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Windschatten für Käsereimilch: Produzenten fordern auch hier 5 Rp. Preiserhöhung

Auch Käsereimilch-Produzenten wollen mehr. Die Chancen sind gut, aber die Käser und der Handel wollen auch teilhaben am Aufpreis. Zudem warnen sie, dass sich der Boom der letzten zwei Jahre bald abschwächen könnte.

Vor Wochenfrist hat die Branchenorganisation Milch (BOM) den Richtpreis für A-Milch um aussergewöhnliche 5 Rappen erhöht. Nun fordern auch die Käsereimilch-Produzenten ihren Tribut. Der Druck für eine Gleichbehandlung mit den Industriemilch-Kollegen wird dieser Tage in sämtlichen Sortenorganisationen spürbar. Die Vorstände der Sortenorganisationen haben teilweise bereits getagt, zuletzt am Donnerstag Emmentaler Switzerland AOP.

SMP-Kommission fordert 5 Rp.

Unterstützung erhielten die Milchproduzenten am Mittwoch von ihrer Dachorganisation. Die Kommission Käsereimilch der SMP forderte in einer Mitteilung mit Nachdruck 5 Rappen mehr für den silofreien Rohstoff der Käseherstellung.

Mit der Erhöhung des A-Richtpreises auf 78 Rappen wird die Differenz zum Käsereimilchpreis für gewisse Sorten nämlich ziemlich gering. Ohne Preiserhöhung könnte sich mancher Lieferant silofreier Milch in der Folge überlegen, ob er den Aufwand überhaupt noch betreiben will, warnt die Kommission.

Emmentaler stark gefordert

Offen ist noch, ob für die Produzenten überall ein 5-Rappen-Schritt möglich wird. Fest steht aber bereits jetzt, dass auch die Käser und vermutlich auch der Handel am allfälligen Aufpreis teilhaben wollen. Zahlen will zwar noch niemand nennen, aber so wie es aussieht, dürfte sich der Käsepreis um mindestens einen Franken pro Kilogramm erhöhen. 50 bis 60 Rappen gingen zu Gunsten der Milchproduzenten. Das entspräche umgerechnet auf den Milchbedarf pro kg Käse in etwa den 5 Rappen pro kg Milch. Der Rest der Erhöhung erhielten dann der Käser und der Handel.

«Auch für uns steigen die Kosten spürbar», sagt etwa Jacques Gygax, Direktor des Käserverbands Fromarte. Er verweist dabei auf die Energiekosten, die in der Käseproduktion ohnehin stark ins Gewicht fallen. Der Nachholbedarf sei nicht bei allen Sorten gleich gross, sagt er mit Verweis auf die Preisdifferenzen zur Industriemilch. So sei der Emmentaler sicher stärker gefordert als Gruyère. Er wünscht sich aber ein koordiniertes Vorgehen der Sortenorganisationen, letztlich müsse hier aber jede Organisation selber entscheiden.

Gygax warnt aber gleichzeitig vor einem allzu starken Aufpreis. Der «hochdynamische» Käsemarkt befinde sich derzeit in einer sehr angespannten Lage. Der Krieg in der Ukraine werde die Absatzmärkte sicher beeinflussen. Gygax erinnert daran, dass 40 Prozent des Schweizer Käses exportiert wird.

Die Preise im November 2021 und im Jahr davor (R12) ohne Siloverzichtszulage. Industriemilch galt (R12) 62,4 Rp./kg.
Die Preise im November 2021 und im Jahr davor (R12) ohne Siloverzichtszulage. Industriemilch galt (R12) 62,4 Rp./kg.

«Eine paradoxe Situation»

Auch Andreas Hinterberger befürchtet, dass die inflationäre Teuerung die Konsumentenstimmung trüben dürfte. Der Käser aus Gais AR verarbeitet in seinem Betrieb Silomilch zu Raclette und sogenannten freien Sorten ohne eigene Organisation. Er ist wie Jacques Gygax als Fromarte-Vertreter Mitglied des BOM-Vorstands. Für ihn und seine Kollegen mit ähnlichem Portefeuille ist der deutsche Markt von grosser Bedeutung. «Ich erinnere an die in Deutschland nach wie vor weit verbreitete ‹Geiz-ist-geil›-Mentalität›», sagt Hinterberger. Schweizer Käse sei ein Luxusprodukt und dürfte vom Einkaufszettel vieler Deutschen verschwinden, wenn der Gürtel enger geschnallt werden muss, befürchtet der Käsermeister.

Insgesamt herrsche bei den freien Sorten eine paradoxe Situation. «Einerseits wären wir aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten dringend auf eine Preiserhöhung angewiesen», sagt der Käsereiunternehmer. Zudem brauche man gleich lange Spiesse wie die Molkerei-Industrie. Denn bei der Milchbeschaffung tun sich unterdessen gewisse Silomilch-Käser ziemlich schwer. Gleichzeitig aber hätten sich die Exportbedingungen mit dem schwächelnden Euro verschlechtert. Je stärker dessen Kaufkraft im Verhältnis zum Franken abnimmt, desto teurer wird der Schweizer Käse beim Import. Deshalb ist eine Preiserhöhung in dieser «sehr, sehr herausfordernden Situation» potenziell kontraproduktiv, so Hinterberger.

Und der Inlandmarkt?

Fragezeichen hat Andreas Hinterberger auch bezüglich dem Inlandmarkt. Er geht davon aus, dass sich der Corona-bedingte Höhenflug hier langsam abschwächt. Im Februar seien die Verkäufe jedenfalls eher schwach gewesen, so der Branchentenor. Zudem werde der Einkaufstourismus mit dem tiefen Euro noch interessanter, sagt er. Allerdings müssten sich die Einkaufstouristen angesichts der aktuellen Benzinpreise auch langsam fragen, wie weit man noch fahren solle, um die Einkäufe zu tätigen.

Braucht es nun auch für Käsereimilch einen höheren Preis?

Wir haben bei Produzenten nachgefragt. Pius Brägger, Müselbach (Kt. St. Gallen), Milchproduzent Emmentaler AOP Ja natürlich, auf jeden Fall. Die Milch ist gesucht und man muss mit dem Preis dann rauf, wenn das der Fall ist und nicht, wenn es wieder zu spät ist. Sicher wäre eine Erhöhung um fünf Rappen sinnvoll. Das müsste drinliegen, ohne dass der Käse-Absatz – in unserem Fall Emmentaler AOP – ins Stocken gerät. Was sind schon fünf Rappen, wenn ein Kilo Käse in Deutschland Fr. 30.– kostet? Unsere Kosten sind so extrem gestiegen, dass es jetzt auch beim Milch- und Käsepreis dringend einen Schritt braucht. [IMG 3]

Betrand Godel, Ecublens (Kt. Freiburg), Milchproduzent Gruyère AOP

Auch für Gruyère braucht es aus meiner Sicht eine Erhöhung des Milchpreises. Die Nachfrage ist da und die Produktionsmenge im Gleichgewicht. Die Preise für Kraftfutter haben ja in den letzten Monaten um 15-20 Franken pro dt aufgeschlagen. Die Düngerpreise haben sich etwa verdreifacht. Man hört aus der Sortenorganisation, dass die Preise frühestens Anfang 2023 erhöht werden sollen. Aber ich bezahle schon jetzt mehr für die Produktionsfaktoren, ich sehe nicht ein, warum man abwarten sollte. [IMG 4]

Erwin Ackermann, Buochs (Kt. Nidwalden), Milchproduzent Sbrinz AOP

Wir Milchlieferantenvertreter werden in der Sbrinz GmbH fordern, dass die fünf Rappen auch bei uns bezahlt werden. Das bedeutet einen Aufschlag von Fr. 1.–/kg beim Käsepreis, so dass auch Käser und Handel etwas davon haben. Dieser Aufschlag ist wichtig, denn die Differenz zum Industriemilchpreis ist nur noch gering. Ich befürchte, dass der Schweiz mittel- bis längerfristig die silofreie Milch ausgehen wird, denn ich bezweifle, dass die Jungen diesen Mehraufwand künftig noch auf sich nehmen wollen. [IMG 5]

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