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Trockenheit macht Lohnunternehmer zu Raufutterlieferanten für ihre Kunden

Die extreme Trockenheit im 2026 sorgt auch bei Lohnunternehmern für ausserordentliche Situationen. Der Raufuttermangel zeichnete sich bereits früh im Jahr ab und viele Lohnunternehmer setzten ihre Netzwerke ein, um die zunehmende Nachfrage ihrer Kundschaft nach Raufutter zu decken.

«Im Gespräch mit Kunden hat es sich bereits im frühen Frühling abgezeichnet, dass das Wasser knapp ist. Ich habe gehört, dass Quellen weniger Wasser brachten», erzählt Lohnunternehmer Oskar Schenk aus dem bernischen Schwarzenburg. Sein Einsatzgebiet reicht vom Flachland bis in die Voralpen. Dort sind die Betriebe oft mit eigenen Quellen versorgt. «Das gibt mir schon zu denken, wenn ich höre, dass Quellen zurückgehen, welche vorher immer eine stabile Wassermenge führten», sagt Schenk.

Dennoch war zu diesem Zeitpunkt nicht abschätzbar, wie trocken es bis in den aktuellen Herbst tatsächlich werden würde. «Der erste Grasschnitt ergab rund 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als in durchschnittlichen Jahren. Eine Rolle spielte dabei der besonders frühe Erntezeitpunkt im April.»

Kein einziger Grashalm mehr gehäckselt

Die Silos konnten mit dem ersten Schnitt also nicht ganz gefüllt werden, und statt dies mit dem zweiten Schnitt nachzuholen, hat Lohnunternehmer Schenk, wie viele andere auch, keinen einzigen Grashalm mehr gehäckselt.

Die Beschaffung von Raufutter war für Lohnunternehmer Oskar Schenk eine Hauptaufgabe im staubtrockenen Jahr 2026. (Bild: «die grüne» / Beat Schmid)

Das hatte nicht nur Auswirkungen für die betroffenen Landwirte, auch Lohnunternehmer konnten ihre Maschinerie weniger auslasten und ihr Personal weniger beschäftigen. Auch hier zählt ein gutes Netzwerk, um Lücken zu schliessen. Schenk konnte zeitweise einen Teil seines Personals bei Unternehmen auf dem Bau einsetzen. Falls notwendig, wurden auch Überzeiten abgebaut oder Ferien bezogen.

Als die Trockenheit nach dem ersten Schnitt immer noch anhielt, wurde klar, dass es in diesem Jahr mit dem Raufutter eng werden könnte.

Silofreie Betriebe stärker betroffen

Die Landwirte hatten lange gehofft, es werde dann schon noch besser mit dem Gras und schöne Schnitte seien noch möglich. Oskar Schenk bezweifelte diese Hoffnung früh genug und begann in seinem Netzwerk die Fühler nach verfügbarem Dürrfutter auszustrecken. «Wir handeln normalerweise nicht mit Heu, eher mit Mais. Aber ich habe auch Kunden, die silofreie Milch produzieren, und da wollte ich helfen, allfällige Futtermangel zu decken», so Schenk. Aus seiner Sicht sind silofreie Milchproduzenten am stärksten vom Raufuttermangel betroffen. Sie haben weniger Auswahl, um eine Futterlücke mit alternativen Lösungen zu füllen.

Wer siliertes Futter füttert, hat in einer solchen Situation mehr Möglichkeiten, mit anderem Futter zu überbrücken und allenfalls Zwischenfutter oder Gründüngungen zu nutzen. Mit einem Mischwagen ist es auch möglich, eine Mischung mit Stroh zu strecken und fehlende Gehalte gezielt zu ersetzen.

Eine unkonventionelle Lösung wäre auch gewesen, Getreide als Ganzpflanzensilage zu konservieren. Die Raufutterbestände hätte man erhöhen können, indem man sie in der Teigreife geerntet hätte. Oskar Schenk meint, dass diese Möglichkeit die letzte Chance war, in diesem Jahr entscheidende Raufuttermengen zu produzieren, danach war der Zug abgefahren.

«Wir waren mit dem Häcksler bereit, aber er wurde zu wenig genutzt. Ich verstehe aber auch, dass es für einen Landwirt nicht einfach ist, das Getreide nicht ausreifen zu lassen und stattdessen ins Silo zu füllen. Solche Entscheidungen zu treffen, sind Landwirte normalerweise nicht gewohnt, und dann noch innerhalb weniger Tage.»

Wetterextreme verlangen andere Entscheidungen

Die Wetterextreme lassen sich kaum verhindern, damit muss die Landwirtschaft umgehen können. Ob es nun zu trocken oder zu nass ist. Das bedeutet, dass vermehrt unkonventionelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Das Beispiel, mit dem Getreide ins Silo statt in die Mühle zu fahren, ist nur eines davon. Ein anderes Beispiel dürfte in Zukunft das Anbauverfahren sein, das auch angepasst werden muss. Dabei geht es vor allem darum, auf dem Feld wassersparend zu bearbeiten.

Wer auf traditionelle und immer gleiche Anbautechniken setzt, benötigt berechenbares Wetter. Das war in diesem Jahr eindeutig nicht der Fall.

Viele Landwirte haben bereits die Lehren gezogen und erste kurzfristige Entscheidungen getroffen. Oskar Schenk stellt fest, dass weniger Getreide gesät wird und stattdessen mehr Futter angebaut wurde. Es ist zu hoffen, dass dies gut gelingt und in den kommenden Jahren eine Futterreserve aufgebaut werden kann für aussergewöhnliche Jahre.

Raufutterimporte 2026

Die Trockenheit liess das Raufutter in der Schweiz knapp werden. Für viele Betriebe reicht es mit einem eigenen Silo und Heustöcken nicht bis zum nächsten Frühling. Gleichzeitig waren auch die wichtigsten Beschaffungsmärkte angespannt. Im August schätzte der Schweizerische Raufutterverband, dass im Süden Deutschlands teilweise nur 30 bis 50 Prozent der normalen Erträge zur Verfügung stehen.

Der Bund erleichterte im Jahresverlauf den Import von Heu und Grassilage, indem Zölle aufgehoben wurden. Auch Futtermais konnte einfacher eingeführt werden. Wegen logistischer Schwierigkeiten beim grenzüberschreitenden Transport wurde die ursprünglich bis Ende Oktober vorgesehene Aufhebung des Zolls für frischen oder silierten Mais zu Futterzwecken bis 30. April 2027 verlängert. Für Biobetriebe wurde zudem der Zukauf von nichtbiologischem Raufutter erleichtert. Damit sollen die Futterlücken möglichst geschlossen werden. Wie stark die Raufutterimporte 2026 tatsächlich zugenommen haben, wird die definitive Jahresstatistik zeigen. Fest steht aber bereits, dass es 2026 nicht nur deutlich weniger eigenes Futter gab, sondern dass es auch auf den Importmärkten enger wurde.

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