Kurz & bündig
- Der ideale Reifendruck unterscheidet sich für Strasse und Feld. - Durch den jeweils passenden Druck werden der Treibstoffverbrauch und der Verschleiss reduziert. - Mit einer RDA sind rasche Druckanpassungen möglich.
Eine Reifendruckregelanlage (RDA) macht den Traktor nicht leichter», stellt Andreas Marti klar. Das Maschinengewicht bleibt trotz vergrösserter Aufstandsfläche. Für die Bodenschonung ist also nicht nur die Technik, sondern auch das richtige Timing entscheidend. «Ich warte gute Bodenbedingungen ab, bevor ich rausfahre.»
Mit reduziertem Druck auf dem Feld mit rund 0,6 bar vergrössert sich die Aufstandsfläche. Das führt zu:
- Geringerer Spurbildung
- Weniger Schlupf
- Besserer Kraftübertragung
- Ruhigerem Fahrverhalten
Wie erwähnt vermeidet Marti trotz RDA Einsätze bei kritischer Bodenfeuchte.
Viel Strasse und viel Feld ohne Kompromiss
Der Betrieb von Andreas Marti umfasst neben Ackerbau auch kommunale Dienstleistungen wie Grüngut-Sammeltouren und Häckseldienste. Einer seiner mit RDA ausgerüsteten Traktoren, ein New Holland T6.180, leistet jährlich rund 1300 Betriebsstunden, davon etwa 80 Prozent auf der Strasse.
Eine reine Strassenbereifung kommt dennoch nicht infrage. Der Traktor wird regelmässig für Feldarbeiten eingesetzt. Die Standarddrücke sind für die Strasse 2 bar und für das Feld 0,6 bar.
Auf der Strasse sorgt der höhere Druck für spurtreues Fahrverhalten, geringeren Rollwiderstand, verminderte Lärmemissionen und höhere Sicherheit. Im Feld hingegen gilt mit tiefem Druck besondere Vorsicht beim Manövrieren. Durch die längere Aufstandsfläche kann es beim engen Wenden zum «Abdrücken» der Reifen kommen. Marti meidet deshalb enge Wendemanöver im Acker und nutzt wenn möglich die Strasse als Vorgewende, auch wenn diese danach gereinigt werden muss.

Die Erfahrung auf dem Feld überzeugte
Schon vor der Anschaffung der RDA experimentierte Andreas Marti mit reduziertem Luftdruck. In einem Fachgespräch mit einem Traktorpuller erhielt er den Hinweis, dass für optimale Traktion stets vier Reifenstollen Bodenkontakt haben sollten. Diesen Grundsatz setzt er seither konsequent um.
Ohne RDA bedeutet das allerdings, bei Ankunft auf dem Feld die Luft abzulassen oder mit reduzierter Geschwindigkeit auf der Strasse zu fahren. Für einen Betrieb mit häufigem Wechsel zwischen Strassen- und Feldeinsatz ist das keine Dauerlösung. Die Investition in die RDA war für Andreas Marti deshalb keine Frage.
Die Vorteile sind für Andreas Marti spürbar, mit tiefem Reifendruck segelt der Traktor quasi über das Feld und schluckt Unebenheiten. In vielen Untersuchungen konnten messbare Vorteile ermittelt werden.
Rechnet man mit weniger Spurbildung von nur einem Zentimeter, spart man dabei 10 Prozent Diesel. Dazu kommen eine schnellere Arbeitserledigung und weniger Reifenverschleiss.

Die Wirtschaftlichkeit bleibt im Fokus
Marti plant mit seinem Haupttraktor eine Lebensdauer von rund 14 000 Betriebsstunden. Die Investitionskosten der RDA von etwa 14 000 Franken (inkl. Zusatzkompressor) sollen sich über diese Laufzeit mit den Leistungsvorteilen amortisieren. Das entspricht einem notwendigen Vorteil von rund 1 Franken pro Betriebsstunde.
Diesen Betrag will er mit Diesel einsparen. Auch beim Reifenverschleiss hat er hohe Ambitionen und erwartet einen geringeren Verschleiss von einem Drittel. So will er einen ganzen Radsatz einsparen. Wenn man das noch vorhandene Stollenprofil des ersten Reifensatzes mit 5400 Betriebsstunden sieht, erscheint dies möglich. Damit kann er wesentlich zur Amortisation der Anlage beitragen.
Die positiven Effekte auf Bodenstruktur und Ertrag sind dabei noch gar nicht eingerechnet. «Man muss nicht immer alles auf den letzten Rappen genau berechnen. Es kommt auch auf das Gefühl an und darauf, was einem wichtig ist», sagt Marti zu seiner Haltung.
Technik wird über Isobus bedient
Beide Haupttraktoren wurden ab Werk mit einer RDA ausgerüstet. Die Montage wurde durch den Händler vorgenommen. Die Bedienung erfolgt via Isobus direkt aus der Kabine. Die Drehdurchführungen befinden sich aussen an den Radnaben mit Schlauch-leitungen über den Kotflügeln. Beim grösseren Traktor erfolgt die Versorgung der Hinterräder innen liegend. Da dieser mit weissem Nummernschild für gewerbliche Transporte eingelöst ist, darf die Gesamtbreite 2,55 Meter nicht überschreiten. Dies kann mit aussen verlegten Leitungen nicht eingehalten werden. Dank der Steckachse ist die Montage innen leicht möglich.

Eine Besonderheit bei Andreas Martis Traktoren ist der zusätzliche Luftkompressor, vorne links vor der Kabine montiert. Dieser wird hydraulisch betrieben, ist über Isobus gesteuert und hat eine viel höhere Förderleistung als der Bremskompressor.
Zusatzkompressor für schnelle Druckumstellung
Mit dem zusätzlichen Kompressor lassen sich die Reifen in 4 bis 5 Minuten von Feld- auf Strassendruck aufpumpen. Ohne Zusatzkompressor würde dieser Vorgang deutlich länger dauern. Beim häufigen Wechsel beim Ausbringen von Kompost oder Mist ist diese Geschwindigkeit entscheidend. Bei reinen Feldeinsätzen wäre die höhere Kompressorleistung weniger wichtig.

Technik nutzen und Haltung zeigen
Die Reifendruckregelanlage sieht Andreas Marti nicht als Freipass für schwere Bedingungen, sondern als Werkzeug für effizienteres und bodenschonenderes Arbeiten.
Mehr Traktion, weniger Schlupf, geringerer Dieselverbrauch und reduzierter Reifenverschleiss zählen für ihn. Die betriebliche Haltung bleibt jedoch wichtig beim nachhaltigen Bodenschutz. Dabei zählt nicht nur die Technik, sondern auch die Entscheide, wie man diese einsetzt.
Betriebsspiegel der Familie Marti
Sandra und Andreas Marti, Kallnach BE LN: 36 ha Kulturen: Ackergemüse, Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen Tierbestand: Pouletmast Weitere Betriebszweige: Kommunale Dienstleistungen mit Häckseldienst, Grüngutsammlung, Kompostieren Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar Sandra und Andreas Marti, 3 Festangestellte, saisonale Erntehelfer www.marti-haeckseldienst.ch
Bei den Kosten sind hohe Einsparungen möglich
Die Investition in eine Reifendruckregelanlage (RDA) ermöglicht einen günstigeren Betrieb des Traktors. Das zeigen Untersuchungen, wie sie beispielsweise Fendt kommuniziert. Für das Fendt Vario Grip, eine RDA ab Werk mit Achsdurchgang der Luftleitung, wurde ein Einheitsdruck für Feld und Strasse von 1,8 bar mit einem Felddruck von 0,8 bar verglichen. Bei diesem Vergleich sank der Dieselverbrauch bei der Feldarbeit um 8 Prozent. Da mit tieferem Reifendruck mehr Stollen in den Boden greifen, kann mehr Kraft übertragen werden. So verringern sich der Schlupf wie auch der Rollwiderstand, weil weniger tiefe Spuren gebildet werden (siehe Grafik oben). Das erhöht nicht nur den Wirkungsgrad des eingesetzten Treibstoffs, in derselben Zeit kann auch mehr Fläche bearbeitet werden, da der geringere Schlupf zu mehr Vorschub führt. Wie hoch die Einsparungen mit einer RDA sind, ist je nach Betrieb unterschiedlich und hängt von der Auslastung des Traktors ab. Der Nutzen einer RDA kann auch ohne Anlage getestet und der Reifendruck manuell abgesenkt werden.Quelle: Fendt

