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Vom Anbinde- in den Roboterstall: «Ein Unterschied wie Tag und Nacht»

Erika und Othmar Inglin aus Rothenthurm SZ sind mit einem Umbau direkt vom Anbinde- in den Roboterstall umgestiegen. Das hat sich bis anhin gut bewährt.

Das lautstarke «Nein!» kommt von beiden praktisch gleichzeitig. Nein, Erika und Othmar Inglin vermissen das Melken nicht. Nicht dass sie mit der Milchproduktion aufgehört hätten, aber vor knapp einem Jahr hat ein Melkroboter den Job übernommen. Von der Arbeitsbelastung her sei das «ein Unterschied wie Tag und Nacht», sagt der Landwirt aus Rothenthurm.

«Keiner kniet so viel ab»

Bis im August 2020 haben Inglins gegen 50 Kühe im Anbindestall gemolken. Die Arbeit hat sich das Ehepaar aufgeteilt, beide haben gerne gemolken, aber Gesundheitsprobleme von Erika und der wachsende Lohnbetrieb haben die Familie nach einer weniger arbeitsintensiven Lösung suchen lassen.

Othmar hat einen kleinen Witz auf Lager, um die vorherige Situation zu beschreiben. Der örtliche katholische Pfarrer habe sich kürzlich bei ihm beklagt, dass man ihn selten in der Kirche sehe, erzählt er schmunzelnd, dann habe er diesem geantwortet, das stimme schon «aber so oft wie ich kniet keiner ab». Das stimmt wohl: Wer 50 Kühe mit Aggregaten melkt, geht nicht weniger als 200 mal täglich in die Knie. Nun ist das anders.

Nur die besten Kühe behalten

Mitten im neu gebauten Stallteil steht der Lely Astronaut und die Kühe benutzen diesen, als stünde er schon jahrelang da. Dabei wurde er erst im

vergangenen Dezember in Betrieb genommen. Bei der relativ problemlosen Umstellung hat sicher geholfen, dass Inglins den bestehenden Kuhbestand vor dem Umbau zu drei Vierteln schlachten liessen.

«Wir haben nur die besten behalten», sagt der Betriebsinhaber. Bei diesen Schlachtviehpreisen sei der Weg zur Schlachtbank mindestens so lukrativ wie der Verkauf als Nutzvieh, zudem habe man keinerlei Diskussionen mit neuen Besitzern.

Ersetzt wurden die abgegangenen Kühe grossteils durch Tiere mit Robotererfahrung. Die anderen liessen sich auch dank Unterstützung des Lely-Beraters recht schnell ans neue System gewöhnen.

Klar weniger Zellen

Lars Lischer vom Lely-Center Härkingen ist auch heute auf dem Betrieb zugegen. Er und Othmar Inglin diskutieren über Details der neuen Einrichtung, offenbar sind sie ein eingespieltes Team und beide zufrieden mit dem Ergebnis, wobei natürlich immer noch kleine Prob-leme zu beheben sind, zumBeispiel die Rutschigkeit des Auslaufs bei starkem Regenfall.

Im Übrigen verlief der direkte Sprung vom Anbinde- in den Roboterstall aber ohne grosse Friktionen, dasselbe gilt für die Einführung des Fütterungsroboters Juno, der den Kühen unermüdlich Grassilage zuschiebt und den Entmistungsroboter Discovery, der die Laufflächen absaugt und in einen Abwurfschachtentleert. Beide Geräte werden von den Kühen als zuverlässige Knechte akzeptiert.

Jeder Viertel mit anderer Dauer

Die Ergebnisse bezeichnet Othmar Inglin als durchgehend gut. Beim Robotermelken ist ihm positiv aufgefallen, dass die Viertel sehr unterschiedlich lang gemolken werden: «Zwischen dem Abhängen des ersten und des letzten Zitzenbechers vergehen manchmal zweieinhalb Minuten», so der Landwirt.

Die Zellzahlen hätten mit dem ausgewechselten Melksystem von über 150 000 auf durchschnittlich unter 100 000 abgenommen und die Klauengesundheit sei zufriedenstellend. Er habe seit Dezember einen einzigen Fall von Mortellaro gehabt, berichtet er von seinen ersten Erfahrungen.

Keine Spaltenböden

Was er festgestellt hat, ist eine stärkere Verschmutzung der Tiere, da die Laufflächen im alten Stallteil nicht mit Spaltenböden versehen sind. Der Aufwand zur Untergrabung des gesamten Gebäudes wäre sehr teuer zu stehen gekommen. Billig war der Umbau auch ohne diese Massnahme nicht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 900 000 Franken, wobei ein kleinerer Teil davon mit einem Investitionskredit des Kantons Schwyz finanziert werden konnte.

Mehr Zeit für die Lohnarbeit

Für Inglins rechnet sich die resultierende Arbeitsentlastung aber nicht zuletzt deshalb, weil nun mehr Zeit bleibt für das erwähnte Lohnunternehmen und das ebenfalls wichtige Standbein Pensionspferdehaltung. Othmar Inglin ist mit seinem Maschinenpark unterstützt von Erika Inglin unterwegs zum Ballenpressen, Güllen und Mistzetten. Der Pensionsstall − das Steckenpferd von Erika Inglin − beherbergt im Moment neben vier eigenen Pferden deren dreizehn eingemietete Tiere. Für die Mieter stehen auch eine Führanlage, ein Dressurviereck und einiges an Aussenanlagen zur Verfügung.

Wenn nötig mit dem Rollator

Mit dem Umbau sind für Familie Inglin nun markante Erleichterungen eingetreten. Einerseits sei der Betrieb nun so eingerichtet, dass man ihn dereinst mit gutem Gewissen an Tochter Jessica weitergeben könnte. Die 13-jährige sagt, sie könne sich eine spätere Übernahme durchaus vorstellen.

Ob es dann tatsächlich soweit kommt, ist natürlich noch offen. Aber für Othmar Inglin ist bereits eines klar: «Ich bin nun so aufgestellt, dass ich bei Bedarf auch mit dem Rollator weiterbauern kann».

Vier Betriebe empfangen Besuch

Am Samstag, 28. August findet auf vier Roboter-Betrieben ab 10 Uhr ein Lely-Praxis-Samstag statt: Andreas und Philipp Eisenhut, Oberegg AI, Eveline und Fritz Lütolf, Bischofszell TG, Erika und Othmar Inglin, Rothenturm SZ sowie BG Wyss und Bernhard, Worb BE. Man kann spontan vorbeigehen oder sich via untenstehende Adresse anmelden. Weitere Infos und Anmeldung hier.

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