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«Es ist gut, Muster zu hinterfragen», findet Stephan Kunz

Stephan und Christa Kunz vereinen auf ihrem Hof diverse Betriebszweige. Maschinen passen sie an die Bedürfnisse an.

Kartoffeln spielen auf dem Kunzhof in Münchringen BE eine Hauptrolle und sind verantwortlich dafür, dass im Winter ab und zu ein frischer Pfefferminzduft über den Platz weht. Er stammt aus dem Kühllager, in dem jährlich bis zu 600 t Speisekartoffeln Platz finden – zwei Drittel davon stammen von den eigenen 12 ha Anbaufläche. «Wir setzen einen Keimhemmer auf Minzebasis ein», erklärt Stephan Kunz.

Paloxen einlagern statt wegführen

Das Kühllager für Speisekartoffeln in Zusammenarbeit mit Innoverde biete eine gute Wertschöpfung, fährt der Landwirt fort. «Ausserdem müssen wir abends an Erntetagen nicht noch die Paloxen wegführen.» Als gelernter Zimmermann hat Stephan Kunz den Bau grösstenteils selbst ausgeführt. Einen Teil der Knollen verkauft die Familie im Selbstbedienungshofladen, der dank Twint-Bezahlung an Attraktivität gewonnen hat. «Man muss die Kartoffeln aber eine Weile abduften lassen», rät Christa Kunz schmunzelnd. Der Keimhemmer verbreite nicht nur rund ums Lager gelegentlich Zahnpasta-Aroma, sondern habe mitunter schon für «After-Eight-Gschwellti» gesorgt, wie die Agronomin in Anspielung auf die britische Süssigkeit mit Pfefferminzgeschmack erzählt.

Über die Jahre und Generationen sind auf dem Kunzhof diverse Betriebszweige dazugekommen. Ursprünglich führte die Familie einen klassischen Ackerbaubetrieb mit Milchwirtschaft. «Aber weder ich noch mein Vater haben wahnsinnig gern gemolken», erinnert sich Stephan Kunz. Als grosser Maschinenfan habe er sich in jungen Jahren immer weiter von den Tieren entfernt und schliesslich auf einem reinen Ackerbaubetrieb mit 4500 ha in Kanada gearbeitet. Dort habe er viel Verantwortung übernehmen dürfen, einiges über Landtechnik gelernt und Selbstvertrauen gewonnen.

Aber: «Wieder zu Hause, bin ich zuerst in den Stall gegangen», so Kunz. Ohne Tiere könne er sich seinen Hof nicht vorstellen – da würde ein Zahnrad fehlen, so sein Fazit. Auch aufgrund der Rückenprobleme seines Vaters fiel die Wahl vor rund 20 Jahren dann auf die Kälbermast. «Das war für uns eine gute Ergänzung: Im Stall waren wenig Investitionen nötig, die Arbeitszeiten sind flexibler und die 100 Mastkälber liefern Mist für die Felder», beschreibt der Landwirt.

Die zwei grossen Traktoren hat Stephan Kunz mit RTK-GPS und Reifendruckanlage aufgerüstet.
Die zwei grossen Traktoren hat Stephan Kunz mit RTK-GPS und Reifendruckanlage aufgerüstet.

Schalter auf die andere Seite

In der intensiven Erntezeit ab Mitte August unterstützen zusätzlich zwei Polinnen beim Kartoffelgraben, Stephan Kunz’ Vater ist zuverlässiger Fahrer. Der neue Ropa Keiler bringe mehr Schlagkraft und einige Vorteile gegenüber dem vorherigen Samro, erzählt Stephan Kunz. Als Landtechnik-Fan hat er die Maschine mit einer zusätzlichen Box für grosse Steine ergänzt, die sich per hydraulischer Falltür in die Kippschaufel leeren lässt. Ausserdem hat er das Sonnendach verlängert und die Bedienungsknöpfe auf die andere Seite des Sortierbands versetzt. «Sonst musste ich immer diktieren, was zu drücken ist.» Ein weiterer Vorteil des Ropa: Er lässt sich einfach und schnell umrüsten, um damit auch die Zwiebeln zu ernten.

«Es ist gut, Muster zu hinterfragen», findet Stephan Kunz



Verbesserungen haben auch die drei Fendt-Traktoren auf dem Kunzhof erfahren; die zwei grossen Schlepper sind mit RTK-GPS und einer Reifenregeldruckanlage aufgerüstet worden. Ein Düngerstreuer und eine Feldspritze mit Section Control gehören ebenso zum Maschinenpark. «Wir haben auch vorher alle Ecken erwischt – aber vielleicht mit grösserem Mittelaufwand», beschreibt Stephan Kunz.

Er versucht, an den kleinen Schrauben zu drehen. Grosse Umbrüche in der Bewirtschaftungsweise der Felder habe es über die Jahre nicht gegeben, aber immer mal wieder Versuche, meint Stephan Kunz. Er pflügt seltener als auch schon, stattdessen kommen gemietete Geräte aus der Region zum Einsatz. «Eine gewisse Betriebsblindheit hat man zwangsläufig», sagt Stephan Kunz, «aber es ist gut, bestehende Muster zu hinterfragen.» Dazu trägt manchmal auch die 30-Prozent-Anstellung seiner Frau an der HAFL bei, wo sie als Assistentin in verschiedenen Projekten arbeitet. «Das geht aber in beide Richtungen», sagt sie, denn Erfahrungen aus ihrer Arbeit auf dem Betrieb flössen ebenso in ihre wissenschaftliche Tätigkeit ein. Einer Arbeit auswärts nachzugehen, das funktioniere dank guter Vor- und Nachorganisation des Familienalltags, meint Stephan Kunz anerkennend. «Und dank der Unterstützung durch die Grossmütter.»

Pioniere mit Fernwärme

Die ältere Generation hat vor 18 Jahren einen Wärmeverbund mit Hackschnitzelheizung im zuvor jahrelang leer stehenden Schweinestall aufgebaut. Damals sei noch Pionierarbeit zu leisten gewesen, da solche Heizsysteme nicht annähernd so bekannt waren wie heute. Die Anlage ist dank Abgasfilter sowie Wärme-Rückgewinnung (Rauchgas-Waschanlage) modern und bringt – im Gegensatz zum Ackerbau – wie auch das Kartoffellager mehr Arbeit im Winter als während der warmen Monate.

Vor einem Jahr wurde die langjährige Generationengemeinschaft mit seinem Vater aufgelöst und Stephan Kunz hat den Betrieb übernommen. «Er bleibt unser goldener Joker und hilft mir neben Manpower auch mit seinem Erfahrungsschatz», betont der Betriebsleiter. Für die Zukunft fassen er und seine Frau eine Veränderung im Stall ins Auge. «In der Mast hat man wenig Beziehung zu den Tieren», gibt Christa Kunz zu bedenken, «und es würde uns mehr entsprechen, wenn sie raus könnten.»

Es geht aber auch um den Ackerbau, fährt Stephan Kunz fort. Aktuell bewirtschaftet er seine Felder intensiv und hat zwar, wo immer möglich, Gründüngungen, aber keine Kunstwiese in der Fruchtfolge. Seine Böden hätten zwar eine gute Schicht Wurmerde und die Erträge seien auf gutem Niveau, erklärt der Landwirt. «Aber ich habe das Gefühl, das Ganze etwas zu beruhigen, wäre nicht schlecht.» Nicht zuletzt sei der Kälbermist wenig nährstoffreich, weshalb Kunz mit Gülle und Biogasdünger aus der Region ergänzt. «Wegen der heiklen zeitlichen Verfügbarkeit düngen wir die Kartoffeln mineralisch.»

Es gibt Pläne

«Fell soll es haben, nicht Federn oder Borsten», sagt Stephan Kunz zu den Tieren, die er in Zukunft halten will. Mehr verrät er nicht. Wenn seine Eltern künftig kürzertreten, denkt er auch über Anpassungen im Ackerbau nach. Pläne dafür gibt es. «Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt», sagt der Landwirt lächelnd – «und drittens so, wie es muss.»

Betriebsspiegel Kunzhof

LN 51 ha Kulturen 12 ha Kartoffeln, 3,5 ha Lagerzwiebeln, 11 ha Weizen (davon 7 ha Saatweizen), 8,5 ha Raps, 4,5 ha Zuckerrüben, 3,5 ha Pfälzerrüebli, QI-Ökowiesen (gibt Heu für die Pensionspferde), 1,5–2 ha Silomais als Abtauschfläche mit dem Nachbarn für mehr Kartoffelfläche, 8,5 ha Wald Tiere 100 Gefu-Mastkälber, 60 Legehennen (Hofladen und Eigenbedarf), 3 Pensionspferde (Eigenversorgerstall), 2 Alpakas, 2 Katzen, Hofhund Ringo Arbeitskräfte Betriebsleiterpaar, Grosseltern, Lehrling, im Herbst zwei Angestellte für die Kartoffel- und Zwiebelernte sowie Aushilfen im Stundenlohn Weiteres Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung (74 Liegenschaften angeschlossen), Solaranlage, Kartoffelkühllager, etwas Lohn- und Transportarbeiten

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