St. Niklaus Das Thermometer zeigt minus zwei Grad an. Es liegt noch etwas Schnee von der Vorwoche im Weiler Biffig VS auf 1300 Meter über Meer und ein kühler Wind weht um den Hof von Stéphanie und Markus Sarbach. Sie wohnen unten im Dorf und halten hier oben ihre Schottischen Hochlandlinder sowie ihre Pro-Specie-Rara-Ziegen der Gruppe der Walliser Ziegen, nämlich Schwarzhalsziege, Capra Sempione (Simplonziege) und Grüenochte Geiss.
Zusammen Gitzi schöppeln
Die Bäuerin betreibt seit fünf Jahren unten im Dorf die Spielgruppe «Rägubogu» und auf dem Hof die Hofspielgruppe «Schnäggu-Hüüsi». Die BauernZeitung besuchte sie an diesem, vom Wetter her, eher unfreundlichen Tag, und war gespannt, wie viele Kinder sich zeigen würden. «Zurzeit haben wir eine spezielle Attraktion hier», sagte Stéphanie Sarbach, «nämlich ein Zicklein, das seine Mutter verlor und das wir schöppeln.»
Die Kinder möchten sich während der gut zwei Stunden, welche sie auf dem Hof verbringen, am liebsten nur um «Mäggy», kümmern, wie sie das Geisslein getauft haben.
Die Kinder sind ruhig und glücklich
Es geht gegen 9 Uhr, die ersten Mütter treffen mit ihren Kindern im Alter von drei bis vier Jahren ein. Diese rennen daher, dick eingepackt, stecken ihr «Schnäggli» in den Blumentopf am Eingang, wo Stéphanie auf sie wartet und sie einchecken. Sie eilen zu Markus, der sie in die Arme schliesst, und suchen schnell eine Beschäftigung. Die einen holen Trettraktoren hervor, die anderen sitzen auf die Schaukel. Wieder andere versuchen, die eisige Kletterwand hochzukommen und weitere betteln, ob sie gleich zu Mäggy gehen dürften. Sofort fällt auf, wie ruhig die Kinder sind, keines ruft nach seiner Mami, alle wirken glücklich bei Sarbachs.
So gibt es keine weinerlichen Abschiede
Auf die Frage, ob es nie Probleme gebe, weil Kinder nicht bleiben möchten, erklärt Stéphanie: «Die Styroporschnecken haben die Eltern kreiert und die Kinder haben sie bunt verziert. Am ersten Tag mache ich Müttern und Kindern klar, dass der ‹Schneckentopf› die Grenze sei, welche Mütter nicht überqueren dürften.» So gebe es keinen weinerlichen Abschied oder Einmischungen der Mütter in das Reich der Kinder. Es funktioniere wunderbar. Wenn die Kleinen nach gut zwei Stunden abgeholt werden, warten die Mütter draussen und nehmen ihre Kinder samt Schnecke in Empfang.
«Zyt für Pöise»
Es fängt zu nieseln an, die elf Kinder spielen und singen; das Wetter interessiert sie überhaupt nicht. Dann geht es zu den Geissen, denen sie Heu anbieten und die sie streicheln dürfen. Nachher ruft Stéphanie: «Zyt für Pöise!» Die vielen warmen Kleider werden im gemütlichen Raum auf der Heubühne abgelegt. Markus streicht Butter- und Konfitürebrote. Das Paar verteilt sie und reicht warmen Tee. Bald bitten die Kinder um mehr, denn die Kälte hat sie hungrig gemacht. Auch hier fällt auf, wie ruhig und anständig sich die Kinder verhalten. Als alle gesättigt sind, singen sie das «Burehoflidji» kreiert von Stéphanie Sarbach. Anschliessend erzählt sie ihnen die Geschichte vom kleinen «Fuxji». Die Kinder werden wieder warm eingepackt und dürfen Heidi und Peter, die beiden Hasen, streicheln. Eines nach dem anderen, denn Sarbachs achten darauf, dass Tiere lieb behandelt werden.
Stéphanie Sarbachs Tipp
Hofspielgruppen bieten grossartige Möglichkeiten für Kinder. Sie sorgen für Abwechslung, und zwar vor der eigenen Haustür. Wir brauchen mit der Gruppe nicht weit zu gehen, müssen nicht auf Strassen spazieren, sondern es ist möglich, Mädchen und Buben in der engeren Umgebung zu unterhalten. Schliesslich gibt es auf einem Bauernhof mit seinen Gebäuden und Plätzen grossartige Möglichkeiten, immer wieder Neues in der Natur zu entdecken und hier zu spielen. Je nach Saison werden Pflanzen gegossen, Gemüse und Blumen gepflanzt, Tiere gefüttert. Am Lagerfeuer wird eine feine Suppe gekocht, welche die Kinder selbst vor- und zubereitet haben.
Weitere Informationen: www.hof-spielgruppe.ch
«Eine Hofspielgruppe nahe am Wald, abseits vom Verkehr, gibt Kindern die Möglichkeit, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit draussen Neues zu entdecken», erläutert Stéphanie. Als aussenstehende Erwachsene kommt es einem vor, hier sei noch alles heile Welt. Die Geduld und die Liebenswürdigkeit, die Sarbachs ihren Schützlingen entgegenbringen, sind spürbar.
Sie vergessen alles ausserhalb des Hofes
Die Kinder sind ausnahmslos zufrieden und scheinen alles ausserhalb des Hofes zu vergessen. Stéphanie ist ausgebildete Spielgruppenleiterin; nach der einjährigen Ausbildung in Visp VS absolvierte sie ebenfalls die einjährige Weiterbildung als Hofspielgruppenleiterin und hält beide Diplome. Sie ist Mitglied der IG Spielgruppen Schweiz GmbH, die über ein breites Bildungs- und Weiterbildungsangebot verfügt. Die Spielgruppe im Dorf betreut sie allein. «Wenn ich mich jedoch des Mittwochvormittags und -nachmittags um je eine Gruppe auf dem Hof kümmere», lächelt sie, «bin ich um die Unterstützung von Markus froh. Mädchen und Buben haben einen guten Draht zu ihm und gerade im Zusammenhang mit den Bauernhoftieren können sie viel von ihm lernen.»

