Kurz & bündig
- Josef Jenni ist der Solarpionier aus Oberburg BE.
- Er empfiehlt Diversität. Landwirtschaftliche Betriebe sollten nicht nur auf Photovoltaik setzen, sondern auch Holz, Solarthermie, Wärmespeicher und weitere Technologien intelligent kombinieren.
- Wegen zunehmender Stromüberschüsse sinkt der Wert von Solarstrom teilweise stark. Landwirte sollten deshalb heute nicht mehr möglichst grosse Anlagen bauen, sondern zuerst den eigenen Strombedarf analysieren und weitere Absatzmöglichkeiten abklären.
Viele Landwirte denken bei erneuerbarer Energie zuerst an Photovoltaik auf dem Scheunendach. Für Josef Jenni greift dieser Blick jedoch zu kurz. Der Solarpionier und Gründer der Jenni Energietechnik AG in Oberburg BE sieht die Zukunft der Landwirtschaft nicht allein in der Stromproduktion. Mindestens ebenso wichtig seien Holz, Solarthermie, grosse Wärmespeicher und die intelligente Kombination dieser Technologien. Auch Humusaufbau und Pflanzenkohle gehören für ihn zu einer nachhaltigen Energie- und Klimastrategie.
Während sich die öffentliche Diskussion heute fast ausschliesslich um Photovoltaik, Batteriespeicher und Einspeisevergütungen dreht, denkt Josef Jenni das Energiesystem als Ganzes. Seit Jahrzehnten beschäftigt ihn die Frage, wie sich erneuerbare Energie dann nutzen lässt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.

Schon lange bevor überschüssiger Solarstrom zum aktuellen Thema wurde, entwickelte Jenni grosse Wärmespeicher, Solarthermieanlagen und Gesamtsysteme zur Speicherung erneuerbarer Energie. Das galt lange als Nischentechnik und gewinnt heute zunehmend an Bedeutung. Denn mit jeder neu installierten Photovoltaikanlage wächst auch die Herausforderung, die erzeugte Energie sinnvoll zu nutzen.
Holz und Solarthermie in der Landwirtschaft
Für Josef Jenni gehört Holz zu den am meisten unterschätzten Energieträgern der Schweizer Landwirtschaft. Viele Betriebe besitzen Wald. Damit könnten sie nicht nur ihren eigenen Wärmebedarf decken, sondern auch Nachbargebäude oder ganze Dörfer über Wärmeverbünde versorgen.
Ebenso wichtig bleibt für ihn die Solarthermie. Sie liefert Wärme direkt und mit einem hohen Wirkungsgrad und ist eine gute Lösung, wo viel Warmwasser oder Heizenergie benötigt wird. Ihren grössten Nutzen entfaltet sie jedoch in Kombination mit Holzheizungen und grossen Wärmespeichern. Im Sommer übernimmt die Sonne einen grossen Teil der Wärmeerzeugung, im Winter liefert Holz die nötige Energie. Der Wärmespeicher verbindet beide Systeme und macht die Wärme dann verfügbar, wenn sie gebraucht wird. «Landwirte können sich mit solchen Möglichkeiten zur Energiewende von den Lösungen mit reiner Stromproduktion unterscheiden und regionale Energie mit regionaler Wertschöpfung am Markt anbieten.»
Nicht möglichst viel Strom produzieren
Dass Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Gebäuden sinnvoll ist, stellt Jenni jedoch nicht infrage. Viele Bauernhöfe verfügen über grosse, gut ausgerichtete Dachflächen, die sich hervorragend für Solaranlagen eignen. Dennoch beobachtet er die Entwicklung der vergangenen Jahre mit einer gewissen Sorge: «Je besser die Photovoltaik funktioniert, desto schlechter wird der Markt.» Produzieren an sonnigen Tagen tausende Anlagen gleichzeitig Strom, entsteht ein Überschuss. Dieser verliert zunehmend an Wert oder wird zu sehr tiefen Preisen ins Netz eingespeist. «Landwirte sollten heute nicht mehr möglichst grosse Anlagen bauen, sondern zuerst den eigenen Strombedarf analysieren und weitere Absatzmöglichkeiten abklären», empfiehlt Jenni.
Jede Kilowattstunde, die direkt auf dem Betrieb genutzt wird, ersetzt eingekauften Strom und bringt einen sicheren wirtschaftlichen Nutzen. Geeignete Verbraucher gibt es auf vielen Höfen von Melkanlagen über Lüftungen bis zu Kühlräumen und Werkstätten.
Stromüberschüsse in Wärme speichern
Für Josef Jenni wird die Speicherung zur eigentlichen Schlüsselaufgabe der Energiewende. «Heute sprechen alle über Speicher. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns schon seit Jahrzehnten.» Dabei denkt er an Wärmespeicherung und nicht an Batterien. «Es bringt wenig, überschüssigen Strom billig oder gratis abzugeben. Dann ist es sinnvoller, ihn im eigenen Betrieb als Wärme zu nutzen.»
Batteriespeicher seien sinnvoll, wenn Strom zwischen Tag und Nacht verschoben werde. Für eine saisonale Speicherung hält er sie jedoch weder wirtschaftlich noch ökologisch für überzeugend. Zudem verweist er auf den hohen Bedarf an Lithium, Kobalt und weiteren Rohstoffen sowie auf die begrenzte Lebensdauer heutiger Batteriesysteme.
Grosses Potenzial sieht er dagegen in Wärmespeichern. Für Warmwasser, Wohnhäuser oder Stallheizungen kann überschüssiger Solarstrom mithilfe von Elektroheizstäben aufgenommen und zeitversetzt wieder genutzt werden.
Im grösseren Rahmen bleiben für Jenni denn auch Pumpspeicherkraftwerke ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Energieversorgung.
Besonders grosses Potenzial sieht er im Humusaufbau und in der Pflanzenkohle. Durch humusfördernde Bewirtschaftung wird Kohlenstoff langfristig im Boden gespeichert. Pflanzenkohle kann diesen Effekt zusätzlich verstärken und gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit verbessern. «Damit kann die Landwirtschaft aktiv CO₂ aus der Atmosphäre entziehen. Solche Möglichkeiten werden in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt», hat Josef Jenni den Eindruck.
Biogas mit Chancen und Grenzen
Auch mit Biogas können Landwirte einen Beitrag zur Energieversorgung leisten. Jenni hat jedoch Vorbehalte: «Wenn Methan entweicht, verliert Biogas einen Teil seines ökologischen Vorteils.» Methan ist ein wesentlich stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Schon kleine Undichtigkeiten können deshalb die Klimabilanz verschlechtern. Gemäss Agrarforschung Schweiz vom März 2025 stellen Biogasanlagen einen Hotspot für Methanemissionen dar. Dabei wird eine Studie aus England zitiert, wonach Biogasanlagen im Durchschnitt 5,2 Prozent ihrer Methanproduktion verlieren, wobei die Spannbreite 1,7−12,7 Prozent beträgt.
Bei technisch hochwertigen Anlagen sieht Josef Jenni in dieser Technik jedoch auch einen möglichen Beitrag, den Landwirte leisten können. Gegenüber anderen alternativen Energien wie aus Wind oder Sonne wird Biogas wetterunabhängig produziert.
Den eigenen Betrieb ins Zentrum der Planung stellen
Skeptisch sieht Jenni den teilweise aggressiven Wettbewerb auf dem Solarmarkt. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Anlagen mit unrealistischen Renditeversprechen verkauft worden. Er empfiehlt Landwirten deshalb, Angebote sorgfältig zu vergleichen und den eigenen Betrieb ins Zentrum jeder Planung zu stellen. «Jeder Hof ist anders. Man muss zuerst den Bedarf kennen und danach investieren.» Nicht jede Technologie passe zu jedem Betrieb. Entscheidend sei ein Gesamtkonzept.
Die Landwirtschaft kann mehr tun als nur Energie produzieren
Josef Jenni ist also überzeugt, dass die Landwirtschaft weit mehr leisten kann, als Strom zu produzieren. Photovoltaik bleibt ein wichtiger Baustein. Genauso wichtig sind jedoch Holzenergie, Solarthermie, Wärmespeicher, Wärmeverbünde, Humusaufbau und Pflanzenkohle. Für ihn entscheidet sich die Energiewende also nicht allein auf den Scheunendächern. Sondern ebenso im Heizraum, im Wald und auf dem Acker.
Das sei die eigentliche Stärke der Schweizer Landwirtschaft, meint Josef Jenni. Sie verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, gleichzeitig Energie zu produzieren, Ressourcen zu schonen und aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Das ist ein Gesamtsystem, das sich nicht nur in Kilowattstunden Strom rechnen lässt.
Jenni Energietechnik AG
Josef Jenni ist Elektroingenieur und Solarpionier aus Oberburg BE. Er gründete die Jenni Energietechnik AG, welche in diesem Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum feierte. Er baute das erste ganzjährig solarbeheizte Wohnhaus Europas, später realisierte er auch Mehrfamilienhäuser, die ganzjährig ausschliesslich mit Solarthermie beheizt werden. Wärmespeicher jeglicher Grössen produziert die Jenni Energietechnik AG in Oberburg. Für Jenni ist der Speicher der Kern der Energiewende, wofür das Unternehmen komplette Energiesysteme mit Solarthermie, Holzenergie oder Photovoltaik entwickelt.
www.jenni.ch

