So wirkt sich die Schliessung des Reformhauses Müller auf Bioproduzenten aus

Das Reformhaus Müller ist geschlossen, die Konsequenzen entlang der Wertschöpfungskette sind noch ungewiss. Der Handel ist besorgt über das Marktvolumen, das nun nicht mehr bedient wird. Für die ehemaligen Lieferanten kam die Schliessung plötzlich und unerwartet. 

Das Reformhaus Müller stellt den Betrieb nach 136 Jahren ein und schliesst 37 Standorte in der Schweiz. Laut SRF-Interview sei der Grund die fehlende kaufkräftige Kundschaft.

Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produzenten

Die BauernZeitung hat bei Schweizer Zulieferern nachgefragt, was der Konkurs für die landwirtschaftlichen Produzenten bedeutet.

Adrian Liechti, Mitglied der Geschäftsleitung von Biomilk AG in Worb BE, hat die Nachricht über die Schliessung der Filialen etwas überrumpelt.

Wurde die Biomilk AG vorab über den Konkurs informiert?

Adrian Liechti: Nein, es ist sehr plötzlich gekommen und für uns ist es extrem schade, es fehlen einfach knapp 40 Filialen in der Distribution. Einer der Pioniere im Fachhandel ist einfach nicht mehr da.

Wie wirkt sich der Konkurs des Reformhauses Müller auf die Schweizer Produzenten und Produzentinnen aus?

Stand jetzt – wir haben verschiedene Projekte für neue Produkten, in denen wir relativ viel Milch verarbeiten können. Ich gehe davon aus, dass wir nicht regulieren müssen. Acht Monate im Jahr könnten wir mehr Milch verarbeiten als wir geliefert bekommen. Deshalb schätze ich, dass die Schliessung des Reformhauses Müller wenig Auswirkung auf unsere Milchlieferanten hat. Dies ist auch grundsätzlich mein persönliches Ziel.

Ein Auf und Ab der Kaufkraft

Preise von Bioprodukten seien im Reformhaus einfach teurer, dort sei eine intensive Beratung inklusive, so Adrian Liechti. In der Coronazeit habe Biomilk viel über das Reformhaus absetzen können. «Jetzt ist die Zeit aber eine andere, durch die Energiekrise haben die Leute einfach weniger im Portemonnaie.

Die hohen Ausgaben für lang aufgeschobene Ferien lassen die Konsumenten und Konsumentinnen jetzt eher zu günstigen Lebensmitteln greifen.»

Adrian Liechti ist vom höheren Preis der Biomilk-Produkte überzeugt, da in diesen ein Mehrwert stecke. «Ich bin persönlich der Meinung, dass bei regionalen Schweizer Produkten ein gewisser Preis gerechtfertigt ist». Es seien immer noch unsere Lebensmittel – Mittel zum Leben – deshalb sollen diese einen gewissen Wert haben.

Schweizer Sojaproduzenten stehen im Dunkeln

Die Futur Naturprodukte GmbH verarbeitet Sojabohnen aus Schweizer Anbau und vertrieb diese über das nun geschlossene Reformhaus. Gegenüber der BauernZeitung konnte die Firma aufgrund der jüngst geschehen Schliessung des Reformhauses keine Aussage treffen.

Noemi Kündig ist Mitglied der Geschäftsleitung der Tofurei Engel aus Widen AG, die das Reformhaus über einen Zwischenhändler belieferte. Auch für sie kam der Konkurs unerwartet. «Wir wissen auch erst seit Dienstag von der Schliessung und können die Auswirkungen auf unsere Knospe-Betriebe noch nicht abschätzen.»

Coop und Migros sind nun die grossen Distributeure

Kai S. Semmler, Gründer von Dr. Molke aus Luzern und ehemaliger Zulieferer des Reformhauses, meint, es hätten sich Probleme bereits in der Vergangenheit abgezeichnet: «Aber dass es zu so einem dramatischen Schritt kommt, hätten wir nicht gedacht».

Für die Biobranche sei es ein empfindlicher Eingriff in die gesamte Wertschöpfungskette.

Die meisten kleineren Biomarken, welche nicht bei Coop oder Migros zu finden seien, blickten nun auf eine existenziell kritische Situation. Der einzige, zentral organisierte Bereich des Biofachhandels sei mit der Schliessung weggebrochen.

«Wir hoffen eigentlich, dass ein anderer die Kette oder Teile davon übernimmt, aber darüber eine gewissenhafte Aussage zu treffen, ist zu früh».

Sagt, Kai S. Semmler, Gründer von Dr. Molke aus Luzern.