990er-Jahre verkauften Eichenbergers ihr Fleisch ausschliesslich via Direktvermarktung. Zudem begann das Ehepaar, mit Gemüse und Früchten auf den Wochenmarkt zu fahren.

Noch heute sind sie in Urdorf ZH und Bremgarten AG mit einem Marktstand präsent. «Seit wir 2006 den neuen Stall errichtet haben, bauen wir allerdings nicht mehr selbst an, sondern gehen mit den Produkten anderer Produzenten und Händler auf den Markt», erklärt Martin Eichenberger.

Das ist nicht der einzige Wandel, den es auf dem Betrieb gab. Von 1997 bis 2012 produzierte Eichenberger unter dem Label Bio Suisse. «Mir wurde der administrative Aufwand zu gross und die Logik hinter vielen Bestimmungen zu wenig klar. Zudem fühlte ich mich in der Angus-Zucht eingeschränkt», erklärt Eichenberger seinen Entscheid, auf integrierte Produktion umzustellen. Heute verfügt der Betrieb über 32 Hektaren LN und eine Herde aus rund 100 Angusrindern.

In letzter Zeit wurde ausserdem die Durchführung von Anlässen zurückgefahren. Der Aufwand für die Geburtstagsfeiern und Brunches sei sehr gross, sagen Eichenbergers. Die Interessen von Sohn Jonas, der den Betrieb im Januar 2026 übernommen hat, liegen zudem weniger in der Eventorganisation und mehr in der Digitalisierung.

Zufriedene Tiere auf der Weide. Martin Eichenbergers Vater war Pionier der Mutterkuhhaltung in der Schweiz. (Bild: ZVG)

Gutes behalten und Neues wagen

Offenheit gegenüber Veränderungen – so wie er und sein Sohn sie auf dem Betrieb leben – erhofft sich Martin Eichenberger von seiner Nachfolgerin im Vorstand von Mutterkuh Schweiz. Im März 2027 wird er seinen Posten als Vertreter für die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn an Daniela Birrer weitergeben.

«Ich wünsche mir, dass Daniela sich nicht auf den Erfolgen des Vereins ausruht, sondern auch offen ist für Neues und mutige Entscheidungen trifft», sagt das abtretende Vorstandsmitglied. Gutes behalten und Neues wagen – so stellt sich Eichenberger den Anspruch der bislang einzigen Frau im Gremium vor.

Der Zeitpunkt ist gekommen

Weshalb möchte Martin Eichenberger nicht mehr selbst die besagte Stossrichtung einschlagen? Die Amtszeitbeschränkung als Vorstandsmitglied habe er zwar noch nicht ganz erreicht, räumt er ein. Für ihn sei nun mit der Betriebsübergabe und dem 50‑Jahr-Jubiläum bei Mutterkuh Schweiz aber der richtige Zeitpunkt gekommen, um kürzerzutreten.

Damit findet eine intensive Reise ihr Ende. 1987 folgte Martin Eichenberger seinem Vater in den Verein der Mutterkuhhalter und Fleischrinderzüchter der Schweiz. Bald schon übernahm er das Präsidium des Angus-Rasseclubs und trat in die Herdebuchkommission ein.

Ende der 1990er-Jahre wurde er Experte des Fleischrinderherdebuches und Mitglied im Fachbeirat. Den Posten als Fachbeirat gab er 2014 bei seiner Wahl in den Vorstand ab. «Zu meinen Anfangszeiten waren wir als Mutterkuhhalter noch Exoten, das schweisste enorm zusammen», erinnert er sich.

Die Angus-Rinder von Eichenbergers verbringen ihren Sommer jeweils auf der Alp Muottas Muragl im Bündner Engadin. (Bild: ZVG)

Herausforderungen und Erfolge

Seit dieser Startphase, in der niemand genau wusste, ob sich die Mutterkuhhaltung in der Schweiz etablieren kann oder bald wieder verschwunden ist, erlebte Martin Eichenberger einige Höhen und Tiefen. Die Entwicklung des Labels Natura Beef nennt er als besonders weitsichtige Entscheidung. Während zu Beginn, Anfang der 1980er-Jahre, ein Beef pro Woche für diesen Kanal geschlachtet wurde, sind es heute gegen 40 000 jährlich.

«Ein Tiefpunkt war die BSE-Krise zu Beginn der 2000er-Jahre», erinnert sich Eichenberger. Damals herrschte ein Aufnahmestopp für neue Mutterkuhbetriebe in den Verein und der Fleischpreis rasselte in den Keller. Als wiederum die staatliche Milchkontingentierung in der Schweiz 2009 definitiv aufgehoben wurde, stellten zahlreiche Betriebe auf Mutterkuhhaltung um und der Verein nahm richtig Schwung auf.

Dieser Aufwärtstrend ist bis heute geblieben. «Aktuell sind die Fleischpreise für unsere Tiere hoch und wir suchen nach weiteren Betrieben», zieht Eichenberger eine positive Bilanz.

Nach wie vor überzeugt von der Rasse

Dass Martin Eichenberger auch nach seiner Betriebsübergabe ein Angus-Züchter mit Leib und Seele ist, wird beim Rundgang durch den grosszügigen Laufstall schnell klar. Angus würden bestes Fleisch aus Raufutter liefern, könnten sich flexibel an den Standort anpassen und die Geburten verliefen ohne Komplikationen, schwärmt Martin Eichenberger. Angus als «Marke» sei vielfältig und gut vermarktbar, zählt er einen weiteren Vorteil der Rasse auf. «Angus ist eine überaus elastische Rasse. Die Tiere passen sich den Gegebenheiten enorm rasch an», schwärmt der Züchter beim Gang auf die Weide.

Weder von seinen schwarzen Perlen noch vom Verein Mutterkuh Schweiz muss sich Martin Eichenberger aber vollkommen lösen. Bei Mutterkuh Schweiz wird er als OK-Mitglied tatkräftig am Anlass zum 50. Jubiläum im Kloster Fahr in der Nähe von Zürich mitwirken.

Wie sieht die Zukunft aus?

Zum Schluss wollte die BauernZeitung noch wissen, wie Martin Eichenberger die Zukunft von Mutterkuh Schweiz und der Schweizer Landwirtschaft im Allgemeinen sieht. «Die Agrarpolitik und die Klimaerwärmung werden Herausforderungen bereithalten. Um diesen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten, wünsche ich mir eine engere Zusammenarbeit mit Organisationen wie IP-Suisse oder Bio Suisse und eine grössere Effizienz in der Entscheidungsfindung», erläutert das langjährige Vorstandsmitglied.

Und einen landwirtschaftlichen Betrieb sieht er nur zukunftsfähig, wenn er flexibel und schlank geführt wird. «Sich rasch an neue Gegebenheiten anpassen und reagieren zu können, darin erkenne ich den entscheidenden Erfolgsfaktor», resümiert Martin Eichenberger.

Weiterlesen