Kürzlich wurde ich zufällig Mithörerin eines Gesprächs zwischen zwei Müttern, die über den «Friedensteppich» in der Schule diskutierten. Offenbar kann das gemeinsame Sitzen auf diesem besagten Teppich im Beisein der Schulsozialarbeiterin dazu dienen, zwei streitenden Kindern bei der Konfliktlösung zu helfen.
Der Friedensteppich weckt Erinnerungen an Winnetou
Friedensteppich – ist dies die Friedenspfeife des 21. Jahrhunderts, fragte ich mich? Dies weckt bei mir wunderschöne Kindheitserinnerungen an die Friedenspfeife, wie wir sie noch aus den alten und unvergessenen Winnetou-Filmen nach Karl May kennen. Die vorgängig Streitenden rauchen abwechslungsweise aus derselben Pfeife. Und in diesem feierlichen Moment wird eine Freundschaft geschlossen für «immer und ewig» – eine wunderbare Sache.
Vielleicht helfen Friedenspfeifen auch im Bundeshaus
Ich liebte diese Filme! Ich vergötterte die beiden Freunde Winnetou und Old Shatterhand. Der Letztere hat meine damals erst zart vorhandenen Hormonmengen mächtig in Schwung gebracht! Meine vielleicht erste ernsthafte Schwärmerei fürs andere Geschlecht. Wenn dies doch auch heute noch so einfach wäre: Ewige Streithähne rauchen gemeinsam eine Pfeife und sie vertragen sich, bis dass der Tod sie scheidet. Dies würde in vielen Lebensbereichen sehr viel Energie sparen. Ich überlege mir gerade ernsthaft, ob ich im Bundeshaus ein paar Friedenspfeifen deponieren sollte. Auf dass sich ewig streitende Politiker beim gemeinsamen Rauchen – wenn sie sich dabei tief in die Augen schauen und einander richtig zuhören – besser verstehen könnten. Zugegeben, das tönt jetzt ein bisschen wie im Märchen.
Die Diskussionen um den Verkauf von Bier
Eine leichte Anpassung des «indianischen» Friedensrituals war wohl notwendig, denn das gemeinsame Pfeifenrauchen als Versöhnungsstrategie würde wahrscheinlich nicht mehr auf breite Akzeptanz stossen.Das war früher anders. Da hat mir doch eine frisch pensionierte Frau erzählt, dass in ihrer Kindheit am letzten Schultag, am Examensumzug durchs Dorf, alle Schulabgänger einen dicken Stumpen rauchten. Und dies mit offizieller Erlaubnis des Gemeinderates! Man stelle sich das heute einmal vor! Ich hatte als Mitglied der Schulkommission schon heftigste Diskussionen, als ich am Schulfest den Eltern neben Sirup und Rivella auch noch Bier verkaufen wollte.
Vertrauen in das Gute und der gesunde Menschenverstand
Früher liessen Eltern also sogar öffentlich rauchende Kinder zu. Der gesunde Menschenverstand sagte ihnen, dass ihr Kind damit nicht gleich zum Kettenraucher verdammt ist. Sie hatten Vertrauen in das Gute im Leben und in ihre Kinder. Sie nahmen vieles etwas gelassener und schritten nicht gleich zum Unterschriften-sammelnden Aufstand, wie dies heute bei vielen Themen immer öfter der Fall ist. Vielleicht sollten die Schulen Eltern und Kindern wieder einmal einen Winnetou-Film zeigen. Denn dabei können wir viel über Freundschaft und Vertrauen lernen! In solchen Momenten denke ich manchmal: «Es hat schon was, mit den guten alten Zeiten!»

