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Verdienst der Frauen: Ohne sie geht es auf dem Betrieb nicht

Damit die Arbeitsteilung und die Entlöhnung auf dem Hof gerecht ist, muss das Bauernpaar zusammen planen. Wichtig ist, dass jede Arbeit, ob im Haushalt oder auf dem Betrieb, als gleich wertvoll angesehen wird.

Frauen leisten weltweit zwei Drittel der Arbeit und verdienen zehn Prozent des Einkommens. Zudem ist nur ein Prozent des Eigentums in Frauenhand. Noch deutlicher könnte man sagen: Ohne Frauen geht auf der Welt gar nichts – ohne Männer allerdings auch nicht. Wer an den genannten Zahlen zweifelt, kann sie in einer breit angelegten UNO-Studie nachlesen. Diese Zahlen stimmen nachdenklich, gerade auch wenn man liest, dass zwei Drittel der Armen auf der Welt Frauen sind. Der erste Gedanke ist sicher, dass das nicht sein kann, beziehungsweise nicht sein darf. Es ist skurril zu lesen, dass Frauen weltweit viel mehr arbeiten als Männer und dabei viel weniger verdienen. Dass da der Gedanke aufkommt, dass etwas nicht stimmt, liegt nahe.

Viel unbezahlte Hausarbeit

Die internationale Arbeitsorganisation ILO untersuchte in 41 Ländern, wie die Arbeit verteilt ist, beziehungsweise wer die meist nicht entlöhnte Haus- und Familienarbeit erledigt. Die Ergebnisse erstaunen nicht. Bei dieser Untersuchung kam heraus, dass Frauen pro Tag durchschnittlich 266 Minuten unbezahlte Arbeit leisten, Männer 108 Minuten. In der Schweiz erledigen in gut 51 Prozent der kinderlosen Haushalte die Frauen die Haushaltsarbeiten. In 40 Prozent der Haushalte teilt sich das Paar die Arbeit und nur gerade 6,9 Prozent der Männer schmeissen den Haushalt alleine. Hat das Paar Kinder, steigt die Arbeit im Haushalt durch die Frau weiter an.

In der Schweiz verdienen Frauen für gleiche Arbeit nach wie vor weniger als Männer. Diesbezüglich gibt es verschiedene Studien. Es wird davon ausgegangen, dass Frauen 19,6 Prozent weniger verdienen, als Männer. 42,9 Prozent der Lohndifferenz lassen sich nicht durch die bessere Ausbildung, mehr Erfahrung oder das Arbeiten in besser bezahlten Branchen erklären. Das muss sich ändern. Zumal die Wirtschaftsorganisationen die Frauen eigentlich gerne bei der Arbeit sähen: Ohne Frauen könne sich ein Land ökonomisch nicht entwickeln, sind sie sich einig. Der Tenor ist, dass es sich die Wirtschaft nicht leisten könne, auf die Hälfte des Arbeitskräftepotenzials zu verzichten. Bleiben die Frauen der Kinder wegen zu Hause, schreite die Entwicklung zu langsam voran.

Falsche Bescheidenheit

Auf dem Bauernhof ist die Arbeitssituation nochmals anders. Meist ist das Lebensumfeld auch das Arbeitsumfeld. Das bietet viele Chancen – ist aber auch mit Risiken behaftet. Für Kinder ist es etwas Besonderes, auf einem Bauernhof aufzuwachsen. Sie erleben den Umgang mit den Tieren, mit der Natur, wachsen in die Arbeit hinein. Bäuerin und Landwirt arbeiten in der Regel eng zusammen. Wenn Beruf und Familie so nahe nebeneinander stattfinden, ist eine klare und gerechte Arbeitsteilung wichtig. Es kann nicht sein, dass beide Partner tagsüber voll auf dem Hof gearbeitet haben und abends der Haushalt bei der Bäuerin "hängen bleibt".

Wer das laut sagt, wird vielleicht als "Emanze" verschrien. Aber Tatsache ist, dass zahlreiche Bäuerinnen unter fehlender sozialer Anerkennung und finanzieller Absicherung leiden. Wie oft ist zu hören: "Ich arbeite nicht, ich helfe nur auf dem Hof mit." Das ist falsche Bescheidenheit, denn auch wer im Haushalt und im Betrieb sein Bestes gibt, arbeitet – leider sehr oft ohne finanzielle Abgeltung.

Vorurteilsfrei überprüfen

Es ist längst ein offenes Geheimnis: Die Einkommen auf vielen Landwirtschaftsbetrieben reichen nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt einer Familie zu decken und um den Betrieb vorwärtszubringen. Meist wird dann an einen Nebenerwerb gedacht. Das ist häufig eine gute Möglichkeit, damit die Finanzen im Lot bleiben oder ins Lot kommen. Bevor aber ein Nebenerwerb aufgenommen wird, muss die Arbeitsbelastung gemeinsam analysiert werden. Es darf nicht sein, dass der Nebenerwerb einfach dazu kommt, ohne dass die Arbeit auf dem Hof reduziert werden kann. Das Bauernpaar muss die Arbeitsbelastung kennen und gemeinsam entscheiden, wie es weitergehen soll, beziehungsweise wer künftig welche Arbeiten erledigen wird.

Bei der Aufnahme eines Nebenerwerbs soll die Situation vorurteilsfrei geprüft werden. Geht besser der Bauer oder die Bäuerin in den Nebenerwerb? Wer verdient besser? Würde die Bäuerin gern wieder in ihrem angestammten Beruf arbeiten? Ist es für sie sinnvoll, weil sie dank des Nebenerwerbs eine Vorsorge aufbauen kann? Sicher ist: Genau hinschauen analysieren ist wichtig. Jetzt ist auch der Moment da, um zu prüfen, welche Tätigkeiten auf dem Hof weggelassen, effizienter gestaltet oder mindestens reduziert werden können. Prioritäten setzen ist gefragt. Und den Mut zu haben, Ungeliebtes loszulassen. Das kann allerdings zu Konflikten mit weiteren Personen auf dem Hof oder in dessen Umfeld führen. Es lohnt sich, den klaren Weg zu gehen – auch wenn eine Entscheidung nicht von jedermann verstanden wird.

Keine Pauschallösung

Längst weiss man, dass sehr viele Bäuerinnen ungenügend abgesichert sind. Es ist nicht auf allen Betrieben möglich, eine umfassende Vorsorge für Landwirt und Bäuerin aufzubauen. Das ist leider so. Trotzdem empfiehlt es sich, die Situation genau zu prüfen und sie gemeinsam mit dem Treuhänder zu analysieren. In vielen Fällen gibt es gute Möglichkeiten. Ein sinnvoller, genügender Versicherungsschutz ist zwingend. Die Agro-Treuhandstellen in den verschiedenen Kantonen wissen Bescheid und bieten Unterstützung.

Bezüglich Absicherung der Bäuerin gibt es keine Pauschallösungen, jeder Einzelfall muss genau geprüft werden. Wichtig ist das Bewusstsein, dass alle Arbeiten innerhalb und ausserhalb des Bauernbetriebes gleichwertig sind. Auch wenn die eine Arbeit Geld einbringt und die andere nicht – verschiedenste Arbeiten sind nötig. Lebensqualität beispielsweise kann man nicht kaufen; ein gepflegter Haushalt mit frisch gekochtem, feinem Essen trägt aber viel zu einer guten Lebensqualität bei. Und Socken und Unterhosen waschen sich auch nicht allein – diese Arbeit muss genauso erledigt werden wie andere Tätigkeiten, die Geld einbringen.

Wenn Betrieb und Haushalt partnerschaftlich geführt werden und der Wert der so wichtigen Haus- und Betreuungsarbeit erkannt ist, findet das Bauernpaar bestimmt Wege, die für beide Partner stimmen. Deshalb nochmals: Genau hinschauen und Gerechtigkeit anstreben lohnen sich.

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