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Porträt: «Es ist schön, selbst zu entscheiden»

Nina Leuenberger wollte herausfinden, wie sich Landwirtinnen in einem männlichen Umfeld behaupten.

Nina Leuenberger stellt sich mit einer Mischung aus Skepsis und Schüchternheit neben einen Baum im Rosengarten in Bern. Nur noch ein Bild, dann hat sie es geschafft. Ihr Lächeln ist, wie im Gespräch vor dem Termin, zurückhaltend. Die Humangeografin wischte die Fragen nach ihrem Lieblingsessen, ihrer Lieblingsfarbe und Morgenroutine mit «ich weiss nicht, ob das irgendjemand interessiert» weg und liess es dabei bewenden. Viel lieber spricht sie über ihre Masterarbeit. «Landwirtinnen in der Schweiz – Arbeiten gegen die geschlechtsspezifischen Zuschreibungen auf dem Hof» ist der Titel des 142-seitigen Dokuments, das sie an der Universität Zürich abgegeben hat. Leuenberger hat darin untersucht, wie Landwirtinnen über ihre Arbeit «in einem derzeit männlich konnotierten Beruf sprechen». Sie wollte mehr über das berufliche Selbstbild der Landwirtinnen erfahren. Als Nina Leuenberger mit den Landwirtinnen sprach, wurde schnell klar, dass es nicht um die Berufsbezeichnung geht.

«Das macht man einfach»

Selbst die Bezeichnung Landwirtin sei nicht so wichtig. Die Landwirtinnen «haben sehr gerne über ihre Arbeit gesprochen. Der Haushalt wurde weniger thematisiert.» Gerade Landwirtinnen würden die Tätigkeiten der Bäuerin oft nicht als Beruf ansehen, sondern als etwas interpretieren, «das man einfach so machen und erledigen muss – wie Hausfrauen auch.»

Machen, was Freude macht

Da sich die Rolle der Landwirtin in den letzten Jahrzehnten verändert hat, werden neue Anforderungen gestellt: «Ein Mann muss vielleicht mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen.» Davon betroffen sind Männer und Frauen gleichermassen; sie müssen bei jedem Aufeinandertreffen von Neuem klären, wie sie zueinander stehen, wer welche Rollen und Pflichten übernimmt. «Eigentlich ist es schön, wenn man nicht einfach in die Schublade gesteckt wird und selbst entscheiden kann», findet Leuenberger. «Aber es macht vielleicht ein paar Dinge komplizierter.» Sie selbst sieht diese Rollenfragen aber recht entspannt. Vermutlich, weil ihre eigenen Erfahrungen ganz anders waren.

«Ich habe immer versucht, das zu machen, was ich gerne gemacht habe.» Als 7-Jährige kickte sie in Langnau i. E. BE im Fussballverein mit – als einziges Mädchen. Das sei gut für ihr Ego gewesen, sagt Leuenberger rückblickend. «Man stellt dann plötzlich fest, dass man es gar nicht schlechter macht, als die Jungs.»

«Plötzlich stellt man fest, dass man es gar nicht schlechter macht als die Jungs.»

Nina Leuenberger über ihre Erfahrung als Teil einer Fussballmannschaft.

Interessante Sichtweisen

Sie selbst ist auf keinem Bauernhof aufgewachsen. Das Interesse am Thema erwachte im Gespräch mit der Mutter. «Wir sprachen darüber, dass meine Grossmutter auf dem Hof viele als männertypisch angesehene Tätigkeiten ausführte, während der Grossvater ausserhalb arbeitete.»

In den Gesprächen mit den Landwirtinnen entdeckte Nina Leuenberger dann «viele tolle Sachen und Sichtweisen». Den 14 Interviewpartnerinnen hat sie die fertige Masterarbeit trotzdem nicht geschickt. «Ich war damals einfach froh, die Arbeit abgeschlossen zu haben», sagt sie.

Vier Bildvarianten später ist Leuenberger erleichtert, dass das Gespräch vorüber ist. Siebzig Minuten lang hat sie die für sie unangenehme Situation ausgehalten. «Ich stelle lieber Fragen, als dass ich Antworten gebe.» Es ist kalt. Sie verabschiedet sich, reibt sich die Hände, stapft durch den Schneematsch und verlässt den Rosengarten.

Ninas Tipp

Geschlechterrollen und -klischees sind überall. Sie sind Teil der Gesellschaft und beeinflussen, wie man sich anzieht und wie man sich gibt. Um den Klischees zu begegnen, empfiehlt Nina Leuenberger das Gespräch. «Es ist wichtig, das Thema anzusprechen und offen darüber zu reden», sagt sie. Jeder denke in Klischees; letztlich sei es also der Diskurs, der diesen Stereotypen den Garaus machen könne.

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