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Die Profis vom Söhrenhof vermarkten direkt vom Wein bis zum Event

Ein Hof im Fricktal verkauft vieles selber. «Von allem, was wir produzieren, vermarkten wir», sagt Christine Amsler. Dank vieler Hände geht das trotz der vielen verschiedenen Betriebszweige gut.

Wenn man im Fricktaler Dorf Bözen in die Söhrentalstrasse abbiegt, fällt einem zuerst ein anderthalb Hektaren grosses Spargelfeld auf. Aha, denkt man, das muss zum Söhrenhof gehören, denn der Söhrenhof ist auch ein Spargelhof. Die Strasse führt am Feld vorbei zum Hof. Dort, kaum aus dem Auto gestiegen, kommt einem schwanzwedelnd das Begrüssungskomitee entgegen. Luna und Kira, so heissen die beiden Berner Sennenhunde, bellen und beissen nicht, sondern beginnen gleich mit dem Besucher zu schmusen.

Vielfalt im Feld und auf Hof

Bei der Begrüssung erklärt die Bäuerin Christine Amsler, das sei nicht immer so. «Nachts bewachen sie den Hof und verbellen lautstark jeden Besuch.» Amslers bewirtschaften einen vielseitigen Hof mit 40 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche. Einen Hof, der umfassender anbaut, kann man lange ­suchen. Es gibt folgende Betriebszweige:

  • 17 ha Acker mit Dinkel, Mais, Weizen, Raps und Luzerne
  • 11 ha Wiesen und Weiden
  • 7 ha ökologische Ausgleichsfläche
  • 1,3 ha Trauben, davon 80 Aren Pinot Noir, 12 Aren Chardonnay, 35 Aren Müller-Thurgau
  • 1,4 ha Obstanlage inklusive Bewässerungsteich
  • 1,5 ha Grünspargeln
  • 28 Milchkühe und 10 Rinder, 15 Aufzuchtkälber und Mastkälber
  • 2 Freibergerstuten mit Fohlen
  • 3 Ziegen
  • 14 Katzen
  • 2 Berner Sennenhunde
  • 12 000 Mastpoulets
  • 16 Bienenvölker

Das gibt viel Arbeit

«Von allem, was wir produzieren, vermarkten wir», erzählt die Bäuerin Christine Amsler im Hofladen inmitten der Verkaufsgestelle. Der Hofladen selber ist eingebettet in den hofeigenen Festsaal. Hier werden Gäste bewirtet, hinten sind ein blitzblanker chromblitzender Koch- und Verarbeitungsraum angegliedert sowie die Kühl- und Verarbeitungsräume. Im Hofladen wird von Konfi, Honig, Sirup, Würsten über getrocknete Zwetschgen, verschiedene Urdinkel-Kernottos und -Risottos, Wein sowie Destillate alles angeboten. In der Saison kommen auf dem Hof angebaute Früchte, Kürbisse und Spargeln dazu. «Unsere Kunden erwarten, dass unsere Produkte vom Hof stammen», weiss die fleissige Bäuerin.

Mit dem Wein fing es an

Der Söhrenhof-Bauer Hans Amsler erzählt, wie man auf dem Hof zur Direktvermarktung kam. Sein Vater, er heisst auch Hans, bemerkte in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts, dass der Absatz bei den damaligen Volg-Weinkellereien harzte. Deshalb liess er seine Trauben keltern und verkaufte seinen eigenen Wein selber. Allmählich erweiterte sich der Direktverkauf auf andere Produkte. Heute stehen zehn Sorten Wein und Traubensaft aus eigenen Trauben im Hofladen – unter vielem anderen.

Allerlei für Festivitäten

Als vor fast 30 Jahren der Brunch auf dem Bauernhof am 1. August ins Leben gerufen wurde, machten Amslers auch mit. Allmählich kamen weitere Events dazu, wie:

  • ein Poulet-Essen mit Poulets vom Hof,
  • ein Spargel- und Grillfest,
  • das Kürbis- und Weinfest,
  • der Weihnachtsguetzlimärkt vor Weihnachten

und daneben bewirten Amslers Gäste an Geburtstagen, Hochzeiten und so weiter.

Auf dem Söhrenhof wird viel gefestet. Leider machte das Coronavirus Amslers im laufenden Jahr einen Strich durch die ­Rechnung. «Schweren Herzens mussten wir wegen Corona alle grösseren Anlässe absagen», bedauert Christine Amsler. Nur ein paar Geburtstage und Hochzeiten im kleineren Rahmen hätten stattgefunden. Als Ersatz lief der ­Hofladen sehr gut. «Während der Spargel- und Kirschenzeit wurden wir regelrecht überrannt von den Kunden», erinnert sich Christine Amsler.

Fricktaler Glace vom Hof

Im Hofladen verkaufen Amslers seit fünf Jahren ihre «Fricktaler Glace». Sie ist eine naturreine Glace auf der Basis von Milch ihrer Kühe und sonnengereiften Früchten, entwickelt vor fünf Jahren von Junior Hanspeter Amsler. Unterdessen wird sie im Hofladen, in Coop-Filialen, in Landi- und Volg-Läden sowie in Restaurants und Verkaufsstellen in der Region verkauft.

Arbeit für ganz viele Hände

Hof, Acker, Fruchtanlagen, Hofladen und Gästebewirtung geben viel Arbeit. Die erledigen das Betriebsleiterpaar Christine und Hans Amsler und ihr Sohn Hans-peter Amsler. Er ist gelernter Koch und Landwirt EFZ. Auf dem Hof arbeiten zudem Praktikanten aus Brasilien, verschiedene Aushilfen, die Kinder Regula, Astrid und Martin sowie Freunde und Bekannte bei Bedarf. Seit dem Frühjahr springt zudem die Flight Attendant Rahel ein. Auch auf die Eltern von Hans – Hedi und Hans Amsler – kann man in der Not zählen.

Lehrtochter blieb samt Pferd

Hektisch wurde es kürzlich, als von einem Betrieb 132 Geschenkkörbe bestellt wurden. Aber auch dieser Grossauftrag wurde vom Söhrenhof fristgerecht erledigt «und daneben wurden die Trauben gelesen», erinnert sich Christine Amsler. Sie selber kam vor 38 Jahren als Lehrtochter hierher. Ihre Wahl fiel auf den Söhrenhof, weil sie ihre damalige Freibergerstute auf den Hof mitnehmen durfte. Sie blieb, erst als Lehrtochter, und dann als Frau von Hans Amsler. Und Freibergerstuten gibt es auch bis heute auf dem Söhrenhof. Hans Rüssli

Weitere Informationen:
www.soehrenhof.ch

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