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Ganzenberg produziert seit vielen Jahren Emmentaler AOP in sehr guter Qualität

Die Berner Käserei Ganzenberg feiert heuer ihr 175-Jahre-Jubiläum. Das Geheimnis ihres guten Emmentalers sind erfahrene und engagierte Käsermeister, gute Milch und die Kaltbach-Höhlen.

Für ihren Emmentaler AOP ist die Käserei Ganzenberg, Rohrbachgraben, bekannt. Nun konnte die Käsereigenossenschaft heuer zwei Jubiläen feiern, vor 175 Jahren wurde die erste «Käshütte» brandversichert und vor 150 Jahren wurde der erste Neubau eines «Käshüttengebäudes» beschlossen. Infolge der Corona-Pandemie waren grosse Feierlichkeiten aber nicht möglich.

Für ein gutes Produkt braucht es erfahrene Hände und gute Milchqualität

Emmentaler AOP ist ein Premium-Produkt und überzeugt seine Geniesser stets mit seiner Top-Qualität. Dies ist auch engagierten, erfahrenen Käsermeistern zu verdanken. Jedes Jahr werden die zehn besten Emmentaler-AOP-Käsereien ausgezeichnet. Im Wintersemester 2019 erreichten über 77 Prozent der Emmentaler-AOP-Laibe eine absolute Spitzenqualität von 19 bis 20 der maximal möglichen 20 Taxationspunkte. Mit 19,75 Punkten ist die Käserei Ganzenberg, Rohrbachgraben, mit Andreas Schütz einmal mehr in den Top-Zehn. Ist auf der Emmentaler-AOP-Rinde die Käsereinummer 3063 zu finden, stammt das Produkt aus der Käserei Ganzenberg und wurde in den Kaltbach-Höhlen gereift. Für einen hervorragenden Käse braucht es auch eine gute Milchqualität.

Die Lieferanten sind:

Aktuell besteht die ­Käsereigenossenschaft Ganzenberg aus den zehn Milchlieferanten Fritz Flückiger, Ganzenberg, Rohrbachgraben; Andreas Leuenberger, Aebigrub, Walterswil; Betriebsgemeinschaft Peter Scheidegger, Grubenweid und Markus Weyermann, Luder, Rohrbachgraben; Markus Christen (Präsident), Aeschi, Ursenbach; Hans Spychiger, Weid, Walterswil; Stefan Hirschi, ­Ganzenberg, Rohrbachgraben; ­Roland Hess, Scheiteracker, Walterswil; Generationen-Gemeinschaft Reto Hirschi und Paul Hirschi, Flückigen, Rohrbachgraben; Christian Spichiger, obere Matten, Rohrbachgraben; sowie Urs Fuhrimann, Wald, Rohrbachgraben. Diese liefern zusammen pro Jahr rund 1,1 Mio kg silofreie Milch. Seit Herbst 1997 ist Käsermeister Andreas Schütz für die Produktion verantwortlich. Zuerst im Anstellungsverhältnis, seit 1. Januar 2020 als selbstständig erwerbender Käser.

Dem Ursprung des Käses auf der Spur

Wie es Mitte des 19. Jahrhunderts oft geschah, gründete man auch auf dem Ganzenberg eine «Käsgemeinde» und baute eine «Käs­hütte», die am «1. Jenner 1845» brandversichert wurde. Das Gebäude wurde in Walterswil als kleines, altes Wohnhaus gekauft und dann als Käserei aufgebaut. Am 10. Oktober 1870 wurde der erste Neubau eines «Käshüttengebäudes» beschlossen. Die Inbetriebnahme erfolgte am 4. Mai 1871. So kann die Käsereigenossenschaft heuer zwei markante, geschichtlich belegte Käserei-Jubiläen feiern. Dies geht aus einer Schrift hervor, welche Kathrin und Oskar Fiechter, Burgdorf, verfasst haben. Leider ist aber nicht mehr zu erforschen, wann die Käseproduktion auf dem Ganzenberg begonnen hat. Dies, weil das Protokollbuch Nr. 1 verschollen ist. In ihrer Schrift zeigen Kathrin und Oskar Fiechter ebenso die Geschichte von Käsereigründungen und des Käses auf. Dies unter anderem mit dem Roman von Jeremias Gotthelf «Die Käserei in der Vehfreude» (erschienen 1850), sowie Fakten aus «Geschichten des Kantons Bern» und «Historisches Lexikon der Schweiz».

Käse – essbares «Gold»

Bereits Jäger in der Steinzeit entdeckten im Magen der erbeuteten Wiederkäuer weissliche gallertartige Klumpen. Die Jungtiere hatten zuvor noch Muttermilch getrunken und in ihrem Magen fermentierte die Milch zu Labquark. Dessen Genuss war eine erste «Käseerfahrunge» der Vorfahren. Käse war früher nicht nur Hauptnahrung, sondern als Zahlungsmittel so gebräuchlich wie Geld. Handwerker- und Taglöhner, sowie die pfarrherrliche Besoldung, wurden «in Käs und Gelt» gezahlt. Früher wurde nur auf den Alpen Käse hergestellt. Unter anderem säumten die Sennen ihre Käselaibe über die Alpenpässe nach Italien und tauschten sie ein gegen Gewürze, Wein, Kastanien und Reis. Mit der Zeit wurde der Käsehändler als Bindeglied zwischen Senn und Käufer notwendig. Noch im 18. Jahrhundert brachte der Käsehändler, als Gegenwert für die erhandelten Käselaibe, Leinwand, Barchent, Kaffee und Tabak in Alphütten.

Eingang in Geschichtsbücher als erste Genossenschaft

Der Schlossherr Rudolf Emanuel von Effinger baute 1815 in Kiesen bei Thun eine Käserei, die als erste genossenschaftlich geführte Emmentaler Dorfkäserei im Tal ihren Betrieb aufnahm. Heute ist diese das Nationale Milchwirtschaftliche Museum. Über den Emmentaler aus den neuen Talkäsereien wurde in der Schweiz zuerst die Nase gerümpft. Im Jahr 1834 exportierte aber der Kanton Bern bereits 22 882 Zentner Käse. «Die grosse Zeit des Käses» war, als viele Bauern und Unternehmer von einem wahren Käsefieber, fast dem kalifornischen Goldrausch, befallen wurden. Viel hat sich in den Jahren verändert, geblieben ist der wertvolle, feine Emmentaler Käse.

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