Kurz & bündig
- Hans Bachofner ist leidenschaftlicher Porsche-Fan. - Deshalb wurde er als Porschehousi bekannt. - Er macht mehrtägige Oldtimerfahrten über Alpenpässe.
Bei Senioren sind Busreisen beliebt, zum Beispiel eine Rundreise durch die Schweiz. Hans Bachofner ist ebenfalls von Rundreisen begeistert. Allerdings nicht mit dem Bus, sondern mit dem Porsche-Traktor. «Mit meinen Kollegen reisen wir mit 18 bis 19 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, mehr geben die Oldtimer nicht her. Dabei überqueren wir Alpenpässe und geniessen die Freiheit», erzählt Hans Bachofner begeistert.
Bekannt ist Hans Bachofner aus dem freiburgischen Kleinbösingen FR als «Porschehousi». Der Anstoss für seinen Übernamen kam von den zeitweise elf Porsche-Traktoren in seinem Stall.
Von Kühen als Zugtiere zum Porsche
«Ich habe die gesamte Mechanisierung in der Landwirtschaft aktiv miterlebt», sagt der 85-jährige Porschehousi Hans Bachofner. Der Senior erfreut sich bester Gesundheit. Er geht jeden Tag mit viel Energie und Interesse an Menschen und an Technik durchs Leben. Zuletzt hat er den Bau einer Wasserstoffproduktionsanlage bei der Schiffenen-Staumauer täglich besucht und dokumentiert. Die Anlage liegt in seiner Nähe. Er pflegte beste Kontakte zu Ingenieuren und Monteuren und kennt die Funktionsweise in- und auswendig. Das ist Porschehousi: einer, den jeder mag.
Er hatte es jedoch nicht immer leicht. Als 16-Jähriger übernahm er in den 1950er-Jahren in der Kleinbauernfamilie viel Verantwortung. Sein Vater starb früh. Porschehousi erledigte fortan die Ackerarbeiten mit zwei bis drei Kühen als Zugtiere vor dem Pflug. Das ging drei Jahre so, dann war es möglich, einen Traktor zu kaufen.
Die Porsche-Leidenschaft begann 1959
Hans Bachofner war 19 Jahre alt, als der Porsche Junior 108 auf den Betrieb kam. Der Kleintraktor leistete mit einem Einzylindermotor 14 PS.
Der Traktor war für den Betrieb ein grosser Schritt und hat die Arbeit wesentlich erleichtert. Was man da noch nicht wusste: Für Hans Bachofner war dieser Schritt persönlich noch viel grösser, weil in diesem Moment auch seine Leidenschaft für Porsche-Traktoren begann.
«Die Marke Porsche hat mich von Anfang an fasziniert. Die Traktoren sind einfach und robust aufgebaut. Das war damals genau das Richtige für unseren Betrieb», sagt Bachofner.
Bereits der erste Porsche hatte eine Dreipunkthydraulik und eine Turbokupplung. «Ich konstruierte verschiedene Anbaugeräte. Aus alten Wagenreifen baute ich eine Egge, und eine Kartoffelsetzmaschine habe ich ebenfalls entwickelt. Mit all den weiteren Anbaugeräten konnte ich die Feldarbeit viel schneller erledigen als mit den Kühen.»
Mehr Schlagkraft auf dem Acker dank 25 PS
Der Kleinbauernhof der Familie Bachofner liegt unterhalb der Staumauer Schiffenen FR. Als diese 1960 bis 1964 gebaut wurde, verlor der Bauernhof viel Pachtland der Gemeinde. Hans Bachofner führte die restliche Betriebsfläche im Nebenerwerb und fand beim Kraftwerkbau Arbeit. Dort war er anschliessend sieben Jahre im Betriebsunterhalt tätig. Später war er bis zu seiner Pensionierung als Chauffeur für die Micarna in Courtepin FR unterwegs.
Weil Bachofner die Feldarbeiten im Nebenerwerb erledigte, musste es trotz reduzierter Betriebsfläche zügig gehen. Dazu war der Einzylindertraktor aus dem Jahr 1959 etwas zu schwach. Um die Schlagkraft zu erhöhen, ersteigerte Porschehousi 1963 einen Porsche Standard 218 mit Zweizylindermotor und 25 PS. Dieser hatte einen Hydrostop und konnte von aussen bedient werden.
Hydrostop
Hydrostop bedeutet, dass der Traktor über ein Gestänge von aussen gestoppt und wieder angefahren werden kann. Auch wird die Motordrehzahl dabei reduziert. Mit einem verlängerten Lenkrad kann der Traktor auch vom Boden aus gelenkt werden. Das ist durch die hydraulische Kupplung möglich, welche in Bremsstellung und bei reduzierter Motordrehzahl das Turbinenrad nicht in Bewegung bringen kann. Das System erleichterte die Bedienung, wenn der Traktor für Ladearbeiten genutzt wird und immer wieder anhalten muss.
Im Verlaufe der Jahre kamen dann immer weitere Traktoren in die Sammlung von Porschehousi.
«Die Traktoren haben mich einfach fasziniert. Zum Beispiel, weil alle Porsche-Motoren für die verschiedenen Modelle aus den gleichen Einzelteilen gefertigt wurden. Das erleichterte auch die Instandsetzung, wenn Teile am Motor ersetzt werden mussten.» Für die Motoreinspritzung gibt es eine Einzel- und eine Doppelpumpe. «Je nachdem, ob ein Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierzylindermotor verbaut wurde, wurden die Pumpen miteinander kombiniert.»

Das grösste Modell, das Porsche baute, war der Master mit Vierzylindermotor und 50 PS. So einen hat sich Porschehousi zu seinem 60. Geburtstag geleistet. «Das ist ein toller Traktor. Er hat eine Hydrokupplung und lässt sich besonders bequem fahren.»
Mit dem Porsche Master über den Gotthard
Für die grossen Rundreisen nimmt Porschehousi jeweils den Master. «Mit diesem Traktor habe ich in den letzten Jahren viele Alpenpässe in der Schweiz überquert.» Die Reisen macht er mit einer regionalen Gruppe der «Oldtimer Traktore-Buebe Campolino». «Auf unseren Reisen sind wir zum Beispiel schon dreimal auf der Tremola, der alten Passstrasse, vom Tessin her über den Gotthard gefahren. Dank der Turbokupplung muss ich dabei den Traktor gar nie schalten. Das ist das perfekte Getriebe für Alpenüberquerungen», sagt Hans Bachofner und lacht.
Die Fernfahrt nach Frauenfeld ruft nach mehr
Mit den grossen und mehrtägigen Traktorreisen hat Porschehousi erst vor etwa acht Jahren begonnen. Bis dahin besuchte er ab und zu ein Oldtimertreffen oder nahm an Festumzügen teil. An einen Umzug in Murten erinnert er sich besonders gern. Da waren all seine neun Porsches am Start. Gefahren wurden sie von seinen Kindern und Enkeln. Im Jahr 2018 fand in Frauenfeld ein grosses Traktorentreffen statt. Dabei standen Porsche-Traktoren im Vordergrund. Ein Kollege aus der Ostschweiz ermunterte Hans Bachofner, daran teilzunehmen. Er war begeistert und fuhr tags darauf mit einem Kollegen der Oldtimer-Gruppe morgens um vier Uhr los. Um 17 Uhr erreichten sie Frauenfeld.
Unterwegs landeten die beiden in Brugg AG beinahe auf einer Autostrasse. Mit etwas Geschick konnten sie die Strasse wechseln. Ein Passant habe nur gelacht und gemeint, dass dort öfter Traktoren falsch einspuren würden. «Wir haben viele Begegnungen unterwegs. Das ergibt Anekdoten, an die man sich immer mit Freude erinnern kann.»
Reisen werden am Computer geplant
Für die Rückfahrt von Frauenfeld ins Freiburgische haben sich die beiden «Traktörler» dann zwei Tage Zeit genommen. Aber das Feuer war entfacht und Porschehousi plante weitere Fernfahrten. Bei der nächsten Fahrt fuhren sie zu viert im Juli 2019 in vier Tagen über sieben Pässe. Darunter waren Susten, Gotthard, Nufenen, Grimsel. Ein Jahr später ging die Reise nach Kandersteg zum Bahnverlad, dann vom Wallis her über Furka- und Oberalppass nach Chur und zurück via Klausen- und Brünigpass. Die bisher grösste Reise fand 2022 statt und führte in sechs Tagen über acht Pässe und knapp 600 Kilometer. Auch im Jahr 2025 war die Truppe unterwegs: in vier Tagen via Kandersteg-Verlad ins Wallis und über Nufenen, Gotthard (Tremola) und Susten.
«Die Reisen plane ich am Computer mit Google Maps. So macht mir bereits die Planung einer Reise viel Spass. Wenn eine Reise geplant ist, fahre ich die Strecke vorher zusammen mit meiner Frau mit dem Auto ab. Dabei kläre ich letzte Unklarheiten wie beispielsweise die Übernachtungsmöglichkeiten. Mit dem Auto schaffe ich die Rekognoszierungsfahrt meistens in einem Tag.» Die Reisegruppe umfasst meistens fünf bis sieben Teilnehmer. Porschehousi fährt immer vorneweg und hat alles im Griff. Die anderen sind froh darüber, wenn sie ihm nur folgen müssen und er die Verantwortung übernimmt. «Man darf es nicht unterschätzen, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist. Da muss ich konzentriert sein und nicht nur die Route im Griff haben, sondern auch im Rückspiegel kontrollieren, ob noch alle dabei sind.»
Die meisten Autofahrer winken freudig
Wer mit 18 oder 19 km/h unterwegs ist, ärgert gestresste Autofahrer. «Es kann schon vorkommen, dass sich einmal einer über uns nervt. Aber wir haben viele positive Begegnungen, bei denen uns die Leute unterwegs zuwinken oder bei einem Halt mit uns ins Gespräch kommen.»
Im kommenden Jahr wollen Porschehousi und seine Kollegen vielleicht eine Reise an den Bodensee unternehmen. Ein Highlight der Oldtimerszene ist jeweils ein Treffen in Österreich mit einer Fahrt auf den Grossglockner. Das war auch bei den «Oldtimer Traktore-Buebe Campolino» ab und zu ein Thema.
Heute schliesst Hans Bachofner diese Reise von der Distanz her aus. Er will den Porsche nicht dorthin verladen und dann nur rauf- und wieder runterfahren, wie es zum Teil andere machen. «Für mich zählt eine Reise nur dann, wenn wir von zu Hause losfahren. Das Vertrauen für weitere Reisen habe ich in meinen Porsche. Er hat mich noch nie im Stich gelassen.»

