Ein regelmässiges, kostenloses Update mit Fehlerbehebungen und Funktionserweiterungen ist mittlerweile bei vielen technischen Geräten, wie zum Beispiel beim Smartphone, üblich. Auch für Traktoren sind Softwareupdates bereits selbstverständlich.
«Oft können Traktoren bis zu 10 Jahre nach dem Kauf noch mit neuen Software- und Hardwareoptionen nachgerüstet werden», sagt Roman Gambirasio, Technikverantwortlicher und Produktspezialist der GVS Agrar AG Schaffhausen, und präzisiert: «Gerade im Bereich der satellitengestützten Lenksysteme werden häufig neue Funktionen entwickelt, welche teilweise auch kostenlos sind.»
Neuerungen sind irgendwann nicht mehr wirtschaftlich
Kaufen Landwirtinnen und Landwirte einen Traktor einer noch jungen Serie, entsteht durch die Nachrüstlösungen per Update der positive Nebeneffekt, dass der Traktor auch noch in fünf Jahren topaktuell sein kann, erklärt Roman Gambirasio. Doch wann ist ein Traktor dann je fertig entwickelt?
«Läuft eine Baureihe aus, ist diese grundsätzlich am Ende ihrer vollständigen Entwicklung angelangt und es können nicht mehr viele Neuerungen erwartet werden», so Gambirasio. Die Zahl der noch laufenden Maschinen einer Baureihe nehme mit der Zeit ab, daher sei auch die Versorgung inklusive Ersatzteilverfügbarkeiten ab einem bestimmten Punkt nicht mehr wirtschaftlich. Andererseits werden Fahrzeuge in diesem Alter oft auch nicht mehr als Hauptfahrzeug im Fuhrpark verwendet, sagt der Experte.
Entwicklung läuft auch nach Produktionsende weiter
Die Weiterentwicklung läuft auch nach der Markteinführung einer Baureihe noch weiter, jedoch in viel geringerem Masse als davor. Solange eine Baureihe in Produktion ist, wird sie auch noch weiter perfektioniert, teilweise auch noch über das Produktionsende hinaus.
«Ein Technologieführer im oberen Preissegment wie Fendt investiert hier deutlich mehr Geld in die Weiterentwicklung als ein Hersteller vom Basissegment», ordnet Gambirasio ein. Seit Juni dieses Jahres bietet Fendt in diesem Zusammenhang die Nachrüstlösung «TMS Flex» an.
Fendt bietet Nachrüstungslösungen an
Das «Traktor-Management-System» (TMS) agiert dabei wie ein technischer Knotenpunkt zwischen Motor und Getriebe. Die Neuerung liegt demnach nicht in einer neuen Arbeitsfunktion, sondern in einer neuen Art, die Antriebstechnik zu bedienen. Fendt beschreibt das Update als bessere Kombination aus Fahrpedal und Fahrhebel: Mit beidem kann die Geschwindigkeit geregelt werden, das TMS‑System optimiert dabei die Motordrehzahl und die Getriebeübersetzung möglichst effizient.

Besagter Fahrhebel ist die für das Nachrüstpaket notwendige Hardware. Die kostenlose TMS-Software funktioniert nur in Kombination mit dem (nicht kostenlosen) Multifunktionsfahrhebel. Bei den ab Juli 2026 gebauten Modellen ist dieser bereits serienmässig verbaut. Nachgerüstet werden können bestimmte Generationen der 200er- bis 1000er-Baureihe. Die Nachrüstung kann laut Hersteller damit nicht nur für Grossbetriebe interessant sein, sondern auch für kleinere Betriebe, die mit einem kompatiblen 200er oder 300er arbeiten.
Marco Hutter, Verkaufsleiter Ostschweiz bei der GVS Agrar AG, gibt an, dass eine konkrete Preisangabe für das Nachrüstpaket seitens Fendt aktuell noch fehle. Die Nachrüstung kann LandwirtInnen jedoch schon seit Juni bei den lokalen Fendt-Händlern einbauen beziehungsweise aufspielen lassen. Eine Nachrüstung aus der Ferne sei nicht möglich, so Hutter.
Auch in Zukunft nur bei Fachhändlern möglich
«Weil es sich bei Traktoren, wie auch bei Autos, um Fahrzeuge handelt, die strassenverkehrstechnisch ein offizielles Prüf- und Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen, ist die korrekte Programmierung und Installation der Software klar sicherheitsrelevant», sagt Gambirasio.
Darum werde es auch in Zukunft nur zertifizierten und geschulten Fachhändlern möglich sein, die Fahrzeugsoftware zu verändern. «Dazu muss sich auch der Hersteller gegenüber dem Gesetzgeber verpflichten», stellt Roman Gambirasio klar.

