Kaum ein Kanton in der Schweiz hat ihn nicht: den einen Unverpackt-Laden, der kleine regionale Produzent(innen) unterstützt, saisonales Angebot bietet und dabei auf möglichst viel Abfall- und Verpackungsmaterial verzichtet. Die Lädeli stehen nicht nur für plastikfreies Gemüse, sondern streben ein ganzheitlich nachhaltiges Gesamtpaket an. Ressourcen sollen geschont, ausschliesslich Produkte in Bio-Qualität verkauft und faire Arbeitsbedingungen unterstützt werden.
Verdiente Wertschätzung
Was nach Illusion, einem Ding der Unmöglichkeit klingt, wird tatsächlich gelebt und immer besser umgesetzt. Wir erfreuen uns an Produzent(innen) und Lieferant(innen), welche ihre Produkte, Gebinde und den Transport nach und nach umweltfreundlicher gestalten. Wir bezahlen den Einkaufspreis, der für eine angemessene Entlöhnung in der Produktion notwendig ist.
Tauchen Skepsis gegenüber den Preisen auf, wird aufgeklärt: Dieser Betrieb wird von einer kleinen Familie gestemmt, mit zwei Kindern, der Vater arbeitet zusätzlich zum Hofbetrieb noch in anderen Gewerben, um die Familie zu ernähren. Und siehe da: Wo Skepsis war, taucht Verständnis auf und die Pasta aus Bündner Getreide hat ihre verdiente Wertschätzung bekommen.
Teurer, aber umweltfreundlich produziert
Wir sind eine Alternative. Bei uns gibt es keine 10'000 Artikel und auch keine Konkurrenz für unsere Lieferant(innen). In Unverpackt-Läden werden den Konsument(innen) einige Entscheidungen abgenommen. Hier werden nicht fünf verschiedene Haferflocken-Packungen nach dem Ursprungsland umgedreht. Entweder sind sie aus der Schweiz oder sie stehen gar nicht erst im Regal. So kommt es vor, dass jemand plötzlich die Dinkelflocken auch ganz gut findet und ganz einfach etwas Neues entdeckt hat.
Unsere Lädeli sind nicht einfach nur aus Freude an den Produkten hier – wir sind Aufklärungsversuch. Wir wollen den Menschen zeigen, dass die wenigen Prozente ihres Lohnes für Lebensmittel viel zu wenig sind, dass Schweizer Produkte in Bio-Qualität, mit umweltfreundlichem Drumherum, nun einmal ihren Preis haben – und das nicht, weil jemand Profit schlagen will, sondern weil am anderen Ende des Produktes eben Menschen stehen. Unsere Nahrungsmittel bilden die Basis – ohne sie können wir nicht leben. Haben sie demnach nicht den entsprechenden Wert verdient?
Ein Versuch, neue Wege aufzuzeigen
Wir versuchen neue Wege aufzuzeigen. Vor etwa drei Jahren hat der erste Unverpackt-Laden in der Deutschschweiz eröffnet und es trifft nun ein, was wir alle uns gewünscht haben. Grosshändler ziehen mit und versuchen sich auf dem abfallfreien Weg. Pilotversuche in ersten Filialen bieten einer grösseren Kundschaft unverpackte Produkte an. Was uns besonders erfreut: Die Produkte sind in Bio-Qualität und somit ist klar, dass hier jemand weiter gedacht hat.
Möge die Zukunft den wahren Wert unserer Lebensmittel zeigen, deren umweltschonende Produktion im Vordergrund stehen und eine faire Entlöhnung für deren leidenschaftliche Produzent(innen) bringen.
Zur Autorin
Natacha Espirito Santoist Co-Geschäftsführerin des ersten Unverpackt-Ladens in Graubünden,dem «oba aba ZeroWaste Ladencafé». Sie schreibt schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

