Kurz & bündig
- Ropa und Fendt setzen mit «e-LS connect» einen neuen Standard in der Traktor-Anbaugerät-Kommunikation. - «e-LS connect» überträgt den Hydraulikbedarf erstmals rein elektronisch an den Traktor. - Die Load-Sensing-Leitung ist nicht mehr notwendig. - Traktor und Anbaugerät werden präziser aufeinander abgestimmt.
Load-Sensing-Hydrauliksysteme haben sich bei modernen Traktoren seit vielen Jahren bewährt. Die Hydraulikpumpe fördert dank einer regelbaren Pumpe nur so viel Öl, wie von den Verbrauchern benötigt wird. Es wird nicht sinnlos Öl herumgepumpt. Das ist bei einfacheren Traktoren anders, diese haben meistens eine Zahnradpumpe für das Hydrauliköl. Solche Pumpen lassen sich nicht regeln, ihre Fördermenge ist an die Motordrehzahl gekoppelt. Sie schöpfen auch ohne Verbraucher immer die volle Ölmenge. Wird das Öl nicht benötigt, gelangt es mit viel Energieaufwand durch den Überdruck zurück in den Tank.Traktoren, die etwas auf sich halten, verfügen also über das erwähnte Load-Sensing-Hydrauliksystem. Dabei erhöht die Pumpe die Leistung, wenn Bedarf besteht.
Standardisierte Hydraulikvernetzung
Ein Load-Sensing-System (LS-System) kann über Hydraulikkupplungen auch an einen Ventilblock am Anbaugerät übertragen werden, wo die Funktionen dann über Elektroventile angesteuert werden. Dies ist auch als Power-Beyond-Anschluss bekannt. Maschinen mit eigenem Hydraulikventilblock sind zum Beispiel Kartoffelvollernter, Ladewagen oder Wickler. Dank des eigenen Ventilblocks auf der Maschine muss nicht für jede Funktion eine Schlauchverbindung für die Zusatzhydraulikventile des Traktors erstellt werden.
Steuersignal wird hydraulisch übertragen
Um das LS-System, wie man es bis heute kennt, am Anbaugerät zu realisieren, müssen drei Hydraulikleitungen an den Traktor gekuppelt werden. Es handelt sich um eine Druckleitung, einen Rücklauf in den Tank und eine hydraulische LS-Steuerleitung.

Die hydraulische LS-Steuerleitung ist die Verbindung vom Ventilblock am Anbaugerät auf die Ölpumpe des Traktors. Über diese Leitung wird der Regeldruck hydraulisch an die Steuerscheibe der Ölpumpe des Traktors gebracht. Mit diesem Regeldruck passt sich die Fördermenge der Ölpumpe des Traktors an den Bedarf an. Der Nutzen dabei ist, dass der Ventilblock auf der Maschine nur dann mit Öl versorgt wird, wenn ein Verbraucher solches benötigt. Der eingangs erwähnte Vorteil, den Traktoren mit regelbaren Hydraulikpumpen haben, kann so auch auf das Anbaugerät übertragen werden. Nun haben Ropa und Fendt die hydraulische LS-Steuerleitung mit einer elektronischen Signalübertragung ersetzt.
Steuersignal wird elektronisch übertragen
Das System nennt sich «e-LS connect» und wurde an der Agritechnica 2025 in der Kombination eines Kartoffelroders mit einem neuen Fendt 700 Vario präsentiert. Dieses Gespann benötigt keine hydraulische Steuerleitung mehr. Stattdessen kommuniziert das Steuergerät am Anbaugerät elektronisch mit dem Steuergerät zur Pumpenregelung am Traktor. Für den Betrieb müssen somit nur noch die Druck- und die Rücklaufleitung gekoppelt werden. Die elektronische Signalübertragung erfolgt über den Isobus-Stecker.

Regelkomponenten werden überflüssig
Wie Ropa mitteilt, werden Komponenten wie Druckregelventile, Sensoren und natürlich die LS-Steuerleitung überflüssig. Das bringt Vorteile: Bei Fendt erwähnt man, dass weniger Signalumwandlungen zwischen hydraulischem und elektrischem Signal stattfinden und dadurch die Signalübertragung robuster wird.
Erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass mit «e-LS connect» die Funktionen der Arbeitshydraulik gegenüber der bisherigen Technik schneller und präziser reagieren.
Auf Anfrage teilt Fendt weiter mit, dass man zusammen mit Ropa die Normung in der AEF anstrebt, um das System weiterzuverbreiten. Die AEF ist die Zertifizierungsstelle von Isobus und gewährleistet die Kompatibilität der verschiedenen Funktionen.
Ob der Bemühungen der beiden Hersteller ist davon auszugehen, dass «e-LS connect» in Zukunft zur Anwendung kommen wird und die Hydraulikvernetzung herstellerübergreifend standardisiert wird.
Vorerst mit neuem und altem System
Wie immer, wenn für Schnittstellen zwischen Traktor und Anbaugerät neue Techniken entwickelt werden, stellt sich die Frage der Kompatibilität von Alt und Neu. Ein solches Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Anhängerbremstechnik von Einleiter- zu Zweileitersystemen.
In der Praxis sind nach wie vor beide Systeme im Einsatz. Bei Neuanschaffungen setzt sich jedoch die Zweileiter-Druckluft-Bremsbetätigung durch.
Auch mit «e-LS connect» wird es zu Überschneidungen der Technik kommen und es braucht Schnittstellen für das alte wie auch für das neue System. Bei Fendt sind ab Mitte 2026 alle Modelle der Baureihen 500 Vario Gen4, 600 Vario, 700 Vario Gen7/7.1 und 800 Vario Gen5 mit e-LS ausgerüstet. Diese Traktoren werden auch mit konventionellen Anbaugeräten ohne e-LS kommunizieren. Dies erfolgt weiterhin über die hydraulische Lastmeldeleitung. Ab Mitte 2026 werden die genannten Fendt-Traktoren mit der Software zur Nutzung von «e-LS connect» ab Werk ausgeliefert, wie Fendt auf Anfrage bestätigt. Auch bestehende Maschinen der beiden Hersteller sollen Mitte 2026 per Softwareupdate für «e-LS connect» vorbereitet werden können.
Mit «e-LS connect» haben die beiden Landtechnikhersteller eine technische Weiterentwicklung realisiert, bei der dank Digitalisierung die Übertragung von Regeldaten vereinfacht wurde. Gleichzeitig steigt die Präzision bei der Regelgenauigkeit und es können hydraulische Komponenten eingespart werden.
Load-Sensing-System
[IMG 4] Beim Load-Sensing-Hydrauliksystem kann die Fördermenge der Pumpe verstellt werden. Die Verstellung der Steuerscheibe an der Pumpe erfolgt über die LS-Steuerleitung. Die Steuerleitung (LS) ist im Zusatzhydraulikventil mit der Druckleitung (P) verbunden. Dadurch herrscht in P und LS immer der gleiche Druck (Druckwaage). Steigt der Druck in der Druckwaage durch die Betätigung des Zusatzhydraulikventils an, zum Beispiel um einen Kippzylinder auszufahren, wirkt er sich via LS auf die Steuerscheibe der Verstellpumpe aus und erhöht dort die Fördermenge. Um die Funktion zu gewährleisten, herrscht im System ein Stand-by-Druck von 30 bar. Der sogenannte Power-Beyond-Anschluss ermöglicht Load-Sensing auch am Anbaugerät mit eigenem Ventilblock. Zum Beispiel an einem Ladewagen oder einem Wickler. Anstatt den Ventilblock über einen Zusatzhydraulikanschluss zu versorgen, der ständig betätigt ist, wird der Ventilblock direkt von der LS-Pumpe versorgt. Der Anschluss erfolgt über drei Leitungen. Dabei werden die Leitungen P, LS und R mit dem Ventilblock am Anbaugerät verbunden. Mit «e-LS connect» wird der LS-Anschluss mit einer elektronischen Signalübertragung ersetzt.

