Fast ein schlechtes Gewissen, während der Erdbeerernte ein Interview zu führen, hat die Schreiberin, als sie auf Hof Obermisli in Obbürgen Regula Amstutz antrifft. Die Kinder Remy (3) und Marlen (2) sind in Obhut ihres Vaters Nik und helfen beim Gras Mähen. Die älteste Tochter Luise ist im Kindergarten. «So haben wir schön Zeit fürs Interview», sagt die dreifache Mutter, die demnächst ihr viertes Kind erwartet, lächelnd.
Ideale Pflückverhältnisse
Auf ihrem 11 ha grossen Betrieb halten Nik und Regula Amstutz Mutterkühe der Rassen Original Braunvieh und Rätisches Grauvieh. Diese verbringen den Sommer auf der Steinalp bei Niederrickenbach. «Das war auch der Grund, wieso wir eine Nische suchten für eine weitere Einnahmequelle während der Alpzeit», erklärt Regula Amstutz.
Sie haben sich für Beerenkulturen, Erdbeeren im Stellagenanbau und Himbeeren, beides im Tunnel, entschieden. «Die Stellage bei den Erdbeeren haben wir gewählt, weil es die perfekte Höhe zum Pflücken ist», sagt die Landfrau. Das sei im Moment als Hochschwangere ideal, sagt sie schmunzelnd. Ein Nachteil habe diese Art der Anlage jedoch, können sich doch nicht biozertifizieren, da die Erdbeeren nicht direkten Bodenkontakt haben. «Das bedauere ich sehr und ich verstehe es eigentlich nicht», ärgert sich Amstutz, denn auf ihrem Betrieb werde kein «Gift» gespritzt.
«Wie viele Erdbeeren direkt im Mund landen, weiss ich nicht.»
Regula Amstutz vertraut den Selbstpflückern.
Schwierige Startphase
«Wir starteten 2018 mit zwei Sorten Erdbeeren in Tunnels noch in der Bauphase», erklärt Regula Amstutz. In der gleichen Zeit seien viele ihrer Kälber an Streptokokken erkrankt, was einen grossen Mehraufwand bedeutete. «Es war eine schwierige Zeit», blickt sie zurück. Denn zur selben Zeit hat Familie Amstutz ihr Haus gebaut, viel davon in Eigenregie. Sie ist gelernte Schreinerin und ihr Mann nebst Landwirt gelernter Zimmermann. Das Haus ist inzwischen fast fertig. Es fehlen nur noch Kleinigkeiten.
Bei den Erdbeersorten sind sie noch immer am Ausprobieren. «Im Moment verkaufen wir Sorten wie Murano, Capri und Charlotte. Letztere ist eine sehr gute Beere im Geschmack, jedoch nicht für den Grosshandel geeignet, da sie heikler zum Transportieren ist», weiss sie zu berichten. Aber das sei für sie kein Problem, da sie diese Sorte direkt ab Hof verkaufen. Auch Selberpflücken bieten sie in der Anlage an: «Es läuft nicht schlecht und die Kunden pflücken vorsichtig, aber wie viele Beeren nicht im Körbchen, sondern im Mund landen, weiss ich nicht». Da vertraue sie den Kunden.
Pflücken mit Arabern
Zudem zeigt Familie Amstutz den Touristen, dank ihrer Lage unmittelbar unterhalb des Bürgenstockresorts, wie sie Beeren pflücken können. «Die meisten sind Araber und bekommen bei uns zum ersten Mal die Gelegenheit, Erdbeeren und Himbeeren direkt ab Strauch zu geniessen», sagt Amstutz. Ein tolles Erlebnis für diese Besucher.
Das Resort sei zudem auch ein Abnehmer ihrer Erdbeeren und Himbeeren. Auch andere Detaillisten hätten angefragt. Es läuft also gut. «Fast zu gut, denn die Nachfrage übersteigt die Menge, die wir liefern können.» Daher sei es nicht ausgeschlossen, dass sie ihre Anlage erweitern werden, sagt Regula Amstutz weiter.
Mit SchuB zurück zur Natur
Nebst den Arbeiten auf dem Hof unterrichtet die gelernte Schreinerin in einem Pensum von 30 Prozent Technisch Textiles Gestalten (TTG) an der Schule in Hergiswil. «Ich bin sehr froh, dass ich das Werken und somit den Kindern viel Wichtiges mit auf den Lebensweg geben darf», erklärt Regula Amstutz.
«Mir ist es zudem ein grosses Anliegen, dass die Kinder wieder wissen, woher zum Beispiel die Milch oder das Fleisch kommt oder wie die Pflanzen wachsen. Denn viele haben keine Ahnung mehr von der Natur und leben in einer virtuellen Welt», so ihre Erfahrungen. Darum bietet die bald vierfache Mutter auch Schule auf dem Bauernhof (SchuB) an. «Da wir mit Nützlingen und Bio-Fungiziden arbeiten, gibt es im Garten, Stall und rund um den Hof viele verschiedene Insekten. Für die Kinder ein riesiges Erlebnis, solche zu entdecken und auch anzufassen.»
«Unser Ziel ist es, vom Betrieb zu leben.»
Regula und Nik Amstutz möchten über eine Tonne Beeren produzieren.
Vom Betrieb leben können
«Wir sind immer daran uns zu optimieren, aber auch Altes zu bewahren», sagt Regula Amstutz. So hätten sie dieses Jahr 20 Hochstammbäume gesetzt. Noch so vieles möchte sie lernen und umsetzen. Auch die Permakultur sei ein Thema, das sie gerne für eine nachhaltige Landwirtschaft umsetzen möchte.
Noch sind Regula und Nik Amstutz vor allem aus finanziellen Gründen auswärts tätig. Das sei nur dank ihren Schwiegereltern und Eltern möglich. Und mit Blick in die Zukunft: «Unser Ziel ist, dass wir über eine Tonne Beeren produzieren können und unseren Betrieb so erfolgreich führen, dass wir möglichst davon leben können».

