Wenn jemand an Weihnachten froh ist, keine Weihnachtsstern-Pflanzen mehr sehen zu müssen, sondern bereits freudig an die Farbenvielfalt der Primeln denkt, kann es sein, dass sie Produktionsplanerin einer Gärtnerei ist. Denn genauso ergeht es Sandra Schüpbach. Die Bäuerin und gelernte Zierpflanzengärtnerin aus Walkringen BE arbeitet Teilzeit als Produktionsplanerin bei der Jost Pflanzen AG mit Hauptsitz in Wiedlisbach BE.
«Ich bin froh, wenn es endlich Weihnachten ist und die Sterne weg sind», verrät sie. Eine Meinung, die absolut nachvollziehbar ist, wenn man weiss, dass die Planung der jährlichen Weihnachtsstern-Produktion bereits im Januar beginnt. Denn dann muss sie «nach Gutdünken und Erfahrungswerten der Vorjahre», die ersten Bestellungen für die Weihnachtsstern-Stecklinge machen.
Bis zu vier Meter hohe Sträucher
Weihnachtssterne stammen ursprünglich aus Mexiko. Bei uns nur als Topfpflanze bekannt, kann sie in freier Wildbahn zu einem vier Meter hohen Strauch beziehungsweise kleinem Baum mit holzigem Stamm heranwachsen. Für die Produktion als Zierpflanze in der Schweiz bezieht die Jost Pflanzen AG Stecklinge aus Afrika und Italien. Bis Ende Februar bestellen dann die Kunden der Firma – zu 95 Prozent sind es Grossverteiler und ein paar wenige Gärtnereien – die gewünschte Anzahl Pflanzen.
Die Wachstumsdauer bestimmt die Endgrösse
«Bei uns sind verschiedene Grössen verfügbar. Diese werden durch die Wachstumsdauer beeinflusst», erklärt die Planerin. Ende Februar ist auch der Zeitpunkt, an dem Sandra Schüpbach eine definitive Bestellung mit den genauen Lieferzeiten aufgeben muss. Das ist ein schwieriger Prozess. Pflanzen, die als Stämmchen verkauft werden sollen, brauchen mehr Wachstumszeit und müssen entsprechend früher angeliefert werden als Minipflanzen, die auf dem Weihnachtstisch der Dekoration dienen.
Nach der Anlieferung beginnt das Wachstum in der Erde. Die grösste Freude am Wachstumsprozess der Weihnachtssterne empfindet Sandra Schüpbach Mitte Oktober, wenn die ersten Exemplare ihre Hochblätter rot verfärben (siehe Kasten). Jährlich produziert die Jost AG einige 10'000 Weihnachtssterne. «Für uns ist diese Produktion ideal, um gegen Ende des Jahres die Gewächshäuser nochmals füllen zu können», erklärt Sandra Schüpbach.
Die Wertschöpfung geschieht hierzulande
Weihnachtssterne der Jost AG tragen das Label Suisse Garantie und werden auch unter dem regionalen Label eines Grossverteilers verkauft. Wie ist das möglich, wenn doch die Stecklinge aus dem Ausland stammen? Denn Weihnachtssterne sät man nicht aus. Und Mutterpflanzen, von denen Stecklinge genommen werden könnten, gibt es auch keine in der Schweiz. Sandra Schüpbach hört diese Frage nicht zum ersten Mal und klärt auf: «Der grösste Teil der Wertschöpfung geschieht hierzulande. Hier werden sie bewurzelt, getopft, gehegt und gepflegt.»
Es gibt keine Abnahmeverträge
Nach einer guten Wachstumsphase hofft die Produktionsplanerin jeweils, dass die Sterne auch möglichst gut verkauft werden. Da mit den Käufern keine Abnahmeverträge bestehen, beziehen sie von ihrer vorbestellten Ware nur, was sie auch im Laden verlaufen können. Ist der Spätherbst schön und warm, denken die Kunden nicht an Weihnachten, und entsprechend weniger Sterne finden den Weg zu den Kunden. Sterne, die die Gärtnerei am 24. Dezember nicht verkauft hat, bereiten entweder den Mitarbeitenden noch eine Freude oder landen auf dem Kompost. Denn bereits am 26. Dezember ziehen in den Gewächshäusern die Primeln ein.
So bleibt der Weihnachtsstern lange schön
Beim Kauf darauf achten, dass der Stern keine braunen oder welken Blätter hat. Die gelbgrünen Knospen, die in der Mitte der roten Hochblätter liegen, sollen noch geschlossen sein. Sie sind die Blüten der Pflanze. Sind sie geöffnet, hat der Weihnachtsstern seine Blütezeit bereits hinter sich. Das Heikelste für den Weihnachtsstern ist der Transport. Kälte und Zugluft mag die Pflanze gar nicht. Die beim Transport verbundenen Temperaturschwankungen bedeuten viel Stress. Daher ist zu beachten, dass der Stern gut eingepackt wird und nicht länger als nötig im Auto stehen bleibt. Kleine Exemplare können in einer (ungekühlten) Kühlbox transportiert werden. Sandra Schüpbach rät, zu Hause einen Standort auszuwählen, der hell, aber nicht direkter Sonneneinstrahlung und keiner Zugluft ausgesetzt ist. Umziehen wird nicht geschätzt Die Pflanze soll an einen Ort gestellt werden, an dem sie stehen bleiben kann. Die Mitte des Küchentisches ist nicht ideal. Zum einen ist der Milchsaft des Sterns für Kinder und Kleintiere giftig, zum anderen müsste der Topf da vor den Mahlzeiten ständig umgestellt werden – etwas, das ihm nicht guttut. Der Stern mag es, wenn er immer gleichmässig feucht gehalten wird. Die Wurzeln sollen jedoch nicht im Wasser stehen. Ein regelmässiges Tauchbad in lauwarmem Wasser ist ideal. Bevor die Pflanze zurück in den Übertopf gestellt wird, gut abtropfen lassen. Verliert der Weihnachtsstern frühzeitig seine farbigen Blätter, ist er meist nicht mehr zu retten, wie Sandra Schüpbach weiss. Grund seien zu viel oder zu wenig Wasser. Die Pflanze wäre eigentlich mehrjährig Gefällt es dem Weihnachtsstern, kann er auch Ende Januar immer noch rot sein. Zwar verliert er auch dann seine Blätter. Da er aber mehrjährig ist, könnte er bei guter Pflege weiterwachsen und neue, grüne Blätter bilden. Damit die dann auch wieder rot werden, müsste viel Aufwand betrieben werden. Die Pflanze müsste dazu ab Oktober in einem Raum stehen, der täglich mindestens 12 Stunden dunkel ist. Das Wohnzimmer, das abends lange beleuchtet ist, ist dazu nicht geeignet.
Wachstum der Weihnachtssterne
Die ersten Stecklinge kommen Ende April gekühlt und in Kartons mit dem Flieger an. So schnell wie möglich werden sie in die Erde gesteckt. Damit Wurzeln treiben, sind 24 bis 26 Grad Celsius sowie eine Luftfeuchtigkeit von 80 bis 85 Prozent nötig. Nach drei bis vier Wochen werden die Pflanzen bereits in ihren Endtopf umgetopft. Danach reicht eine Temperatur im Gewächshaus von 21 Grad. Während des Wachstums sind alle Blätter der Pflanze grün. Die Farbe verändert sich erst, wenn die Nächte länger sind als die Tage. Neben den bekannten roten, gibt es mittlerweile auch rosarote, weisse oder gesprenkelte Weihnachtssterne. «Die Färbung ist ein spannender Moment», findet Sandra Schüpbach. Damit die ersten Exemplare schon Mitte Oktober verkaufsbereit sind, können bei der Jost Pflanzen AG einige Gewächshäuser komplett verdunkelt werden. So werden den Pflanzen die langen Nächte vorgegaukelt und der Umfärbeprozess beginnt. «Es muss dabei aber komplett finster sein im Gewächshaus», erzählt Sandra Schüpbach. Ein kleines Loch, durch das Tagesleicht eindringt, reiche aus, damit der Umfärbeprozess nicht stattfinde. Sobald die Hochblätter der Sterne ihre Endfarbe erreicht haben, reicht eine Temperatur von 15 bis16 Grad aus.

