ABO

Porträt: «Ich lebe hier in einem Paradies»

Ursula Bucher führt den Beeren- und Obstbaubetrieb Vogelsang. Die gelernte Lehrerin hatte ursprünglich nicht geplant, den Hof zu übernehmen. Sesshaft veranlagt war sie in jungen Jahren überhaupt nicht.

Ursula Bucher lebt mit ihren vier Kindern im Vogelsang. Auf dem sonnigen Hügelzug oberhalb von Ebikon zwischen Reuss und Rotsee führt sie zusammen mit saisonalen Angestellten und unzähligen Helfern einen sechs Hektaren grossen Betrieb mit Beeren, Obst und Koniferen. «Bei uns wachsen über 50 Sorten Äpfel, Kirschen, Nüsse, Zwetschgen, viele Himbeeren, Brombeeren, Cassis, Johannisbeeren, und eigentlich fast alle Beeren, die in der Region wachsen», erklärt Ursula Bucher während des Rundgangs durch ihren Betrieb. Auf dem Rundgang sind sogar Pfirsiche, Feigen, Maulbeeren, Indianerbananen, Kakis und weitere Früchte zu sehen. Zwischen den Beeren gibt es viele Rosen oder Lavendel, der zum Beispiel gegen Blattläuse hilft. Zudem können die Blumen am Markt verkauft werden. Auf einer kleinen Fläche kann so sehr viel kultiviert werden.

Natürliche Produktion

Zum Zeitpunkt des Besuchs ist der Onkel von Ursula Bucher, ein 90-jähriger Kapuziner, zu Besuch. Er ist im Haus auf dem Vogelsang aufgewachsen. «Es gibt noch viel mehr Obst und Beeren, als ich mir als Kind hätte erträumen können», sagt Franzsales, der Kapuziner. In den Ferien kommt er teilweise auf den Hof von Ursula Bucher und hilft draussen mit. Am liebsten sammelt er die Äpfel ein, die runtergefallen sind.

Ursula Bucher ist hier gross geworden. Als es zur Betriebsübernahme kam, hätten sie als Erbengemeinschaft, zusammen mit ihrer Mutter und den Geschwistern, eine Lösung für den Betrieb gesucht. «Ich dachte nie, dass ich den Betrieb mal übernehmen werde. Das war aber die Lösung», erklärt Ursula Bucher, «nun führe ich den Betrieb schon seit zwölf Jahren.» Die Mutter von Ursula Bucher versuchte früher schon, mit Spezialkulturen und speziellen Pflanzen ein Einkommen zu sichern. Sie war immer sehr innovativ. «Ich möchte meine Beeren möglichst nicht spritzen», sagt Ursula Bucher. Sie habe zwar kein Biolabel, aber die natürliche und nachhaltige Produktion der Beeren liege ihr am Herzen.

Beeren werden reif geerntet

«Die Nachfrage für Beeren ist riesig», am Markt und im Hofladen seien die Beeren extrem beliebt, berichtet Ursula Bucher. «Wir lesen unsere Beeren und Früchte reif ab, so sind sie viel geschmackvoller. Sie müssen dann aber schnell verarbeitet und verkauft werden», so Ursula Bucher. Sie verkauft nur Sorten, die sie selber mag. Sie wolle hinter ihren Produkten stehen können. Die Himbeere ist für Ursula Bucher die interessanteste Beere, sie ist beliebt und kann ganz verschieden weiterverarbeitet werden. Früher gingen die Beeren in die Konfifabrik und den Handel. Heute werden sämtliche Produkte vom Hof selber veredelt und direkt vermarktet. Es geht nichts mehr in den Handel. Der Hof Vogelsang ist seit fast 30 Jahren am Luzerner Wochenmarkt anzutreffen. Das sei die grösste und wichtigste Einnahmequelle. «Der direkte Kontakt zum Kunden ist sehr wertvoll», berichtet Ursula Bucher.

«Ich dachte nie, dass ich den Hof übernehme.»

Ursula Bucher ist sehr glücklich, den Betrieb führen zu dürfen.

Familie gibt ihr Halt

Viele Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit eines Beerenbetriebs: Krankheiten, Wetter, Preise und die eigene Gesundheit. Das könne man nicht beeinflussen, erklärt Ursula Bucher. Es müssten wirklich alle mithelfen, damit es funktioniere. «In der Hochsaison wird teilweise die ganze Woche gearbeitet. Es gibt intensivere Monate und weniger intensive Monate. Ich habe viele Helfer und bin sehr dankbar dafür», so Ursula Bucher. Ohne ihre Familie, Freunde und Bekannten könnte sie die viele Arbeit während der Beeren- und Obstsaison nicht bewältigen. Eingespielte Helferinnen kommen auf dem Hof vorbei und beginnen mitzuarbeiten. «Einige kommen, um Holz zu spalten und andere lesen Beeren ab oder rüsten mir die Zwetschgen.» Sie sei dankbar für die fleissigen Helfer, erzählt Ursula Bucher. Ihre Mutter lebt auch auf dem Hof und ist jeden Tag mit Konfi und Sirup machen oder anderen Arbeiten beschäftigt. Ihre Schwester komme mehrmals die Woche vorbei, helfe bei Marktvorbereitungen, mache Konfi und helfe überall mit, wo gerade Arbeit anstehe. Auch die Kinder müssen bei den Arbeiten mithelfen. Die Kinder von Ursula Bucher haben die Jahrgänge 2004, 2006, 2009 und die Jüngste wird bald zweijährig. «Meine Familie gibt mir sehr viel», beschreibt Bucher den starken Zusammenhalt.

Im Winter im Klassenzimmer

Bis vor der Betriebsübernahme hat Ursula Bucher als Lehrerin gearbeitet. «Ich habe nachträglich die landwirtschaftliche Ausbildung gemacht», berichtet Ursula Bucher. Im Winter, wenn es etwas weniger zu tun gibt, übernimmt sie jeweils Stellvertretungen an verschiedenen Schulen. Das sei eine sichere Einnahmequelle und mache ihr nach wie vor viel Spass.

Glücklich auf dem Hof

«Auf dem Hof gefällt es mir, ich habe immer zu tun», sagt Ursula Bucher und lacht. «Ich bin glücklich und dankbar, dass wir alle gesund sind und so ein schönes Zuhause haben», so Bucher. Als sie jung war, ging sie viel auf Reisen. Sie war neben europäischen Ländern sogar in Australien, Afrika und Asien. «Ich habe auch bei der Swissair gearbeitet und bin gerne geflogen. Ich bin eigentlich gar nicht sesshaft, aber hier gefällt es mir so gut, ich lebe im Paradies», schwärmt Ursula Bucher.

Weiterlesen

  • Gewinnen Sie mit etwas Glück zwei Tickets für die OLMA 2026. (Bild: Michael Huwiler)

    Gewinnen Sie zwei Tickets für die OLMA 2026!

    Die BauernZeitung verlost 5×2 Eintrittstickets für die OLMA 2026. Machen Sie mit und erleben Sie die beliebte Schweizer Messe rund um Landwirtschaft, Tiere, Genuss und Tradition live in St. Gallen.
    Show more