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An der Nordwestschweizer Obstbautagung drehte sich alles um den Obstbau von morgen

Die Nordwestschweizer Obstbautagung war ein gelungener Anlass. Trotzdem stehen der Obstbranche grosse Veränderungen bevor.

«Es ist kaum zu glauben, dass die Nordwestschweizer Obstbautagung bereits zum 12. Mal stattfindet», wunderte sich Philipp Gut, Fachstelle Spezialkulturen am BZ Wallierhof. Er begrüsste eine grosse Schar von Teilnehmenden der regionalen Obstbau-Organisationen der Nordwestschweiz zu einer mit spannenden Themenreich befrachteten Zusammenkunft am Ebenrain. «Vor über zwölf Jahren haben die Baselbieter Obstproduzenten die Initiative ergriffen und ihre Nachbarkantone Aargau und Solothurn angefragt, ob man gemeinsam eine jährliche Obstbautagung organisiert werden könne. Diese waren einverstanden, und seither wird die Tagung jedes Jahr durchgeführt.» Jedes Mal sei ein anderer Kanton zuständig für die Organisation.

Ein Praktiker vor Ort

Stefan Ritter, Meisterlandwirt und Vizepräsident des Baselbieter Obstverbands (BOV,) mit einem 25-Hektaren-Betrieb in Buus, stellte seine Betriebszweige vor: Obst und Beeren, Milchwirtschaft, Ackerbau, Direktvermarktung. Er sprach über Anbausysteme und Abdeckungen, Düngung und Bewässerung. Gesamtbetrieblich sehe er beim Obst eine Sortenverringerung, beim Beerenanbau (Heidelbeeren, Erdbeeren) grössere Sortenblöcke vor. «Bei der Milch will ich noch mehr auf die Wirtschaftlichkeit setzten und dem ‹Bürotiger› mehr auf die Tatzen achten», sagt er. Das bedeute, weitere Vereinfachungen auf dem Betrieb und wenn nötig Unterstützung von aussen zu holen.

Der Präsident des Baselbieter Obstverbands BOV, Ernst Lüthi, freute sich über die grosse Schar an der Fachveranstaltung.
Der Präsident des Baselbieter Obstverbands BOV, Ernst Lüthi, freute sich über die grosse Schar an der Fachveranstaltung.

Eine Krankheit

Dennis Mernke vom landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Deutschland hielt einen Vortrag über «Pseudomonas – Bakterienkrankheit an Kirsche und Zwetschge» über Video. Er breitete aus, was bekannt sei über diese Krankheit und wie mit ihr umzugehen sei. Er zeigte die möglichen Eintrittspforten der Krankheit auf, wie beispielsweise Wunden, verursacht durch Astbruch, Frost, Hagel oder Schnitt. Er wies auf Faktoren hin, die die Krankheit begünstigen. Als eine wichtige Bekämpfungsmöglichkeit nannte er das Weisseln des Stamms, und zwar bis in die Krone hinauf, am besten vor dem ersten Frost.

Keine einfache Zukunft

Bei «Obsi» handle es sich nicht um eine neue Jassart, sondern um die Abkürzung von «Obstsortensichtung auf Praxisbetrieben», einem einheitlichen Sammeln von Sorteneigenschaften unter Produktionsbedingungen der Praxisbetriebe. Dies sei ein komplementäres Projekt zum Agroscope Steinobst-Sortenteam und soll die Praxistauglichkeit von neuen Sorten prüfen. Diesen neuen Austausch unter Betrieben stellte der Obstproduzent und Ackerbauer Beat Sprenger aus Wintersingen vor.

«Branchenlösung Nachhaltige Früchte: Was kommt auf die Obstproduzentinnen zu?», war der Titel des Vortrags von Edi Holliger, Leiter Innovation und Entwicklung, Schweizer Obstverband, der über Video an den Ebenrain zugeschaltet wurde. Es ging um den Aktionsplan des Bundes zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Er legte die Ausgangslage und die Ziele für die nationale Branchenlösung dar, die lauten: Nachhaltigkeit verbessern, gemeinsame und koordinierte Branchenlösung erarbeiten, faire Entschädigung für Mehrleistung definieren, gemeinsame Kommunikation über das Engagement in der Branche.

Nicht zur Unterhaltung

Nach dem Mittagessen, welches in einem Stehlunch am reich gedeckten Buffet der Baselbieter Apéro-Bäuerinnen bestand, traf immer mehr Prominenz ein. Es war offensichtlich: Der angekündigte Vortrag von Thomas Bucheli, Wetter- und Klimaexperte, warf an diesem sonnigen Tag lange Schatten voraus. Als wichtige Information schickte er voraus: «SRF-Meteo gehört zur Abteilung Info – und nicht zur Unterhaltung!» Der Fachmann erklärte, wie treffsichere Wetterprognosen entstehen, wie Klimaerwärmung und Wetterextreme auftauchen. Er ging zurück in die Zeit vor 1960, als Wetterprognosen ohne Wettersatelliten erstellt werden mussten. Er zeigte globale Wetterkarten, wo irgendwo klein Sissach zu lesen war. Er redete über den Kampf der Luftmassen, die Polarfront, den Jetstream und Rossby-Wellen.

Seine Ausführungen waren untermalt mit «verrückten» Darstellungen von Grosswetterlagekarten sowie Jahresmitteltemperaturen und Starkniederschlagsgrafiken. Eine Folie drängte die nächste. Es war trotzdem kein gehetztes Referat, sondern eine abwechslungsreiche einstündige Fortsetzungsgeschichte. Eben glaubte man noch, den Grund für die sommerlichen Trockenperioden verstanden zu haben, verlor man den Zusammenhang zu den Stark- und Extremniederschlägen. Das Thema Wetter und Klima beschäftigt bekanntlich die Bauernschaft. Das bewiesen auch die vielen Fragen, die nach dem Vortrag dem Referenten gestellt wurden.

Thomas Buchli vom SRF-Meteo, unterhielt während einer Stunde mit «treffsicheren» Wetterprognosen das Publikum.
Thomas Buchli vom SRF-Meteo, unterhielt während einer Stunde mit «treffsicheren» Wetterprognosen das Publikum.

Kritik ist nicht einfach

Stefan Klossner, ehemaliger Fifa-Fussballschiedsrichter, stellte in seinem Beitrag dar, wie Entscheidungen zu treffen seien und mit Kritik umgegangen werden könne. Am Ende eines langen Tages, prall gefüllt mit Informationen, hielt Ernst Lüthi, Präsident BOV, fest: «Es ist spürbar, dass diese Tagung weiterhin geschätzt wird. Nächstes Jahr wird sie vom Verband Aargauer Obstproduzenten VAOP in Eiken organisiert.»