Überschwemmte Felder, vom Hagel zerstörte Bestände, Spätfröste, alles keine Seltenheit in diesem Anbaujahr. Zusätzlich gab es kaum längere Trockenphasen, um Arbeiten auf dem Feld zu erledigen. Sowohl beim Brot- und Futtergetreide als auch bei Steinobst, Gemüse und im Weinbau sind die Erträge dementsprechend niedrig. So verzeichnen Betriebe, die auf den Pflanzenbau spezialisiert sind, starke wirtschaftliche Einbussen.
Wissenschaft ist sich einig
Das aktuelle Jahr zeigte somit sehr eindrücklich, wie abhängig die Landwirtschaft von der Witterung ist. «Die klimatischen Schwankungen haben weitreichende Folgen und werden künftig sogar noch zunehmen», sagte Bernhard Schauberger bei einer öffentlichen Online-Vorlesung zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft am Mittwoch. Er ist Professor für Agrarsysteme und Klimawandel an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Deutschland. Dass sich das Klima durch die Treibhausgase der Menschen verändere, sei wissenschaftlich unbestritten.
Stabiles Klima ist wichtig
«Ein Blick in die Agrargeschichte zeigt, wie wichtig ein konstantes Klima für die Landwirtschaft ist», erklärte Bernhard Schauberger während seines Vortrages. Erst vor etwa zehn- bis elftausend Jahren stabilisierten sich die klimatischen Verhältnisse weltweit und machten die Entwicklung der Landwirtschaft überhaupt möglich. Zuvor war das Klima sehr starken Schwankungen unterworfen, die den Anbau von Nahrungsmitteln unmöglich machten. Menschen ernährten sich bis dahin vom Jagen und Sammeln. Diese Ernährungsweise wurde mit der Einführung der Landwirtschaft immer unattraktiver und zunehmend von ihr verdrängt.
Wetterextreme nehmen zu
Doch auch seit der Verbreitung der Landwirtschaft sorgten Klimaveränderungen immer wieder für Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung. So führten z. B. extreme Kälte und Überschwemmungen Anfang des 14. Jahrhunderts zu einer grossen Hungersnot in Europa mit mehreren Millionen Toten. Ein ähnliches Schicksal könnte die heutige Menschheit ereilen. Klimaforscher rechnen zukünftig vor allem mit Fluten, Starkregen, vermehrten Dürren, Hitzewellen und Frösten sowie Insektenplagen. Werden wir also wieder zu Jägern und Sammlern wie unsere Vorfahren?
Vorhersagewüste für die nächsten Monate und Jahre
Bernhard Schauberger ist überzeugt, dass das nicht nötig sei. Laut ihm kann sich die Landwirtschaft an die veränderten Bedingungen anpassen. Eine grosse Herausforderung sei jedoch, dass die Wissenschaftler schwer vorhersagen können, worauf sich die Landwirt(innen) in naher Zukunft einstellen müssen. «Wir können berechnen, wie das Klima in 50 Jahren sein wird. Wettervorhersagen und Satellitenaufnahmen sagen die nächsten Wochen voraus, aber was in den nächsten Monaten, Jahren und zwei Jahrzehnten passieren wird, ist schwer zu prognostizieren», so der Wissenschaftler. Für diesen Zeitraum herrsche eine sogenannte Vorhersagewüste.
Betriebe breit aufstellen
Deshalb nütze es wenig, sich stark zu spezialisieren und z. B. nur hitzeresistente Kulturen anzubauen. Das nächste Jahr könnte deutlich nasser werden. Für die kurz- und mittelfristige Planung der Bauern und Bäuerinnen empfiehlt Bernhard Schauberger deshalb, die Produktion breit aufzustellen und nicht zu sehr von einer Kultur abhängig zu machen.

