«Gut», antworten Auktionator Andreas Aebi und die beiden Marktorganisatoren Urs Buri und Bernhard Ryser wie aus einem Mund auf die Frage, wie die Auktion gelaufen sei. «Überraschend gut für die derzeitige Situation auf dem Milchmarkt», ergänzt Urs Buri. «Wir waren im Vorfeld nervös, weil wir von anderen Plätzen wussten, dass der Nutzviehhandel stockt.» Doch die Aussteller an der Januar-Auktion im bernischen Burgdorf vom 15. Januar wussten dem zögerlichen Handel mit einer enromen Qualität an Tieren entgegenzuwirken.
Sehr starke Qualität auf dem Platz
«Ich bin hierher gekommen und wollte mal schauen, wie es läuft. Jetzt habe ich zwei Kühe gekauft, weil die Qualität für diese Preise super ist», bestätigte auch ein Käufer. 88 vielfach sehr frisch gekalbte Kühe standen im Ring zum Verkauf – davon konnte Andreas Aebi 74 Stück an den Mann bringen. Der durchschnittliche Preis lag bei 3470 Franken. Im Angebot waren auch auffallend viele sehr starke rote Kühe, die meisten Tiere brachten viel Milch auf den Platz, viele auch interessante Abstammungen, die wirtschaftliche Kühe versprechen. «Es sind heute super Kühe hier, an denen stimmt alles», betonte auch Urs Buri immer wieder bei der Vorstellung der Verkaufstiere. «Exterieur, Milch, Gehalte, tiefe Zellzahlen und ein super Charakter. An diesem Tier stimmt alles», konnte er vielfach ankündigen.
«Fast wie in Bulle oder in Madison»
Ganz besonders traf dies auf die Katalognummer 51 zu, die mit stolz erhobenem Kopf in den Ring schritt. «Das ist fast wie in Bulle oder Madison», betonte auch Andreas Aebi, bevor er die Gebote für «Piller Armagedon Dixie» entgegennahm. Frisch gekalbt in dritter Laktation, mit 40 kg Tagesmilch, stand sie in Topform und mit einem bestechenden Exterieur im Ring und wechselte schlussendlich für 5100 Franken den Besitzer. Der Verkäufer, Piller Holstein aus La Roche FR, wurde vom Publikum gar mit einem Applaus für diese herausragende Kuh bedacht.
Zeit, um sich von schlechten Kühen zu trennen
«Ich glaube, heute haben einige die Gelegenheit genutzt und eine Kuh gekauft, auch wenn sie nicht unbedingt eine gebraucht hätten», bilanzierte Urs Buri nach der Auktion. «Die sehr guten Schlachtviehpreise helfen im Moment, dass man diejenigen Kühe ausmerzen kann, die einen Fehler haben.» Und sicher habe man auch Glück mit dem milden Wetter, dass so viele Besucher kamen und entsprechend in Kauflaune waren: «An Wintertagen, wo zu Hause der Stall gefroren ist, und man froh sein muss, wenn die eigenen Tiere nicht vergritten, kauft man lieber keine Kuh», analysierte Buri das Kaufverhalten.
Hat das Wetter der Auktion in Schüpbach geschadet?
Dieses Schicksal ereilte die Auktion im bernischen Schüpbach anfangs Januar. Der dortige Marktchef Rolf Bürki ist ebenfalls erleichtert, dass es in Burgdorf wieder besser lief mit dem Nutzviehhandel als bei ihm in Schüpbach. Er führt den schlechten Verkauf vergangene Woche ebenfalls zum Teil auf das damals eisige Wetter zurück: «Viele hatten zu Hause einen gefrorenen Stall und konnten entweder nicht weg oder kauften dann sicher nicht noch eine neue Kuh», begründet er, warum dort von 102 Tieren nur 77 Prozent verkauft werden konnten. So galten dort die Kühe im Schnitt nur 3218 Franken.
Emmentaler Züchter zeigen sich zuversichtlich
Den Emmentaler Züchtern war die Erleichterung deutlich anzumerken, als es diese Woche in Burgdorf wieder besser lief. «Und in ein paar Monaten werden Kühe, wie man sie heute hier kaufen kann, deutlich teurer sein», betonte Urs Buri und zeigte sich somit zuversichtlich, was den Nutzviehmarkt angeht. Spätestens, wenn auf den Wiesen wieder das Gras steht, und im Milchmarkt hoffentlich Ruhe eingekehrt sein wird. Denn, da zeigten sich viele Milchbauern an dieser Abendauktion einig: Die Schweiz hat nicht zu viele Kühe, sondern sie sind saisonal falsch verteilt.

