Wie die US-Botschafterin im Berner Oberland das Alphorn entdeckt

Der Berglandwirt und Alphornbauer Heinz Tschiemer führte Callista und Newt Gingrich durch Werkstatt, Stall und Käsekeller.

Wie die US-Botschafterin im Berner Oberland das Alphorn entdeckt

Ein aussergewöhnlicher Besuch in Habkern BE für besondere ­Begegnungen. Callista L. Gingrich, Botschafterin der Vereinigten Staaten in der Schweiz und in Liechtenstein, besuchte gemeinsam mit ihrem Ehemann Newt Gingrich die Alphornmacherei Bernatone und anschliessend den Bergbauernhof von Heinz Tschiemer.

Auch der Ehemann der Botschafterin ist in den Vereinigten Staaten eine bekannte Persönlichkeit: Der Republikaner Newt Gingrich gehörte während zwanzig Jahren dem US-Repräsentantenhaus an und amtierte von 1995 bis 1999 als dessen Speaker. Damit bekleidete er eines der bedeutendsten politischen Ämter der Vereinigten Staaten.

Grosses Interesse am Handwerk

Im Mittelpunkt des ersten Teils des Besuches stand das Alphorn – eines der bekanntesten Symbole der Schweizer Bergkultur. In der Alphornmacherei Bernatone liessen sich Callista und Newt Gingrich zeigen, wie aus sorgfältig ausgewähltem Holz Schritt für Schritt ein spielbares Instrument entsteht.

Marietta und Heinz Tschiemer luden in den Käsekeller ein – Gringrichs beeindruckte das sichtbare Werk dieses Alpsommers. (Bild: Bernatone)

Dabei zeigte die Botschafterin grosses Interesse. Sie stellte zahlreiche Fragen zum Instrument, zum verwendeten Holz und zu den verschiedenen Arbeitsschritten. Beim Zuschauen allein wollte sie es jedoch nicht belassen: Sie legte selbst Hand an und erhielt dadurch einen unmittelbaren Eindruck davon, wie viel handwerkliches Geschick, Erfahrung und Präzision für die Herstellung eines Alphorns notwendig sind.

Die Begegnung entwickelte sich zu einem lebhaften Austausch über das Alphorn, die Traditionen der Bergregionen und die Bedeutung, die altes Handwerk auch in der heutigen Zeit noch hat.

Zu Kühen und Alpkäse

Anschliessend wechselte die Szenerie von der Werkstatt auf den Bergbauernhof. Heinz Tschiemer führte seine Gäste durch den Betrieb und zeigte ihnen die Kühe und Kälber. Dabei erhielten Callista und Newt Gingrich einen Einblick in den Alltag einer Bergbauernfamilie und in die aussergewöhnlichen Bedingungen, unter denen in den Schweizer Bergen Landwirtschaft betrieben wird.

Einen besonderen Eindruck hinterliess der Käsespeicher. Bis oben mit frischem Alpkäse gefüllt, machte er sichtbar, was während eines Alpsommers aus der Milch der Kühe entsteht. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit, über die Alpwirtschaft und die lange Tradition der Käseherstellung in den Schweizer Bergen zu sprechen.

Für die Botschafterin aus den USA war der Besuch auf dem Bauernhof eindrücklich. Sie interessierte sich nicht nur für die Produkte, sondern auch für die Menschen und die Lebensweise, die dahinterstehen.

Zeit für die Landschaft

Passend zum besonderen Besuch präsentierte sich auch Habkern von seiner besten Seite. Bei wunderbarem Herbstwetter genossen die amerikanischen Gäste die grandiose Aussicht auf die umliegende Bergwelt und nahmen sich Zeit, Landschaft und Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Das Paar aus Übersee auf dem Bergbauernhof. Hier ging es um den Alltag der Bauernfamilie und die speziellen Produktionsbedingungen. (Bild: Bernatone)

Für Heinz Tschiemer war der Besuch vor allem eine Gelegenheit, zwei Gästen aus den Vereinigten Staaten ein authentisches Bild des Lebens in einem Schweizer Bergdorf zu vermitteln. «Mich hat besonders gefreut, wie interessiert und unkompliziert Callista und Newt Gingrich waren», erzählt er. Und weiter: «Sie wollten nicht einfach nur etwas anschauen, sondern wirklich verstehen, wie wir hier leben und arbeiten», sagt Tschiemer.

Dass sich die amerikanischen Gäste so viel Zeit für das Handwerk der Berner, ihre Landwirtschaft und die Kultur der Bergbevölkerung nahmen, habe er sehr geschätzt.

Der Besuch verband somit zwei Welten, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen: die internationale Diplomatie und Politik auf der einen, das traditionelle Handwerk und die Berglandwirtschaft auf der anderen Seite. In Habkern zeigte sich an diesem Montag, wie schnell diese Distanz verschwinden kann, wenn echtes Interesse an den Menschen, ihrer Arbeit und ihrer Kultur vorhanden ist.⇒zVg

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