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Projekt «Mein Gemüsegarten»: Schlaraffenland zum Mieten

Petra Küng aus Beromünster vermietet ihren Garten an Leute weiter, die ihn dann bewirtschaften dürfen. Die Bäuerin kam auf der Suche nach dem guten Geschmack von Grossmutters Gemüse zum Gärtnern und möchte ihre Freude daran mit anderen teilen.

Petra Küng weiss, wie gut frisches, gesundes Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt. Um diese Erfahrung mit Menschen zu teilen, die weder über einen Garten, noch über Gärtnerwissen verfügen, hat die Bäuerin mit Fachausweis vor einem Jahr das Projekt «Mein Gemüsegarten» lanciert.

Der Garten im Feld gedeiht

Im Weiler Winon, etwas oberhalb eines stattlichen Einzelgehöfts mit blumengeschmücktem Luzerner Bauernhaus, Stöckli, Swimmingpool und separaten Ökonomiegebäuden befindet sich ein von einem Blühstreifen eingerahmter Nutzgarten, der weit in ein Urdinkelfeld reicht. In einer Reihe steht der Lauch, die Salat- und Kohlrabi-Linien weisen bereits Lücken auf, Stangenbohnen winden sich um die Kletterhilfe, Kürbis und Zucchetti schiessen ins Kraut. Da und dort leuchtet Kornblumenblau, Klatschmohnrot oder Ringelblumengelb.

Vom Gartenvirus gepackt

«Ich wollte meine Kinder gesund und vollwertig ernähren. Doch das konventionelle Gemüse schmeckte nie so, wie jenes aus Grossmutters Garten, und wenn ich Biogemüse kaufte, war es in Plastik eingepackt», erzählt Petra Küng, die mit ihrer Familie, ihren Eltern und ihrem Bruder Martin in der zu einem Mehrgenerationenhaus ausgebauten Liegenschaft wohnt. Daher nahm die gelernte Servicefachfrau bei der Bäuerinnen-Ausbildung das Modul «Garten» als eines der ersten in Angriff; Plastik hatte sie schon vorher weitgehend aus der Küche verbannt. Seither ist sie vom Gartenvirus befallen. Bodenfruchtbarkeit, Fruchtfolge, Mischkultur und Nützlingspflege sind ihr A und O.

«Wenn ich Biogemüse kaufte, war dieses in Plastik eingepackt.»

Petra Küng kam auch darum zum Gärtnern.

Freude mit anderen teilen

Ihre Begeisterung brachte sie auf die Idee, gartenlose Menschen an ihrer grünen Freude teilhaben zu lassen. Der Zeitpunkt war ideal: Anfang 2019 konnten sie und ihr Mann Michael den seit Generationen im Familienbesitz befindlichen 17-ha-Hof von ihren Eltern, Josef und Cornelia Küng, pachten. Während die junge Frau neben den familiären Verpflichtungen und administrativen Arbeiten auch eigene Ideen realisiert, kümmern sich ihr Mann und ihr Vater um die Schweinemast mit rund 350 Tieren und den Ackerbau mit Urdinkel und Futtergetreide. Daneben arbeitet er zu 40 Prozent in seinem erlernten Beruf als Koch. Wie seiner Frau ist auch ihm die naturnahe Bewirtschaftung wichtig. «Michael kennt sich mit der hofeigenen Herstellung von effektiven Mikroorganismen fast besser aus als ich», versichert Petra Küng.

«Langweilig wird mir nie», lacht die Mutter von drei Kindern: Fiona ist elf, Fredrik, der die Garten-Gene geerbt zu haben scheint, ist neun, das Nesthäkchen Amanda vier. Vergnügt tummeln sie sich mit ihren Freunden auf dem Hofgelände unter den mächtigen Linden, die wahrscheinlich beim Bau des Bauernhauses um 1820 gepflanzt worden waren. Oder sie übernehmen «Ärbetli» wie Milch holen auf dem Nachbarhof.

Erfolgserlebnisse sind nötig

Am 1. Mai 2019 startete Petra Küng ihr Projekt «Mein Gemüsegarten» mit vier Mieterinnen und Mietern. In diesem Jahr kamen zwei neue dazu. Die junge Bäuerin weiss, wie wichtig Erfolgserlebnisse für Neulinge und wenig Geübte sind. Darum übergibt sie die Beete grossenteils angesät und bepflanzt. Im letzten Jahr hat sie die Setzlinge im Gewächshaus angezogen, das ihr Mann aus ausrangierten Fenstern gezimmert hat. Wegen des Coronavirus und um sich zu entlasten, deckte sie sich diesmal in der ortsansässigen Gärtnerei ein, die die Setzlinge von der Stiftung Brändi bezieht.

«Das Gartenprojekt hat langsam Gestalt angenommen und soll langsam wachsen, damit es allen Spass macht.» Die Mieterinnen und deren Familien haben jederzeit Zugang zum Pflanzblätz. Per Chat gibt Petra Tipps und informiert, wann sie im Garten anzutreffen ist. «Mein Gemüsegarten» ist ihr eine Herzensangelegenheiten, doch sie gibt freimütig zu: «Ohne die tatkräftige Unterstützung meines Mannes wäre das Ganze nicht möglich.»

«Das Projekt soll langsam wachsen.»

Petra Küng möchte langsam vorangehen, damit es allen Spass macht.

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