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Schwarzbär und Weisskopfadler sind keine gern gesehenen Besucher

In Kanada erlegt ein am See beheimatetes Weisskopfadler-Pärchen zwei Schafe von Auswanderin Alexandra Ruckstuhl in einem spurlosen Beutezug. Der Schwarzbär aber hat seine Lektion gelernt.

Ende April bis Anfang Mai fingen die Schwarzbären an sich zu zeigen. Immer mal wieder sahen wir einen hier und dort. Ob auf der Farm oder auf dem Weg ins Dorf, sie waren unterwegs.

Ein ganz mutiger traute sich dann auch nahe ans Haus, als wir eine Kuh für die Hunde schlachteten. Es muss wohl sehr verlockend gerochen haben, wenn er dachte, es lohne sich, es mit den Hunden aufzunehmen. Da hat er die Rechnung aber ohne unser Rudel gemacht. Die Hunde jagten den Kerl zirka 5 Meter hoch auf eine Tanne rauf. Und das nur ungefähr 80 Meter vom Haus entfernt. Dort hielten sie ihn einige Stunden lang in Schach. Als er schliesslich müde wurde und runterkam, jagten sie ihn endgültig vom Grundstück.

Lektion gelernt

Er hat also hoffentlich seine Lektion gelernt und hält sich von nun an fern, egal wie gut es ums Haus herum riecht. Wir versuchen natürlich immer das Schlachten so schnell wie möglich gemacht zu kriegen, um keine Wildtiere anzulocken, auch damit die Fleischqualität nicht allzu sehr leidet, selbst wenn es nur für die Hunde ist. Aber zu zweit geht das je nach Tier nicht so schnell, und so kommt es eben doch hin und wieder vor, dass Fleisch draussen bleibt über Nacht. So müssen alle ihre Grenzen kennen, die Wildtiere, unsere Hunde und auch wir. Solange die Territorien klar verteilt sind, sollten wir miteinander klarkommen. Das Gewehr kommt erst raus, wenn es gar nicht mehr anders geht und ein Tier gelernt hat, dass es bei uns kein Futter gibt. Bisher hat sich erst eine Spezies bei uns selbst bedient. Diese ist aber nicht zum Abschuss freigegeben, nämlich der Weisskopfadler. Die Schafe wollten uns eines Morgens plötzlich nicht mehr zur frisch eingezäunten Weide folgen und nahmen kurzerhand Reissaus.

Mix aus Schaf und Ziege

Da die Isländer sich eher wie ein Mix aus Schaf und Ziege verhalten, ist es nicht ganz so einfach, sie beieinanderzuhalten oder auch mit den Hunden zu treiben. So liessen wir sie eben einen halben Tag am See entlang grasen, in der Hoffnung, dass sie mit vollem Bauch dann eher willens sind, sich in die eingezäunte Weide treiben zu lassen. Nun, ein halber Tag war bereits genug, um die zwei kleinsten Lämmer zu verlieren. Wir wissen zwar nicht mit absoluter Sicherheit, ob sie dem Weisskopfadler-Pärchen, welches am See nur wenige Hundert Meter weit entfernt nistet, zum Opfer gefallen sind. Aber wir vermuten es, da es keine Spuren eines Angriffs gab und die zwei spurlos und ohne die Aufmerksamkeit der Hunde zu erregen verschwanden.

Bevor wir nach Ootsa Lake zogen, hatten wir mit unseren Ärzten abgeklärt, wie es mit der interprovinziellen Kostenabrechnung für Arztbesuche aussieht. Zum Glück können die meisten unserer Ärzte Patienten aus anderen Provinzen behandeln, da sie Spezialisten sind. Sie können dann jeweils mit den zuständigen Behörden abrechnen obwohl das Gesundheitswesen provinziell geregelt ist. So können wir also bei den Ärzten bleiben, welche Josephine bereits seit Jahren zum Teil schon seit ihrer Diagnose begleiten. Das ist gerade bei einer seltenen Krankheit wichtig, da aufgrund der wenigen Patienten und neuen Behandlungsmöglichkeiten noch vieles ungewiss ist. So planten wir also alle wichtigen Arztbesuche auf eine Woche im Juni und machten uns auf den 1200 Kilometer langen Weg, um Ärzte in Calgary und Freunde in Nanton zu besuchen.

Schön grün

Bei unserer Ankunft waren die Felder schön grün, aber erst seit Kurzem. Nach einem extrem trockenen Winter und Frühling kam Anfang Juni endlich der lang ersehnte Regen in Süd­alberta. Lowe Ranches hatte sogar schon mit dem Säen aufgehört. Nach dem Regen starteten sie die Sämaschinen wieder und säten die restlichen Felder. Hoffentlich gibt es auch weiterhin regelmässig etwas Niederschlag, denn lange wird diese Feuchtigkeit im windigen Klima hier nicht anhalten. Wir würden gerne etwas Regen nach Osten schicken, hatten wir doch in Zentral- British-Columbia einen viel zu nassen und kalten Frühling, auch jetzt noch sind die Temperaturen am Ootsa Lake zu niedrig für Frühsommer, und wir haben mehr als genug Wasser.

Zur Person

Alexandra Ruckstuhl und ihr Mann Markus sind bereits zum zweiten Mal aus der Schweiz nach Kanada ausgewandert. Das erste Mal kehrte die Familie zur Behandlung einer lebensbedrohenden Krankheit ihrer älteren Tochter in die Schweiz zurück. Nach erfolgreicher Operation der ersten Tochter und der Geburt der zweiten ist Familie Ruckstuhl in ihre Wahlheimat zurückgekehrt. Mittlerweile sind mehr als drei Jahre vergangen, seit die Ruckstuhls die Schweiz zum zweiten Mal verlassen haben.

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