Am 1. September beginnt bereits der Herbst – zumindest nach dem Meteo-Kalender. Der meteorologische Herbstanfang ist zwar eher bürokratischerNatur, für die physikalischen Prozesse ist der astronomische Herbstbeginn am 23. Sep-tember deutlich wichtiger. Dennoch wird bereits klar, dass die Tage kürzer werden und wir uns der kälteren Jahreszeit nähern. Kann man nach der vielerorts nassen Sommerbilanz bereits Schlüsse oder Prognosen für den Herbst ableiten?
Das Wetter hat kein Gedächtnis
In der Meteorologie gilt der Grundsatz: Das Wetter hat kein Gedächtnis. Das bedeutet, dass es nicht möglich ist, aus dem vergangenen Wetter zuverlässig das zukünftige Wetter herzuleiten. Es gibt zwar einige Regeln oder Witterungsregelfälle, wie die Siebenschläferregel oder das Weihnachtstauwetter, die in unseren Breiten eine relativ gute Trefferquote haben. Diese haben jedoch nicht direkt mit dem Kalender oder dem vergangenen Wetterzu tun.
Die Bodenfeuchte ist ein typisches Wetterphänomen, das auf die zukünftige Wetterentwicklung Einfluss haben kann. Die Bodenfeuchte beeinflusst nicht nur das Wachstum der Vegetation und die landwirtschaftliche Arbeit, sondern kann das Wetter in lokalem oder regionalem Massstab markant beeinflussen. Es gibt nämlich grundsätzlich nur zwei Varianten, wie Feuchtigkeit in die Atmosphäre gelangen kann:
- Entweder sie wird von einem anderen Ort heran transportiert oder
- sie entsteht an Ort und Stelle durch Verdunstung aus dem Boden oder der Vegetation.
Dabei funktioniert der Boden wie ein Schwamm: Je grösser die Bodenfeuchte, desto mehr Wasser ist vorhanden und desto mehr Wasser kann in die Atmosphäre gelangen. Dies kann das Wetter markant beeinflussen. Gefürchtet sind diese Effekte vor allem bei Hitze- und Trockenperioden: Gibt es eine Schönwetterphase bei geringer Bodenfeuchte, so kann auch weniger Wasser aus dem Boden verdunsten. Dann wird die Sonnenenergie direkt in Wärme umge-wandelt, die Temperatur steigt schneller an als in Situationen, wo viel Wasser verdunstet werden kann. Höhere Temperaturen und trockenere Luft führen wiederum zu einer weniger starken Wolkenbildung, die Sonne bleibt kräftig und der Boden trocknet noch mehr aus – ein Teufelskreis, der eigentlich nur durch eine Wetterumstellung gebrochen werden kann.
Quellwolken entstehen
Bei einer aussergewöhnlich hohen Bodenfeuchte tritt hingegen genau der umgekehrte Effekt ein: Die Sonnenenergie wird zu einem grossen Teil für die Verdunstung verwendet, die Temperatur steigt nur langsam an, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit bilden sich an Schönwettertagen vermehrt Quellwolken, die wiederum die Sonneneinstrahlung verringern und auch vermehrt Regenschauer oder Gewitter mit sich bringen. Mit den häufigeren Niederschlägen bleibt auch die Bodenfeuchte hoch. Im Spätsommer und Herbst führt eine hohe Bodenfeuchte zu einem weiteren Effekt: In den immer länger werdenden Nächten bildet sich mehr Tau als in Situationen mit geringerer Bodenfeuchte. Dies kann beispielsweise bei der Heuernte die Trocknung verlängern. Auch das Nebelrisiko steigt an. Bereits diesen Sommer konnte man das eindrücklich beobachten, so gab es bereits im Juli und August einige Morgen mit Nebel im Mittelland – ein Phänomen, dass in den letzten Jahren kaum beobachtet wurde und schlussendlich direkt mit den grossen Niederschlägen und der erhöhten Bodenfeuchte zusammenhängt. Für eine hartnäckige Nebellage ist nämlich ein hoher Luftdruck und relativ wenig Wind notwendig. Ob und wie häufig sich diese herbstlichen Hochdruckgebiete heuer einstellen werden, ist völlig offen. Nach dem vielerorts nassen Sommer wäre jedoch mit der hohen Bodenfeuchte eine Grundzutat für Nebeltage vorhanden.

