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Gute Preise für Mastkälber sind kein Garant für einen Mehrerlös

Die teuren Tränker stellen für die Kälbermäster seit zwei Jahren ein Dauerthema dar und beschäftigen die Branche stark. Sie waren auch Thema an der Delegiertenversammlung von vergangener Woche.

Marcel Dettling, Präsident des Schweizer Kälbermäster-Verbandes (SKMV), thematisierte an der 70. DV vom 7. April 2022 in Schönengrund die Auswirkungen der Covid-19-Massnahmen. Aufgrund der wochenlangen Schliessungen der Gastrobetriebe füllten sich bei den Mästern die Ställe. Der SKMV bat die Verarbeiter, dass sie die schweren Tiere abnehmen, und dieses ohne Abzüge. Anfang Januar 2021, früher als in «normalen Jahren», reichte der SKMV bei der Proviande ein Gesuch zur Einlagerung ein. Die Proviande hat, mit Zustimmung des BLW, eine freiwillige Einlagerung beschlossen, die vom 27. Januar bis zum 5. März 2021 anhielt. Somit standen zu diesem Zeitpunkt drei Millionen an Bundesgeldern für diese Aktion zur Verfügung.

Im Frühjahr 2022 sieht die Situation völlig anders aus: Es ist keine Einlagerung nötig, denn Kalbfleisch wird rege nachgefragt. Dettling sagte, er werte diese Signale auf Konsumseite als positiv. Somit stünden die Zeichen der Ernährungstrends nicht nur auf vegan oder vegetarisch. Er meinte, wenn aktuell der Markt funktioniere, brauche es auch keine Marktentlastungsmassnahmen. Die für diese Massnahmen vorgesehenen drei Millionen würden aber auch bei Nichtbeanspruchung erhalten bleiben.

Nutztierpraktiker sind «mit im Boot»

Wenn das Geld nicht gebraucht und demzufolge 2022 nicht beansprucht wird, kommuniziere die Branche auch nach aussen, dass sie bereit ist, ihre politische Verantwortung zu übernehmen. Damit werde auch den Gegnern der Branche, welche laufend Initiativen wie z. B. die MTI lancieren, «der Wind etwas aus den Segeln genommen».

Den SKMV beschäftigten die Trinkwasser- und Pestizid-Initiativen vom letzten Juni sehr stark. Es sei dabei stets schwierig, angemessen und ausgewogen zu argumentieren, so Dettling. Die grosse Mehrheit des Stimmvolks kenne nicht andeutungsweise die komplexen Abläufe, Herausforderungen und Probleme auf den Höfen. So reduziere sich der Diskurs in den Medien oft auf wenige und emotionale Schlagworte und Bilder.

Die einzige Antwort könne nur sein, die Konsumenten immer wieder im Alltag an die Landwirtschaft und die Nutztierhaltung heranzuführen, um weltfremde, und der gemeinsamen Sache nicht dienliche, überzogene Forderungen abzuwehren. Die Nutztierpraktiker sind dabei immer mit im Boot, denn Tierwohl und Tiergesundheit sind ein gemeinsames Anliegen von Landwirten und Tierärzten. Die neu gegründete Nutztiergesundheit Schweiz (NTGS) orientiert sich an diesem Leitgedanken und wird sich künftig für alle Aspekte der Rindergesundheit einsetzen. Der angemessene Einsatz von Antibiotika bleibe ein «Dauerauftrag».

Lage auf dem Tränkermarkt spitzt sich zu

Jene Kreise, welche die Branche regelmässig kritisieren, würden es aber sicher nicht akzeptieren und öffentlich intervenieren, wenn kranke Tiere nicht behandelt werden und leiden, so Dettling. Als eine der «Baustellen» des SKMV bezeichnete er die Forderung nach einem einheitlichen Tränkerpreis. Die zwei verschiedenen publizierten Preise führten immer wieder zu Verwirrung. Der SKMV hat dazu etliche Gespräche mit verschiedenen Vertretern gesucht, jedoch war das Interesse nicht überall vorhanden um Änderungen vorzunehmen.

Gute Preise für schwerere Kälber bringen den Mästern keinen Mehrerlös, wenn die Tränkerkälber zu teuer sind. Diese sind seit Monaten auf einem rekordhohen Niveau. Dieses gehe zulasten der Mäster und es bestehe bis auf Weiteres keine Verbesserung der Situation. Aufgrund der Abnahme des Kuhbestandes und den zunehmenden Mast-Rassenbesamungen werde sich die Lage auf dem Tränkermarkt zuspitzen. Erstmals ist im Berichtsjahr 2021 die Zahl der geschlachteten Kälber unter 200‘000 gesunken: Der Selbstversorgungsgrad beim Kalbfleisch beträgt 97%.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit und ein Ehrenpräsident

Patrick Hotz, Geschäftsführer des SKMV informierte, dass der Verband künftig noch vermehrt Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Auf Anfrage erteilt der SKMV einen finanziellen Beitrag an Sektionen, die an Publikumsmessen oder Tierausstellungen teilnehmen (Suisse Tier, Bea, Viehausstellungen usw.). Die SKMV-Werbeblache kann für Ausstellungen ausgeliehen werden. Die Broschüre «Kalb» wird mit aktuellen Zahlen erneuert und eigne sich zum Auflegen (z. B. an Hofanlässen).

Hubert Gauderon, Veterinär aus Fribourg ist aus dem Vorstand des SKMV zurückgetreten. An seine Stelle wurde Jann Gehri, dipl. Ing. Agr. ETH, Msc aus Brugg gewählt. Zum Ehrenpräsidenten wurde Samuel Graber gewählt: Er war u. a. zwölf Jahre als Präsident des SKMV tätig.

Informationsoffensive läuft an

Sandra Helfenstein, Mediensprecherin beim SBV, informierte die Kälbermäster zur Massentierhaltungs-Initiative (MTI). Sie hob heraus, dass es wichtig sei, dass die Bäuerinnen und Bauern in der Kommunikation immer betonen, dass es sich hier um eine unnötige Initiative handelt. Denn die Tierbestände sinken generell, mit Ausnahme beim Geflügel. Die gleichen Leute, welche die Tierhaltung kritisieren, verkennen die Zusammenhänge und konsumieren vermehrt Poulets und Eier. Deshalb sei noch viel Aufklärungsarbeit und ein engagiertes, geschlossenes Auftreten seitens der Landwirtschaft gegen die MTI erforderlich.

Der SBV feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Jubiläum. Deshalb nimmt der SBV in diesem Jahr an allen Jahresversammlungen seiner Mitglieds-Organisationen teil und überreicht ein Geschenk mit Symbolkraft, einen Baum. Ein solches Baumgeschenk erhielt auch der SKMV.