Der Marktbericht Milch des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) weist von Januar bis Oktober dieses Jahres einen durchschnittlichen Milchpreis von 74,74 Rappen je kg Verkehrsmilch aus. Das ist der höchste Milchpreis seit 2008 und knapp 5 Rappen mehr als im Vorjahr. Schuld sind die sinkende Milchproduktion und weltweit steigende Preise an den Rohstoffbörsen. Seit November scheint sich aber dieser Aufwärtstrend in Europa bereits wieder umzukehren. In der Schweiz wurde im November beschlossen den Richtpreis für A-Milch für das erste Halbjahr 2023 auf 81 Rappen zu erhöhen. Aktuell beträgt er 78 Rappen.
Weniger Milchkühe
Auch aufgrund der Trockenheit fehlt in vielen Regionen Europas das Futter, sodass unterschiedlich auf die steigenden Molkereimilchpreise reagiert wurde. Während in einigen Regionen die Produktion anstieg, war in anderen Regionen eine Erhöhung der Milchmenge aufgrund des Futtermangels und der teuren Kraftfutterkomponenten nicht möglich.
Ebenfalls in der Schweiz wurde in diesem Jahr deutlich weniger Milch produziert. Obwohl nach dem trockenen Sommer im Herbst noch Winterfutter produziert werden konnte, bleibt der Milchkuhbestand tief. Laut Identitas-Statistik wurden im November in der Schweiz noch 532 234 Milchkühe gehalten. Das sind wiederum rund 10 000 Stück weniger als vor einem Jahr. Zum Vergleich, vor zehn Jahren wurden in der Schweiz noch rund 65 000 Milchkühe mehr gehalten als heute. Das wirkt sich trotz Leistungssteigerung auf die produzierte Milchmenge aus. So weist die TSM-Statistik von Januar bis Oktober eine gesamtschweizerische Milchmenge von 2 816 092 Tonnen aus, 2,1 Prozent oder 59 963 Tonnen weniger als im Vorjahr.
Zu wenig Schweizer Butter
Dies wirkt sich auch auf die Milchverarbeitung aus, so wurden insbesondere weniger Butter, Käse und Konsummilch hergestellt (siehe Grafik). Insbesondere Butter wurde auch in diesem Jahr zu wenig hergestellt, um die Nachfrage zu decken. So wurde für das kommende Jahr bereits eine höhere Butterimportmenge von 3000 t beim BLW beantragt, damit die Schweizer Butterlager endlich gefüllt werden können und die mittlerweile gesuchte Schweizer Butter für Produkte verwendet werden kann, die auf Swissness setzen.
Käseproduktion sinkt
Im laufenden Jahr wurden bis Oktober 6371 Tonnen Butter importiert, das sind gut 3000 Tonnen mehr als im Vorjahr, was fast eine Verdoppelung der Butterimporte bedeutet. Die Butterproduktion im Inland betrug von Januar bis Oktober 390 362 Tonnen, das sind 28 191 Tonnen weniger als im Vorjahr. Entsprechend leer präsentierten sich das ganze Jahr über die Butterlager. Für das kommende Jahr rechnet die Branche mit einer steigenden Milchproduktion und einer sinkenden Käseproduktion, damit dürfte wieder mehr einheimische Butter auf den Markt kommen. International stiegen die Butterpreise in Folge des Ukraine-Kriegs auf Rekordniveau. Jetzt nach Ende des Weihnachtsgeschäfts sinkt auch der Fettpreis an den Börsen.
Käseexport harzt
Ein wichtiges Ventil der Schweizer Milchwirtschaft, der Käseexport, hat heuer deutlich an Boden verloren. Die Konsumenten sparen wegen der Teuerung insbesondere auch bei Lebensmitteln, und das bekommt auch der Schweizer Käse zu spüren. 4874 Tonnen wurden heuer von Januar bis Oktober weniger exportiert als in der gleichen Zeitspanne des Vorjahres.

