Noch nie war das Eidgenössische Parlament weiblicher als in der 51. Legislatur. Dank riesigem Einsatz der Frauen wurde der Erfolg erzielt. So sind nun 83 Nationalrätinnen (41,5%)und 12 Ständerätinnen (26,1%) im Amt.
Das Engagement bleibt
Total 1858 Frauen kandidierten als Nationalrätin. Der SBLV porträtierte 68 Kandidatinnen, die als Mitglied des Verbandes die Bäuerinnen und Landfrauen vertreten. Von diesen bäuerlichen Vertreterinnen haben 17 Frauen die Neu- oder Wiederwahl ins Parlament erfolgreich geschafft. Aber auch die «Nicht-Nationalrätinnen» sind weiterhin mit grossem Engagement an ihrer Arbeit in der Politik. Unter ihnen sind auch die Bäuerinnen Barbara Dürr aus Gams GR (CVP), Ursula Egli aus Rossrüti SG (SVP) und Marie-Theres Widmer aus Steinhof SO (CVP). Für die BauernZeitung geben sie einen Einblick, wie sie die Wahlen persönlich erlebt haben und wie ihre politische Zukunft aussieht. Die drei sind weiterhin politisch aktiv und hoch motiviert. Zudem haben sie während dem Wahlkampf viel gelernt und konnten ihr Netzwerk vergrössern.
«Ich werde mithelfen, die Landwirtschaft zu erklären und zu verteidigen»

Als intensiv hat Marie-Theres Widmer die Wahlen erlebt. «Es brauchte mehr Zeit, als ich mir vorstellte. Gefallen hat mir, die direkten Kontakte mit der Wählerschaft zu pflegen, z. B. an der HESO», hält die Bäuerin fest. Ein toller Anlass war mit dem Bäuerinnen-Appell verbunden: sogar eine Regierungsrätin und die Kantonsratspräsidentin traten als Unterstützerinnen auf. Die Katholische Bauernvereinigung Solothurn engagierte sich und stellte für ihre Kandidatinnen Tafeln mit Strohballen an den Strassenrand. Die politische Motivation von Marie-Theres Widmer besteht in Sachpolitik, welche die Bürger interessiert und wovon sie direkt profitieren können. Als Mitglied der GPK (Geschäftsprüfungskommission) im Kantonsrat kann Marie-Theres Widmer hinter die Kulissen des Kantons sehen und direkt Einfluss nehmen. In dieser Kommission werden Prozesse hinterfragt und nach Bedarf neue Lösungen gefordert und gefunden.
Was motiviert Sie, politisch engagiert zu sein?
Marie-Theres Widmer: Mit einem landwirtschaftlichen Betrieb ist man politisch sehr abhängig, das interessiert mich. Statt mich zu nerven, wie es andere tun, wollte ich in die Politik, um etwas bewirken zu können. Ich finde ich es wichtig, dass die Landwirtschaft breit, über alle Parteien hinweg, vertreten ist. Im Kantonsparlament werden neue Gesetze verabschiedet, hier haben wir Möglichkeiten, unsere Situation zu erklären und so auf Gesetze Einfluss zu nehmen.
Was wollen Sie im 2020 ganz sicher erreichen oder machen?
Ich engagiere mich weiterhin in der GPK des Kantonsrats. Realitätsbezogene Bildungs- und Familienpolitik bleibt mein Schwerpunkt und liegt mir am Herzen. Initiativen beschäftigen sehr, ich werde meinen Teil beitragen, um unsere ökologische, nachhaltige und produzierende Landwirtschaft zu erklären und zu verteidigen.
Was darf für Sie bei einem feinen Essen ganz sicher nicht fehlen?
Das gemeinsame Zusammensein mit Freunden und die daraus entstehenden Gespräche.
«Ich will an vorderster Front mitbestimmen»

Lehrreich und spannend war der Wahlkampf für SVP-Kandidatin Ursula Egli aus Rossrüti SG. «Positiv war das Kennenlernen vieler Leute, über den ganzen Kanton und darüber hinaus. Eher negativ war der Zeitpunkt der Wahl. Herbst ist mit der Obsternte die arbeitsintensivste Zeit auf dem Betrieb», blickt die Bäuerin zurück.
Ihre politische Zukunft ist momentan klar, da sie im März die Wiederwahl in den Kantonsrat anstrebt. Im Herbst will ihre Partei neun Sitze im Stadtparlament Wil verteidigen und einen Sitz im Stadtrat holen. Also wird 2020 für Ursula Egli ein intensives Wahljahr werden, aber mit weniger Aufwand als für eine Nationalratskandidatur. Ob sie erneut für den Nationalrat kandidieren wird, hängt davon ab, ob die Gewähr besteht, die Zahl der landwirtschaftlichen Vertretungen stabil zu halten oder sogar zu erhöhen.
«Meine Motivation, mich politisch zu engagieren ist nach wie vor, an vorderster Front mitzubestimmen, wie sich die politische Landschaft entwickelt. Es braucht mehr Frauen rechts der Mitte, die sich für die Anliegen der KMU, des Gewerbes und der Landwirtschaft einsetzen», ist Ursula Egli überzeugt
Was wollen Sie in der Politik unbedingt noch erreichen?
Ursula Egli: Dass die Bürokratie auf den Staatsebenen, in Gemeinde, Kanton und Bund, nicht laufend ausgebaut wird.
Was soll im 2020 für Sie in Erfüllung gehen?
Dass ich gesund bleiben darf, um weiterhin mit Engagement für die Familie da zu sein, im Beruf die Erfüllung zu finden und aktiv die politische Arbeit zu machen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was sollte sich für Sie oder jemand anderen erfüllen?
Dass der Landwirt, die Landwirtin und Bäuerin als Unternehmer wahrgenommen werden und sie nicht als manipulierbarer Berufsstand den Zahlungen vom Bund nacheilen müssen, um ihr Einkommen zu sichern.
«Es gibt junge Leute, die mitreden und sich engagieren wollen»

[IMG 4]
Die positive, aktive Jungpartei war für Barbara Dürr ein besonderer Wahlkampf-Aufsteller. «Die Unterstützung meiner Familie und der Frauen beeindruckte mich, speziell das Team Orange war super», erkennt die Bäuerin. Etwas ernüchternd fand sie die wenigen Besucher an Wahlpodien und als eher bescheiden betrachtet sie die Stimmbeteiligung, obwohl es ein grosses Medienecho im Vorfeld gab.
In ihrem politischen Engagement steht momentan der Kantonsrat im Vordergrund, die erste Wiederwahl steht an. Von der Nationalratskandidatur kann sie das Netzwerk nutzen. Das Fehlen von Frauen, vor allem in landwirtschaftlichen Organisationen, ist ihre Motivation für das politische Engagement.«Es gibt viele gut ausgebildete Frauen, die in gut bezahlte Ämter und Gremien gehören.»
Was war für Sie das politisch prägendste Ereignis?
Barbara Dürr: Das Engagement der Jugend, sie sind da und wollen mitreden. Es gibt junge Leute, die sich engagieren wollen.
Auf was freuen sie sich im 2020 besonders?
Wenn meine Wahl in den Kantonsrat erfolgreich ist. Die Arbeit in diesem Gremium ist spannend und ich möchte die Arbeit gerne fortsetzen.
Was machen Sie nach einer strengen Session im Kantonsrat zur Erholung?
Zu Hause ankommen und in den Haushalt einsteigen. Wieder selber zu kochen, das erdet. Daheim arbeiten und sich auch auswärts eingeben, ist ein faszinierendes Spannungsfeld.
Frauen wählen
Auf seiner Website hat der Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenverband SBLV mit einem Link «Frauen wählen» eine Wahlplattform für Bäuerinnen und Landfrauen geschaltet. Dort wurden die Kandidierenden vorgestellt und nun sind die Gewählten zu sehen. Aktiv verknüpft sich der SBLV mit Politikerinnen über alle Parteien hinweg, um sich für die Interessen der Bäuerinnen und Landfrauen einzusetzen.
Weitere Informationen: www.landfrauen.ch

