Gute Preise, gute Umsätze, eine gute Nachfrage – eigentlich konnte Verwaltungsratspräsident Dominic Eggel an der Aktionärsversammlung der Vianco AG fast nur gute Nachrichten verkünden. Dennoch bleibe die Lage angespannt, sagte er. Das liegt einerseits an der Seuchenlage und andererseits am agrarpolitischen Geschehen.
Zu Letzterem gab der als Referent eingeladene Bauernverbandspräsident Markus Ritter Auskunft: Der Fokus müsse nun ganz klar auf einer Perspektive für die produzierende Landwirtschaft liegen, betonte er. «Mit der kommenden AP werden die Weichen nicht nur für die nahe Zukunft der Landwirtschaft gestellt», bekräftigte er und betonte die grosse Verantwortung des Parlaments. So sei die wuchtige Ablehnung der anstehenden «Vegi-Initative» ein wichtiges Zeichen, das die Richtung und den Inhalt der kommenden AP mitbestimme. Ländliche Regionen müssten politisch mobilisieren – bei dieser Abstimmung, aber auch bei den Parlamentsneuwahlen 2027. Denn das dann gewählte Parlament werde schlussendlich über die neue AP zu befinden haben.
Bei Herausforderungen ist der Teamgeist umso wichtiger
Die Vianco AG blickt auf ein gutes Jahr mit einem wachsenden Umsatz zurück. Trotzdem sei man mit grossen Herausforderungen konfrontiert gewesen, betonte Dominic Eggel bei der Begrüssung: «Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit, Lumpy-Skin-Disease oder die Maul- und Klauenseuche verlangten uns allen viel ab», so Eggel. Gerade in solchen Zeiten zeige sich jedoch, was die Vianco ausmache: Teamgeist, Zusammenhalt und die enge Kooperation mit der Tochtergesellschaft Silvestri AG sowie den Geschäftspartnern.
Zuchtvieh: Die Möglichkeit, online mitzubieten, lockt Käufer an
Auf dem politischen Parkett ist insbesondere die Fleischwirtschaft immer wieder herausgefordert: «Die in Bern geplanten Sparmassnahmen – insbesondere die Abschaffung der Inlandleistungen auf den öffentlichen Märkten – sind ein Affront gegenüber der produzierenden Landwirtschaft», stellte Dominic Eggel klar. Es sei deshalb wichtig, dass die Branche gemeinsam hinstehe für ihre Interessen. Denn auch die Zollverhandlungen mit den USA und die damit verbundenen Unsicherheiten auf dem Milchmarkt wirkten sich letztlich auf den Schlacht- und Nutzviehmarkt aus, betonte Eggel.
Die Vianco macht ihren Umsatz zu rund drei Vierteln mit Schlachtvieh. Hier sei allerdings in verschiedenen Kategorien zu spüren, dass das Angebot sehr knapp sei und die Nachfrage nicht gedeckt werden könne, bilanzierte der Geschäftsführer der Vianco, Urs Jaquemet. Beim Nutzvieh habe der Umsatz insbesondere bei den Tränkern erhöht werden können. Aber auch die regelmässigen Nutzviehauktionen hätten sich im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gezeigt, berichtete Jaquemet.
Insgesamt wurden 1454 Stück mehr Nutz- und Zuchtvieh gehandelt. Gerade auch die Möglichkeit, dort online mitzubieten, bringe zusätzliche Käufer. Auch die gute Qualität der angebotenen Tiere mache die Auktionen erfolgreich, so Jaquemet. Hinzu komme der nach dem Umbau wiedereröffnete Standort in Kradolf TG, der für mehr Schlagkraft beim Nutztierhandel sorge. An allen Standorten seien die Auktionen sehr erfolgreich, mit grösseren Auffuhr- und Verkaufszahlen als in den Vorjahren. Vor dem Hintergrund der rückläufigen Geburtenzahlen und der Ausfälle wegen der grassierenden Blauzunge sei auch der Umsatzzuwachs bei den Tränkern sehr erfreulich, so Jaquemet.
Beim Schlachtvieh fehlen Natura Beef und Veal
Weniger positiv entwickelte sich der Umsatz beim Schlachtvieh. Hier gingen im vergangenen Jahr die Umsatzzahlen zurück. Dazu beigetragen hat der Ausstieg aus dem Schweine-Label SPP. Dies ergab ein Minus von 1296 Stück Schlachtschweine. Aber auch beim Natura Beef und beim Natura Veal gingen die Tierzahlen zurück. «Insbesondere in den Frühlings- und Sommermonaten konnte in diesen Kategorien der Bedarf nicht gedeckt werden», bedauerte Urs Jaquemet. Bei den Natura Beef ging die gehandelte Stückzahl um 1142 zurück, bei den Veal verzeichnete die Vianco im vergangenen Jahr ein Minus von 274 Stück.

