Das Bedürfnis der Konsumenten nach regionalen, saisonalen, frischen und nachhaltigen Produkten sei vorhanden. Dies gelte es auszuschöpfen. Über mögliche Strategien wurde an einer Veranstaltung «Puur und Biopuur Hand in Hand» informiert und diskutiert. Diese wurde organisiert von den BBZN Kanton Luzern, Bio Luzern und dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV).
Deren Präsident Markus Kretz betonte, dass Bio ein wichtiger Innovationsmotor für naturnahe Produktionstechniken sei. Nachhaltigkeit habe aber mehrere Dimensionen. Damit es auch ökonomisch aufwärtsgehe in der Biobranche und für die gesamte Landwirtschaft, sei es wichtig, wertschöpfungsstarke Bereiche wie die Bioproduktion weiterzubringen.
Produkte mit Geschichte
Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband, ging in seinem Referat auf den Landwirt als Unternehmer ein. Im teuren Schweizer Kostenumfeld müsse dieser auf Wertschöpfungsstrategien setzen. Auch innerhalb der Schweiz könnten gerade Regionen wie das Entlebuch mit den Produktionskosten nicht mithalten. Als Basis brauche es politische Rahmenbedingungen wie Zölle und Marktregeln, die eine Mindestwertschöpfung in der gesamten Landwirtschaft sicherstellen.
Andererseits müsse darüber hinaus ein Mehrwert durch Differenzierung am Markt geholt werden. Die Produkte müssten sich abgrenzen über Qualität und Emotionen. «Wenn Produkte an eine gute Geschichte geknüpft sind, spielt der Preis kaum mehr eine Rolle», meinte Ritter. Unter Leitung von Bioberater André Liner diskutierten im Anschluss an die Referate die rund 60 Besucher in fünf Gruppen über Möglichkeiten, wie die Wertschöpfung für ihre Produkte über Nachhaltigkeitslabel wie Bio oder durch Regionalität gesteigert werden könne. Es brauche eine Geschichte und ein Gesicht hinter den Produkten, damit sich Produzenten und Verarbeiter damit abheben könnten. Potenzial hätten Nischenprodukte, aber nicht nur.
Nischen brauchen Mut
Wichtig sei, dass Produzenten und Verarbeiter Augen und Ohren offenhalten für Nischen, eher klein starten und vor allem Freude an der Nischenproduktion haben. Dafür brauche es Mut, Zeit, Kapital, Geduld und Durchhaltewillen, wurde in der Diskussion festgestellt.
Kritisiert wurde im Rahmen der Diskussionen, dass die Wertschöpfung der Produzenten zum Teil im Grosshandel versickere. Die Produzenten und Verarbeiter müssten sich bemühen, ihren Anteil an der Wertschöpfungskette zu erhöhen. Anlässlich des Luzerner Aktionsplanes Biolandbau ab nächstem Jahr soll mit verschiedenen Massnahmen versucht werden, den Absatz von Bioprodukten zu steigern.
Bei vielen Verarbeitern und Vermarktern wie der Biosphäre Markt AG sei das Potenzial für Bioprodukte durchaus bekannt und werde ausgeschöpft. In der Region werde eher auf die Marke «echt Entlebuch» gesetzt, die Bioauslobung sei untergeordnet.
Hand in Hand
Toni Büchler, Präsident Bio Luzern, hielt abschliessend fest, dass Biobauern und konventionelle Bauern heute durchaus gemeinsam an einem Strang ziehen. Es gebe kaum mehr einen Graben zwischen diesen Produktionsrichtungen. Auch viele Regiolabel lobten ihren Nachhaltigkeitswert aus. «Ob mit oder ohne Biolabel ist es wichtig, das Vertrauen der Konsumenten durch echte Mehrwerte zu erlangen», meinte Büchler.

