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Smart Home: Möglichkeiten für den digitalen Haushalt

Digitalisierte Hausarbeit ist keine Zukunftsmusik, man muss aber zwischen Sinnvollem und Spielereien unterscheiden. Den Menschen hinter der Technik braucht es weiterhin.

Morgens um halb sechs: Die Bäuerin steigt aus dem Bett und ruft in die Küche: «Alexa, mach Morgenstimmung!» Während sie sich anzieht, geht in der Küche sanftes Licht an, die Kaffeemaschine braut Kaffee in der bevorzugten Mischung, der Steamer wärmt den Haferbrei auf und die Esstheke fährt auf die richtige Höhe aus. Derweil ertönt aus dem Badezimmer die Lieblingsmusik in der optimalen Lautstärke und die Wassertemperatur der Dusche wird perfekt eingestellt. Zukunftsmusik?

Entscheiden, was sinnvoll wäre

Laut Adrian Bernhard, Geschäftsführer bei Brunner Küchen in Bettwil AG, sind solche Szenarien bereits heute möglich. Er betont aber, dass man sich bei der Planung des vernetzen Haushalts sehr genau überlegen muss, was wirklich sinnvoll und was bloss Spielerei ist. Heutzutage seien die Beratungsgespräche im Küchenbau viel differenzierter als noch vor einigen Jahren. Nicht nur, weil die Abläufe klar sein müssen, sondern auch weil die Auswahl in Sachen Technik sehr viel grösser ist.

Meist via App bedient

Am gängigsten ist heute die Bedienung eines Gerätes über eine App. Praktisch alle Marken bieten solche Lösungen an, um sämtliche Haushaltsgeräte via Smartphone oder Tablet zu kontrollieren und auszuschalten. In Sachen Wäscheversorgung existiert ein digitaler Waschassistent. Der Benutzer wählt aus, welche Wäschestücke wie stark verschmutzt und wie empfindlich sind. Die App macht einen Programmvorschlag und startet den Waschvorgang auch gleich. Natürlich zeigt die App an, wie lange es noch dauert, bis die Wäsche fertig gewaschen ist. Ähnliche Funktionen sind auch für den Wäschetrockner erhältlich.

Sinnvoll ist auch die Programmierung des Geschirrspülers. Dieses Gerät ist heute technisch so weit, dass es jeweils zu einer vorprogrammierten Zeit arbeitet und das Spülprogramm automatisch der Verschmutzung und der Menge des Inhaltes anpasst.

Direkter Zugriff aufs Gerät

Gewisse Marken haben Kameras in ihre Backöfen und Kühlschränke eingebaut. Während es durchaus sinnvoll sein kann, die Bräunung des Brots via Handy zu überwachen, ist der Nutzen beim Kühlschrank zu diskutieren. Schaue ich wirklich erst im Laden via Kamera nach, was mir im Kühlschrank fehlt?

Bald soll es auch möglich sein, dass ich den Code meines Lieblings-Joghurts scanne und mir dann via Webshop der Vorrat wieder aufgefüllt wird.

Der Dampfabzug denkt mit

Die Vernetzung zwischen Kochfeld und Dampfabzug gehört zu den neueren Errungenschaften der Küchentechnik. Die beiden Geräte sind verbunden und der Dampfabzug schaltet sich automatisch auf der richtigen Stufe ein und auch wieder aus. Nach Einschätzung der Firma Brunner Küchen werden sich die im Herd integrierten Abzüge gegenüber den Dampfabzugshauben wohl mittelfristig durchsetzen.

Vernetzung bringt Vorteil für die Händler

Bezüglich Gerätewartung und Verbrauchsmaterial liegt der Vorteil der Vernetzung ganz klar bei den Händlern. Bei Gerätedefekten kann die Firma direkt auf das Gerät zugreifen und eine Analyse durchführen. So hat der Monteur stets die für die Reparatur benötigten Ersatzteile dabei. Mit einem integrierten Zugriff auf den Vertriebsshop des Händlers hat der Kunde direkten Zugang zum Verbrauchsmaterial und bestellt dort sein Waschpulver oder sein Bratgeschirr.

Der Tag der Hauswirtschaft

Am 21. März ist der Internationale Tag der Hauswirtschaft. Er rückt die Leistungen der Hauswirtschaft ins Zentrum.

Es ist sicher nett, wenn ich meine Kaffeemaschine so programmieren kann, dass sie mir genau die Kaffeemischung aufbrüht, die ich am besten mag.

Hauswirtschaft ist wertvoll

Im Gegensatz zu Maschinen hat der Mensch jedoch Sinne. Die Freude über den Kaffee, den mir ein lieber Mensch bringt, macht den Unterschied. Wir setzen im Bereich Hauswirtschaft unsere Energie für etwas ein, das allen dient und das allgemeine Wohlbefinden steigert. Das ist der eigentliche Ansatzpunkt.

Es ist nötig, sich selbst und allen anderen klar zu machen, wie wichtig und wie wertvoll die Hauswirtschaft ist und wie viel von uns selbst da drinsteckt.

Der Mensch im Zentrum

Vernetzte und programmierte Haushaltsgeräten sind eine gute Sache, wenn man weiss, wie und wo die Technik im eigenen Haushalt sinnvoll ist. Die Verantwortung für das Ganze bleibt jedoch beim Menschen. Dies soll, ja muss, jede in der Hauswirtschaft tätige Person immer wieder selbstbewusst darlegen. Denn erst, wenn wir selbst der Hauswirtschaft diese Bedeutung geben, strahlt sie diese auch gegen aussen aus.

Butterzarter Braten

Ein weiterer Aspekt der digitalen Welt der Haushaltsgeräte ist die Programmierung der Koch- und Backgeräte. Vorprogrammierbare Backöfen gab es bereits vor der digitalen Vernetzung des Haushalts. In diesem Bereich verändert sich heute vor allem die Art der Bedienung.

Miele präsentiert in seiner Combi-Steamer-Kochvorführung einen butterzarten Nier-stückbraten: Würzen, auf den Grillrost legen, Fleischthermometer einstecken, Ofen programmieren, warten und geniessen. Die gesamte Palette an Zubereitungsarten ist programmierbar. Leidenschaftlichen Köchinnen entlocken solche Hilfen nur ein müdes Lächeln. Kochmuffeln helfen diese Programme aber auf jeden Fall, eher auf Selbstgekochtes zu setzten, statt auf Convenience Food (Fertigprodukte) zurückzugreifen.

Geräte ersetzen kein Fachwissen

Bei all diesen Möglichkeiten wird es immer wichtiger, seine Bedürfnisse zu kennen und zu benennen. Die Gadgets sind nur eine Hilfe, wenn sie sinnvoll und regelmässig eingesetzt werden. Und kein noch so schlaues Gerät kann das Fachwissen und den verantwortungsvollen Umgang damit ersetzen.

Agridea plant ein Symposium Hauswirtschaft zum Thema digitaler Haushalt: www.agridea.ch ▶ Unsere Weiterbildungen

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