Der Apriltag war prächtig, die Themen zuweilen ernst am GVS-Praxis-Tag Pflanzenbau und Technik auf dem Bühlhof in Beggingen. Um die 100 Besucher(innen) folgten den Informationen über neue Pflanzenschutzvorschriften, Kalkdüngung, mechanische Unkrautbekämpfung und Pflanzenschutztechnik.
PSM korrekt platzieren
«Bei den neuen Pflanzenschutzmitteln (PSM) ist es noch wichtiger, dass sie korrekt appliziert werden», erzählte Patrik Eicher, Aussendienst-Pflanzenbauberater GVS, den Zuhörer(innen). Die Wahl der Düsen sollte der jeweiligen Spritzfunktion entsprechen. Die Direktzahlungsverordnung verlangt ab 2023 für jedes Produkt einen Punkt in der Driftauflage. «Da werden Injektordüsen unerlässlich.» Bei der Tabelle des Julius-Kühn-Instituts kann nachgelesen werden, welche Düse sich für welche Arbeit eignet. Ein Ultraschallgerät für ein genaues Platzieren der Balkenhöhe kann sich bei unebenen Feldern oder am Hang lohnen. Neu müssen ab dem 1. Januar 2023 alle Spritzen ab 400 Liter eine Innenreinigungseinrichtung aufweisen.
Neue Driftauflagen
Die Driftauflagen sind neu auf der Webseite des Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zu finden. Die Auflagen für den Bienenschutz werden strenger. «In Zukunft müsst ihr wissen, was der Nachbar anbaut», sagte Patrik Eicher. Wenn das Feld nebenan blühende Pflanzen hat, sind je nach Wirkstoff die entsprechenden Massnahmen zu ergreifen.
«Bei gewissen Produkten werden wir nicht mehr drum herumkommen, nachts zu spritzen», informierte Eicher. «Die Parameter stimmen dann am besten.» Für ein optimales Spritzen sollte die Temperatur nicht über 20°C sein, die Luftfeuchtigkeit 60 bis 80 Prozent betragen und die Windgeschwindigkeit unter 3 m/s liegen.
Infos zu Schadschwellen
Im neuen, mobilen Klassenzimmer der GVS informierte Lena Heinzer, Landwirtschaftsamt Schaffhausen, zu den Pflanzenschutzvorschriften für 2022 und 2023. Sie habe nicht viel Erfreuliches zu berichten. Sie rief die Bekämpfungsschwelle für Rapsglanzkäfer in Erinnerung, die bereits letztes Jahr stark erhöht wurde, nämlich auf sechs bis zehn Käfer pro Pflanze, je nach Entwicklungsstadium. Sobald die erste Blüte offen ist, darf kein Insektizid mehr gespritzt werden.
Beim jetzt aktuellen Zuckerrübenerdfloh müssen mindestens 50 Pflanzen im Keimblattstadium mit Schabstellen versehen sein. Sobald erste Blätter vorhanden sind, liegt die Schadschwelle bei 80 befallenen Pflanzen.
Das Spritzen hingegen braucht eine Sonderbewilligung. Zahlreiche Wirkstoffe, darunter alle Pyrethroide und einige Bodenherbizide im Mais und Raps, sind im indirekten Gegenvorschlag zur Trinkwasserinitiative für den Einsatz im ÖLN als verboten aufgelistet. «Die Auswirkungen der Pyrethroide auf die Gewässer haben wir alle wirklich unterschätzt», meinte Heinzer. Künftig müssen bei jeder PSM-Anwendung Auflagen gegen Abdrift und Abschwemmung eingehalten werden. Das Risiko der Abschwemmung muss zusätzlich auch bei einem Gefälle in Richtung entwässerter Strassen und Wege vermindert werden und nicht nur in Richtung der Gewässer.
Striegeln statt Spritzen
Bei diesen Auflagen wird die mechanische Unkrautbekämpfung immer wichtiger. Werner Müller von der Agrar Landtechnik AG informierte über den 15 Meter breiten Präzisionszinkenstriegler von Treffler. Durch seine einzigartigen Merkmale passen sich die Zinken einzeln an Bodenunebenheiten an. «Die Zinke kratzt immer dort, wo wir es wollen», erläuterte Müller. Zinken aus Hartmetall arbeiten präziser bei heiklen Böden. «Am besten striegeln, bevor es grün ist», lautete Müllers Devise. «Haben die Pflanzen schon Wurzeln, bringt ihr sie nicht mehr alle aus.»
Beim Schmotzer Kombi-Parallelogram führte Müller die Kamerasteuerung vor. «Die Kamera sieht in der Regel mehr als der Lenker.» Als Müller den Maschinenpreis mit 53 000 Franken erwähnte, meinte ein Besucher: «Grossvater ist billiger.»

Vielseitige Grubber
Lukas Wüthrich, Agrar Landtechnik AG, stellte die neuen Präzisionsgrubber der GVS vor. Der Treffler TGA 300 sorgt für eine flache, wassersparende Bodenbearbeitung. Hartmetall-Scharen ermöglichen einen präzisen Schnitt und haben eine gute Lebensdauer. Hinter den Scharen gibt es eine Reihe Nivellierzinken, dahinter sind die Striegelzinken, die den Boden ebnen und das Unkraut ausschütteln. Der Horsch Grubber ist vielseitiger einsetzbar, dafür etwas schwerer als die Treffler-Maschine. Die Terracut Schar, breit und flach, ergibt möglichst wenig Erdbewegung, dahinter laufen Nivellierscheiben. Dieser Grubber hat einen grossen Radius im Scharbereich und weniger Zugwiderstand.

Wie man Kalk misst
Wenn ein Feld schlecht aussieht, liegt es vielfach am Kalkgehalt, lehrte Daniel Item, Aussendienst Dünger bei der GVS. Ein wenig zehnprozentige Salzlösung «erzähle» schnell die Wahrheit. «Das können alle in der Drogerie oder Apotheke kaufen.» Item tröpfelte etwas Salzlösung auf Erde in einer Schale. «Es läuft einfach ein, da hat es zu wenig Kalk», kommentierte er. Schäumt die Lösung, ist genügend Kalk vorhanden. Gewisse Handelsdünger, besonders Ammonsalpeter und Ammonsulfat, machen den Boden sauer. Harnstoff und Gärgülle sind ebenfalls Kalkfresser.

Bis zu einem Viertel des durchschnittlichen jährlichen Kalkverlusts kann durch Gülle zurückgeführt werden. Kalk mit Meeresalgen ist sehr teuer. Je feiner die Kohlensäure im Kalk, umso wirksamer. Thomasmehl beinhaltet noch andere Nährstoffe. Branntkalk ist am schnellsten verfügbar und das einzige Produkt, welches auf Wasser reagiert. Dafür ist er stark ätzend und stäubt während der Ausbringung. Der Boden sollte trocken sein und das Produkt sofort eingearbeitet werden. «Den Traktor danach sofort waschen», rät Item.

