Seit Anfang April ist Johanna Schaufelberger Spartenleiterin Bäuerin und Gesundheit am Strickhof. Als die Stelle Anfang dieses Jahres erneut ausgeschrieben wurde, hat sich die Mittfünfzigerin nach eigenem Abwägen und Gesprächen mit ihr Nahestehenden entschlossen, sich zu bewerben. Dass sie über das Rüstzeug für diese anspruchsvolle Arbeit verfügt, hatte sie vor eineinhalb Jahren bewiesen. Damals sprang sie nach einem schweren Unfall der damaligen Spartenleiterin ein und erledigte die vielfältige Arbeit, mit viel Unterstützung aus dem eingespielten Team der Unterrichtenden am Strickhof.
Schaufelberger ist eine Hauswirtschaftslehrerin mit fundiertem Wissen. Sie hat viel Erfahrung im Unterrichten auf verschiedenen Stufen und verfolgt die Entwicklung und die nun wieder wachsende Wertschätzung der Sparten Bäuerin und Gesundheit mit Begeisterung und grossem Engagement.
Geprägt von der Kindheit
Johanna Schaufelberger ist im Zürcher Oberland gross geworden. Auf einem abgelegenen Bauernhof oberhalb von Wald, auf dem Weg zur Alp Scheidegg, hat sie zusammen mit drei Brüdern eine von Freiheiten aber auch von Arbeit und langen Schulwegen geprägte Kindheit erlebt. "Eigentlich brauchten wir eine halbe Stunde für den Heimweg. Wenn wir aber durchs Tobel gingen, waren wir manchmal auch zwei Stunden unterwegs." Prägend sei der Mehrgenerationenhaushalt gewesen, meint sie nachdenklich. Sie sei zwar gleichberechtigt mit ihren Brüdern aufgewachsen. Und doch war sie es, die über Jahre jeden Samstag einen Zopf und einen Kuchen für die Familie buk.
Voll Bewunderung für die Arbeit ihrer Mutter und ihrer Grossmutter, erzählt Schaufelberger von einem sehr hohen Selbstversorgungsanteil. "Die Folgen waren tagelanges Pflücken von Johannisbeeren, bergweise Bohnen fädeln, Körbe voller Äpfel rüsten und trocknen … heute wäre das ja wieder sehr modern und nachhaltig", findet sie. Hauswirtschaftslehrerin ist Schaufelberger eher zufällig geworden. Sie schloss sich ihrer besten Freundin an, die diesen Weg einschlug.
Zeit für Reisen
Nach der Ausbildung unterrichtete sie an den Husi-Kursen der Zürcher Mittelschulen. Diese dauerten jeweils drei Wochen und fanden extern, in Hauswirtschaftszentren statt: im Hasliberg, in den Flumserbergen und in Casoja bei Lenzerheide. Diese Anstellung hatte den grossartigen Nebeneffekt, dass mit geschickter Verteilung neben einem hohen und anstrengenden Pensum viele unterrichtsfreie Zeit zum Reisen übrig blieb. Mit einer Cousine reiste Johanna Schaufelberger mit der Transsibirischen bis nach Japan und weiter nach Australien. Später war sie zusammen mit ihren Eltern in den USA unterwegs und besuchte Verwandte.
Mit etwa 30 Jahren reifte in Schaufelberger der Wunsch nach etwas Anderem: Sie absolvierte die Wirteprüfung und gründete mit Kolleginnen zusammen ein Catering-Unternehmen. Als die «Husikurse» zwischenzeitlich abgeschafft wurden, kam zum Catering für ein paar Jahre auch ein Café in der Stadt Winterthur dazu.
Positive Entwicklungen
Doch es zog Johanna Schaufelberger wieder zur Hauswirtschaft und zum Unterrichten zurück. Ab 2007 übernahm sie am Strickhof den Fachunterricht für die Lernenden Fachangestellte Gesundheit EFZ und wurde 2010 Bereichsleiterin dieser Abteilung. Begeistert erzählt die neue Spartenleiterin von positiven Entwicklungen in der Ausbildung künftiger Fachkräfte im Gesundheitsumfeld: kleinere Klassen und moderne und nachhaltige Inhalte in den Fächern Ernährung, Hauswirtschaft und Alltagsgestaltung.
Daneben möchte Schaufelberger das Angebot an Kursen für alle ausbauen. "Da hat es dank aktuellen gesellschaftlichen Trends Potenzial für mehr. Unsere Kurse für Produkteverarbeitung – Backen, Einsäuern, Dörren – sind gut besucht, Haushalt- oder Kochkurse für Männer am Samstag könnten unser Angebot ergänzen", meint sie.
In der Bäuerinnenausbildung liegen die Möglichkeiten des Strickhofs bei neuen Wahlmodulen. "Schon heute bieten wir Agrotourismus und Bildungsangebote je nach Nachfrage alternierend an. Wir denken an ein Angebot im Bereich Gesundheit und Soziales für Bäuerinnen mit Erstausbildung Pflegefachfrau." Das mit dem Ziel, zu Betreuende auf dem Hof aufzunehmen: Kinder, Betagte oder Behinderte. Die Bäuerinnenschule decke einen wesentlichen Teil von nachhaltigem Leben ab, ist Schaufelberger überzeugt. Es gehe um Werterhaltung und Wertschätzung. Beim Kochen und der Produkteverwertung soll alles kreativ verarbeitet und nichts weggeworfen werden.
Der Leitspruch "Sorge tragen" gilt aber auch bei der Wohnungspflege und der Wäscheversorgung. "Und wo kann man diese Haltung noch lernen und bewahren, wenn nicht an einer Bäuerinnenschule. Unser Image ist altmodisch oder auch extrem modern", meint sie lachend.

